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MAK

Full text : Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewesen (Gruppe XVI, Section 2), officieller Ausstellungs-Bericht

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Guftav  Semrad  und  Johann  Sterbenz.

Die  Richtung,  welche  die  ruffifche  Artillerie  bei  ihren  Arbeiten  einfehlägt,
ift  aus  mehrfachen  Gründen  beachtenswerth,  und  das  Studium  der  von  ihr  ausgeftellten
  Gefchütze  empfiehlt  fich  daher  fowohl  vom  technifchen  als  auch  vom
rein  militärifchen  Standpunkte  zur  Beurtheihmg  eines  Haupttheiles  der  dortigen
Wehrkraft.
Die  ruffifchen  Artillerie-Objedte  flammten  theils  aus  dem  k  a  i  f  e  r  1  i  c  h  e  n
Arfenalezu  St.  Petersburg,  theils  aus  den  Stahlwerkenzu  Perm  und
Ob  oukhoff.
Erfteres  hatte  unter  Anderem  eine  broncene  4-pfündige  Feldkanone ­
  ausgeftellt.
Das  Rohr  derfelben  befteht  aus  dem  conifchen  Längenfelde,  dem  cylindrifchen
  Mittelfelde  und  aus  dem  vierkantigen  abgerundeten  Hinterftücke,  in
welchem  fich  der  Verfchlufskeil  befindet.  Die  Bohrung  enthält  12  Parallelzüge,
und  ift  am  rückwärtigen  Ende  des  Laderaumes  mit  einem  ftählernen,  hydraulifch
eingeprefsten  Ringe  verfehen.  Der  nach  dem  Broadwell’fchen  Principe  conftruirte
Verfchlufskeil  ift  aus  Bronce  erzeugt,  und  hat  an  der  vorderen  Fläche  eine  Stahlplatte, ­
  in  welche  der  ftählerne  Broadwellring  eingefetzt  ift.
Zum  Schutze  des  rechten,  aus  dem  Hinterftück  heraustretenden  Keilendes
ift  an  die  ebene  Seitenfläche  des  Vierkantes  ein  Ring  aufgefchraubt.  DasGefchützrohr
  hat  blofs  ein  am  vorderen  Ende  des  Längenfeldes  eingefchraubtes  eifernes
Vifirkorn;  der  aus  einer  Verlängerungshülfe  fammt  Stab  beftehende  Auffatz  aus
Meffing,  deffen  verfchiebbares  Vifir  durch  Umklappen  eines  Blättchens,  welches
gleich  dem  Vifir  einen  winkelförmigen,  jedoch  mit  dem  Scheitel  nach  oben  gekehrten ­
  Einfchnitt  hat,  geftattet  ein  fehr  fcharfes  Richten.
Die  e  ife  nb  1  e  c  h  e  rn  e  L  affe  t  e  hat  parallele,  mit  aufgenieteten  Winkeleifen
  verfehene  Wände,  welche  durch  zwei  Stirn-  und  drei  Mittelbolzen  und  durch
ein  unteres  Protzftock  Blech  miteinander  verbunden  und  in  der  Gegend  der  Achsund
  Schildzapfen-Lager  durch  aufgenietete  Bleche  verftärkt  find.
Die  Richtmafchine  ift  fehr  einfach  ;  fie  befteht  aus  zwei  ineinander  gehenden
Schraubenfpindeln  und  einer  broncenen  Mutter,  die  in  einem  um  Zapfen  drehbaren ­
  eifernen  Gehäufe  eingelaffen  ift.  Die  innere  Richtfpindel  ift  mit  dem  Ende
der  Richtgabel  verbunden,  deren  Arme  auf  dem  rückwärtigen  Stirnbolzen  aufgefteckt
  find;  die  im  Durchmeffer  gröfsere  Spindel  trägt  das  Handrädchen.
Der  prismatifche  Mittelftock  der  ftählernen,  mit  abgebogenen  conifchen
Achsftängeln  verfehenen  Achfe  ift  durch  ein  gegen  die  Enden  fich  verjüngendes
Winkeleifen  verftärkt,  welches  durch  zwei  End-  und  ein  Mittel-Anzugband  mit  dem
Achsftock  verbunden  ift.
Das  Protzloch  befindet  fich  in  einer  auf  dem  Protzftock-Bleche  befeftigten
Bronceplatte.  Der  Richtbaum  ift  zwifchen  den  Wänden  auf  dem  letzten  Wandbolzen ­
  aufgefteckt,  und  wird  zum  Gebrauche  mittelft  eines  Bolzens  mit  einem
hornartig  gebogenen,  an  der  rechten  Laffetenwand  befeftigten  Eifenftticke  verbunden. ­

Die  hölzernen  Räder  haben  buchene,  an  den  Zufammftofsungen  mit
telft  Spangen  und  Bolzen  verbundene  Felgen,  eichene  Speichen  und  Naben  mit
broncener  Büchfe.
Die  Protze  hat  zwei  Deichfelarme  mit  nach  öfterrei  chifcher  Manier  dazwi
fchen  eingelegterDeichfelftange.  Rückwärts  auf  den  Armen  befindet  fich  ein  hölzernes ­
  Querftöckel,  in  welchem  der  Protznagel  eingefetzt  ift.  Bei  aufgeprotztem
Gefchütz  ruht  der  Protzftock  nicht  unmittelbar  auf  dem  Stöckel,  fondern  auf  einem
Kranz  aus  Stricken,  der  auf  den  Protznagel  aufgefchoben  ift.  Die  ftählerne  Achfe
ift  mit  einem  Holzfutter  umgeben,  welches  jedoch  nur  von  den  Enden  des  Achsftockes
  bis  zu  den  Deichfelarmen  reicht,  und  mit  je  zwei  Anzugbändern
mit  der  Achfe  verbunden  ift.  In  der  Mitte  des  Achsftockes  ift  eine  nach
abwärts  gebogene  Schiene  befeftigt,  an  derem  Ende  fich  der  Schleppfeil  Ring
befindet.
            
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