Allgemeine Bewaffnung und Artilleriewefen.
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General Mattei und Oberft Roffi conftruirten nun ein Feldgefchütz von
folcher Leichtigkeit, dafs die Piecen der Divifionsbätterien mit je zwei, die der
Refervebatterien mit je vier Pferden fortzubringen waren. Der Kaliber war ein
heitlich (6’5 Centimeter), das Gefchütz follte jedoch zweierlei Gefchoffe, leichtere
und fchwerere, fchiefsen. Die Idee diefer beiden Conftrutfteure mufste aber nach
den erften Verfuchen wieder aufgegeben werden, wie überhaupt das ganze, mit
grofsem Aufwande von Scharffmn combinirte, urfprüngliche Syftem M a 11 e i-R o fl i
, Vorderladung) jenen Anfchauungen zum Opfer hei, welche nach den Ei folgen
der deutfchen Artillerie in den Jahren 1870 und 1871, m Italien Platz griffen. Man
entfchied fich für Hinterlader, und wählte für das leichte Gefchutz den
Kaliber von 75 Centimeter und als Material die B r o n c e, währenddem
Vernehmen nach für die Referveartillerie gufsftählerne 97-Centimeter-
Kanonen in Ausficht genommen wurden. . . .
Das italienifche Kriegsminifterium hatte ein completes 7-5 - Centimetei-
Gefchütz nach Wien gefendet, deffen Befchreibung nunmehr folgt.
Das 7-e Centimeter broncene Rohr befteht aus einem comfcren
Vorderftücke, einem cylindrifchen Mittelftücke und aus dem einen Vierkant bilden
den Hinterftücke, in welch’ letzterem das Querlochfür den yerfchlufsmechanismus
ausgenommen ift. Dicfe drei fcharfmarkirten Rohrtheile find durch Hohlkehlen
verbunden. Der Durchmeffer des Laderaumes beträgt T9 Centimeter, deffen
Länge 26 Centimeter, der conifche Anlauf, welcher den gezogenen 1 heil mit den
Laderaum verbindet, ift 3'° Centimeter lang; die totale Seelenlange rnifs
«9 Centimeter. Die Axen des Laderaumes und der gezogenen Seele fallen
nicht überein, fondern differiren um 07 Centimeter. In Folge diefei Einrichtung
wird das Gefchofs fchon von Anbeginn mit feiner Langenaxe in jene der
gezogenen Bohrung gebracht. Die letztere enthält zwölf hnksgangige Keilzuge
von gleicher Tiefe (r 3 Millimeter). Die Dralllängen der lührungs- und Lade
flächen betragen 3-5 o Meter, beziehungsweife 3 643 Meter, und entfpncht den
felben ein Drallwinkel von 3 Grad 51 Minuten.
Die Schildzapfen, deren Axe jene der Seele fenkrecht durchfchneidet,
befitzen einen weitaus gröfseren Durchmeffer als fonft üblich find jedoch, um das
Gewicht des Rohres nicht zu vergröfsern, ausgehohlt. Das Zündloch lft in einem
Kupferftollen gebohrt und fenkrecht zur Rohraxe geftellt. Das Gefchutz hat m
eine Vifirlinie und find Auffatz und Vifirkorn an der linken Seite des Rohres
angebracht. Zur Aufnahme des eifernen Vifirkornes befitzt das Rohr am Vorder
ftück einen cylindrifchen Angufs , deffen verticale Axe 100 Centime er von der
Bodenfläche des Hinterftückes abfteht. An der rückwärtigen Flache des Rohies
ift an der linken Seite eine Hülfe mit einer fünfkantigen Aushöhlung zur Aufnahme
desAuff^s Gef( .| ü | i , hat den Rundkeil-Verfchlufs, welcher jedoch gegen
das Krupp’fche Original einige Abweichungen zeigt. So ift der Broadwellring in
die Stahlplatte des Verfchlufskeiles eingefetzt und für feine Anlehnung ein Stahl
ring in die Bohrung eingefügt, ferner zwifchen Stahlplatte und Keil eine zwei
Centimeter dicke Kupferfcheibe eingefetzt. , . , , •. VerlY-hluf«
Das Gewicht des Rohres beträgt ohne \ erfchlufs 271, mit Verfchlufs
°° 2 Die Laffete hat eifenblecherne Wände mit anfgebogenen Rändern
und Thonet’fche Räder; die Schildzapfen- und Achslager fowie die Protzloch-
Schiene find aufgenietet. Hinter der Richtmafchme zwifchen den Wanden ift
ein hö ze n s Stickel angebracht, in welchem zwei cylindri che Löcher für je
eine Büchfenkartätfche ausgebohrt find. Die Laffete hat weiters eine gewöhn
liche Balkenbremfe mit eifernen Re.bfchuhen, welche vom linken Achs-
fitze aus mittelft eines Hebels und Zahnbogens, wie bei leichten Pnvat-Fuhr-
werken geftellt werden kann. Die Achfe ift aus Stahl und hat einen con.fchen
mit einer Rippe verftärkten Achsftock. Die Richtmafchme befteht