Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen.
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DieLaffete fleht auf vier Rollen, von denen die rückwärtigen, excentrifchen
durch einen Hebel niedergedrückt und zum Tragen gebracht werden können. Zur
Begrenzung des Rücklaufes, welche mittelfl eines Brohktaues bewirkt wird, ifl in
jeder Laffetenwand eine meffingene Büchfe eingefetzt. Zur Schwächung des
Rücklaufes dient eine Backenbremfe, beftehend aus einem eifernen Bügel, deffen
die Rahmenwände umfaffende Arme innen mit hölzernen Backen ausgefüttert find ;
durch Schraubenfpindeln, welche in die Bügelarme eingefetzt find, werden diefelben
gegen die Rahmenwände geprefst. An jeder diefer Schrauben ifl ein kurzer Hebel
arm befefligt, welcher das Anziehen und Lockern der hölzernen Backen geflattet.
Die äufseren Schrauben können nach Belieben angezogen, d. h. geflellt werden;
bei den inneren Schrauben wird diefs durch die zurückgehende Laffete bewirkt,
indem der in einem Einfchnitte der Längenflange befindliche Schraubenhebel
fammt den Schraubenbolzen gedreht wird.
Die Seitenwände des Rahmens beflehen aus I-Eifen, welche durch zwei
Riegel und mehrere Bolzen mit einander in Verbindung gebracht find. Der
Rahmen ruht vorne und rückwärts auf grofsen Rollen. Auf den gegen den Pivot
gekehrten Zapfen der letzteren find Schneckenräder aufgekeilt, welche durch eine
gemeinfchaftliche, mit zwei Schneckenfchrauben Stücken verfehene Kurbelwelle
in Drehung verfetzt werden können.
Die O b o u k h o f f fche Gufsflahl-Fabrik bei St. Petersburg,*
welche vornehmlich für die ruffifche Marine arbeitet, hatte fünf Stahlgefchütze
verfchiedenen Kalibers eingefendet, über welche die wefentlichflen Daten hier
angegeben werden:
Der 8-zöllige Hinterladungs-Mörfer. Das Rohr ifl aus Gufs-
flahl und hat nur einen Bodenring als Verflärkung, der unmittelbar vor dem Quer
loche des Krupp’fchen Rundkeiles aufgezogen ifl. Der Kaliber der Bohrung
beträgt 203-2 Millimeter; die letztere enthält 30 Parallelzüge von gleicher Tiefe.
Das Rohr wiegt fammt Verfchlufs 3276 Kilogramm-, die Granate 77-8 Kilogramm;
die gröfste Ladung beträgt 73 61 Kilogramm.
Die 8-zöllige Hinterladungs-Kanone. Gufsflählernes Rohr und
wie das frühere mit einem Bodenring aus gefchmiedetem Gufsflahl verfehen.
Kaliber: 203-2 Millimeter, Gewicht des Rohres mit Verfchlufs: 8933 Kilogramm.
Gröfste Ladung prismatifchen Pulvers: 15-561 Kilogramm. Die Granate wiegt
77 8 Kilogramm. Die Bohrung hat 30 Parallelzüge.
Aus diefem Rohre wurden bereits 1243 Schufs, und zwar mit Granaten von
obigem Gewichte und mit nachfolgend fpecificirten Ladungen prismatifchen Pulvers
gemacht:
16 Schliffe mit 6-552 bis 10-237 Kilogramm,
684 „ „ 12 898 Kilogramm,
I9I „ » I3-5I3 „
109 „ » I4-332 „
243 » „ iS5 61 »
Die Anfangsgefchwindigkeit betrug bei 15 561 Kilogramm Ladung 440 Meter.
* Oboukhoff, wo auch der von der Gufsftahl-Hütte zu Perm erzeugte Stahl verarbeitet
wird, befchäftigt gegenwärtig bei 1200 bis 1400 Arbeiter. Das Hauptfabricat find Stahlgefchütze
und Stahlgefchoffe, doch werden auch andere Artikel, wie Eifenbahn-Achfen, Tyres, Räder, Lager
für Eifenbahn-Brücken und dergl. producirt. Als Rohmateriale wird finnländifches und uralifches
Roheifen benützt und koftet dasfelbe 60 bis 65 Kopeken per Pud. Die Leiftungsfähigkeit
beläuft fich gegenwärtig auf circa 140.000 Pud Gufsftahl jährlich, wird aber, wenn Oboukhoff
einmal ganz ausgebaut fein wird, 400.000 Pud per Jahr betragen. An fchweren Gefchützen —
vom £- bis zum 12-Zöller erzeugt die Fabrik jetzt jährlich bei 40 Stück. Oboukhoff geniefst
grofse Unterftützung Seitens der ruffifchen Regierung, doch konnte es bei dem erft zehnjährigen
Beftande fich noch nicht auf jene Stufe der Productionskraft erheben, um mit dem Auslande
erfolgreich concurriren zu können. Das ruffifche Gouvernement bezahlt mithin aus Gründen
der Staatsraifon feine Gefchütze an Oboukhoff bei Weitem theuerer, als es fie von Krupp beziehen
könnte. So koftet z. B. ein ii-Zöller in Oboukhoff 57.600 Rubel =92.200 fl.; in Eflen aber
38.000 Thaler = 57.000 fl.