MUSTER-ZEICHNUNGEN UND DECORATIONS-
MALEREI.
(Gruppe XII, Seetion 6.)
Bericht von
F. Lieb
Profejjfor in Wien.
Es liegt nicht in unferer Abficht, den hier folgenden Bericht auf die unter
diefer Gruppe exponirenden Mufterzeichner und Decorationsmaler
allein zu befchränken, vielmehr haben wir es uns zum Ziele gefetzt, auch die in
den ausgeilellten Stoffen erfichtlichen Zeichnungen als zum Fache gehörig mit in
denfelben einzubeziehen und fo in ganzenLändergruppen zufammenfaffend unfer
Urtheil auszufprechen.
Wenn wir uns dadurch den Bericht complicirt, zum Minderten vergröfsert
haben, fo waren die Beweggründe dazu mannigfacher Natur
Vor Allem durften wir nicht ftillfchweigend an fo vielem, gerade durch die
Ausführung im Stoffe zu erhöhtem Werthe gelangtem Materiale vorübergehen,
ohne darüber eine Aeufserung zu thun, und dann würden wir, die ausgeftellten
Skizzen der Mufterzeichner allein im Auge behaltend, nur ein unvollkommenes
Urtheil über manches Land fällen. Gerade durch das Gefammtftudium war es
einzig möglich, Fort- oder Rückfchritt, Gefchmacksrichtung oder Verirrungen
zu conftatiren.
Ein Einzelbericht über die zum grofsen Theile fpärlich vertretenen Mufter-
zeichnungen zu geben, wäre gleichzeitig eine Ungerechtigkeit, denn bei folchem
Bedarfe, bei folchen Kraftanftrengungen, wie fie Weltausftellungen erzeugen,
können gerade die gediegenften Künftler am wenigften für ihre fpeciellen Expo-
fitionen etwas thun
Was wir aber hier nicht genug tadeln können, das ift die traurige That
ache, dafs nur ein kleiner Theil von Fabrikanten deffinirter Stoffe fo intelligent
und liberal war, die Autoren ihrer Mufter zu nennen. Selten genug, wir müden
diefs mit Bedauern hervorheben, waren die Künftler genannt, deren Genie der
Fabrikant feine Erfolge verdankte.
Mangelhafte Kataloge ftanden einem umfichtigen, rafchen Auffinden diefer
meift verfteckten Gruppe gleich fehl- im Wege. Endlich war das Arrangement der
diverfen Ländercommiffionen, was diefe Gruppe, fpeciell diefe Sedtion betrifft
ganz ausnehmend fchlimm gewählt. Lange mufste man fuchen, bis man jenen
fernen Winkel fand, welcher den graphifchen Künften überlaffen war; hatte man
ihn aber einmal entdeckt, dann konnte man ruhig feinem Studium obliegen, unge
ftört von der grofsen Menge, welche fingende Vögel, concertirende Virtuofen,
Kofthallen undMufikbanden, nebft unzähligen anderen Zerftreuungen nicht ver
geblich anlockten.