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Jofef Lö’.vy.
Vorzüglichkeit, wie fie wenig andere feiner Collegen erreicht haben; fehr charäk-
teriftifch waren die von diefem Photographen ausgeftellten grofsen Künftlerköpfe
theils in Rembrandt’fcher, theils in gewöhnlicher Beleuchtung. Mit feinen
gemalten hübfchen Stereofkopporträts hat er einen glücklichen Wurf gethan,
hoffentlich gelingt es ihm, das Publicum für diefes Genre zu animiren, jedenfalls
wird er die Photographen zur Nacheiferung anfpornen.
Auch Gertinger brachte gelungene Künftlerporträts, ganze Figuren und
Bruflbilder in direkten grofsen Aufnahmen, aufserdem eine Colleölion-Porträts in
Cabinet- und Vifltformät, welche fich durch gutes Arrangement und vorzügliche
Technik bemerkbar machten. Dr. Szekely’s reich befchickte Ausftellung fchlofs
fich der vorgenannten vollkommen ebenbürtig an, auch er verbindet feinen
künfllerifchen Gefchmack mit technifcher Tüchtigkeit.
Perlmutter (Adele) hat durch die exponirten Bilder felbft die Fach
männer überrafcht; die Köpfe intereffanter Perfönlichkeiten, direöle grofse Auf
nahmen in höchft wirkungsvoller Beleuchtung, unterflützt durch fehr freigebig
angebrachte Retouche, machten bedeutenden Effedl; auch die kleinen Aufnahmen
waren gefchickt und wirkungsvoll.
Raben ding zeigte fich in verfchiedenen Richtungen tüchtig; Porträts,
Interieurs, Perfonen zu Pferd und zu Wagen, Künftlerfiguren etc.; die letzteren,
Coftumebilder hiefiger Künfller, waren namentlich dadurch intereffant, dafs fie
in direclem Sonnenlichte mit gut gewählter, -natürlicher Staffage aufgenommen
waren. Aufserdem waren von ihm fchwarze photographifche Porträts in der
Manier der Chromophotographie ausgeflellt, die wir wohl als einen vorläufig nicht
ganz geglückten Verfuch anfehen können.
Ziemlich reich war auch das Atelier J. L ö w y im Porträtfache, erfler Affiflent
L. v. Krakow, vertreten, wovon namentlich die direkten grofsen Aufnahmen
durch fchöne Wirkung fich bemerkbar machten; bei diefen wie bei den kleinen
Porträts war das Beflreben herauszufühlen durch einfache, und ruhige Stimmung
und Vermeidung alles überflüffigen Beiwerkes eine angenehme Wirkung zu
erzielen.
Ganz einfache, aber dennoch fehr wirkungsvolle Stimmung zeigten Jage-
mann's kleine und grofse Porträts, von welchen auch die geläuterte künftlerifche
Auffaffung und das feine Formverfländnifs zu loben war; eine Sonderflellung
nimmt derfelbe gegenüber den anderen Photographen noch immer dadurch ein,
dafs er die Negativretouche fehr mafsvoll anwendet.
Nicht übergehen können wir auch die recht hübfchen Porträts von Stock
mann, dann die reichhaltige und intereffante Colleclion Wiener Damen- und
Studienköpfe aus C z i h a k’s Verlag; C. Matzne r’s Genrebilder mit hübfchem,
paffendem landfchaftlichem Arrangement, die grofsen Porträts und gut arrangirten
Gruppen von Carl Kroh fowie die Porträts der Hof-Photographin Rofa J enik,
Jofef Hoffmann, Othmar v. Türk, Jofef Ungar und Xaver Maffak. Aus
den Provinzen ifl im Porträtfache vor allen G. Sebaflianutti (Trieft) hervor
zuheben; er hatte eine reichhaltige Sammlung fchöner, kleiner und grofser Porträts
ausgeflellt, fämmtliche hiibfch aufgefafst und wirkungsvoll. Sebaflianutti machte
fich in verfchiedenen Richtungen bemerkbar, auf die ich noch zurückkomme ; ihm
reihte fich beftens J. B. Rottmayer (Trieft) an mit feinen recht hübfchen,
jnalerifch wirkungsvollen Genreporträts in Rembrandt-Beleuchtung, ferner hatten
recht gute Porträts ausgeflellt G. Klöfs (Peft, A. Red (Linz) Beer (Klagenfurt).
In Vergröfserungen war zwar nicht viel, aber manches Treffliche zu fehen, die
gröfste Serie war von J. Löwy in der additionellen Ausftellung exponirt,
Gertinger hatte fehr hübfche Bilder mit und ohne Retouche gebracht; von
Rottmayer (Trieft) waren zwei grofse Knieftück-Bilder und ein grofses Gruppen
bild (Kinderporträts) fehr fcharf, in fchönem Ton und guter Retouche vorhanden.
Franz Scholz (Wien) hatte Vergröfserungen mit etwas zu vieler Retouche
exponirt, auch Se b afti anu 11 i i Trieft) hatte einige gelungene Vergröfserungen