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Full text : Graveur- und Guillochirarbeiten (Gruppe XIII, Section 3 Und Gruppe XXV c.), officieller Ausstellungs-Bericht

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F.  Lieb.

Und  Oefterreich?  Es  verflicht  die  erften  Schritte  aus  dem  Labyrinthe  ver
rümpften  Gefchmackes.  Die  vereinzelten  Rufe,  fie  hatten  Wiederhaü  gefunden,  der
Drang  zum  Befleren,  er  hatte  fich  verallgemeinert.  Es  handelte  fich  aber  hier  mehr
als  m  allen  anderen  Ländern,  verlorene  Zeit  einzubringen,  Verfäumtes  nachzuholen
Seine  Webe-Induftrie,  einft  fo  mächtig,  hatte  viel  Terrain  verloren  und
muiste  nothwendig  ganz  aufhören,  wenn  nicht  in  kurzerFrift  eine  beflere  Strömung
in  die  Gefchmacksrichtung  kam.  Und  nicht  fpäter  durfte  diefer  Entfchlufs  reifen*
wir  waren  nahe  daran,  von  den  beiden  mächtigen  Gegnern  Frankreich  und
Umglancl  gänzlich  erdrückt  zu  werden.
Das^  was  England  feiner  Zeit  gethan,  war  auch  unfer  Streben,  zu  erreichen
und  io  entftand  unter  dem  mächtigen  Schutze  eines  Familiengliedes  nuferes  Kaiferhaufes,
  des  Erzherzogs  Rainer,  mit  dem  um  Oefterreichs  jetzige  Blüthe  fo  hoch
verdientem,  raillos  thätigen  Direaor  v.  Eitelberger  an  der  Spitze,  das  heute
muftergiltige  ofterreichifche  Mufeurn  für  Kunft  und  Indiiitrie.
J l ' n g e ,  gediegene  Kräfte  fchaarten  fich  rafch  um  den  begabten  Führer  Hof
undÄde!,  Bürgerthum  und  Künftlerfchaft  gaben'  reich  und  mit  Begeiferung  ihr
'Oftes,  was  fie  hatten.  Die  Bibliothek,  in  wenigen  Jahren  zur  reichften  zählend,
ofinete  ihre  Schätze  jedem,  der  ernftem  Studium  fich  weihen  wollte.
...  ,  De ™  ernften  Wollen  fehlte  auch  nicht  das  Können,  und  fo  darf  es  Niemand
Wunder  nehmen  wenn  fchon  1867  bei  Gelegenheit  der  Parifer  Aufteilung  ein
viefenfchritt  gethan  war,  der  uns  den  vorgefchrittenften  Staaten,  befonders  in
kunftgewerbhchen  Artikeln,  nahezu  gleichftellte,  ja  fowie  feiner  Zeit  England
Frankreich  gegenüber,  nun  Oefterreich  den  beiden  Stand  hielt.
Viele  Verdienfte  um  die  Hebung  des  Gefchmackes  in  Mufterzeichnung
Decoration  und  anderen  kunftgewerbhchen  Zeichnungen  erwarben  fich  Oefterreichs ­
  Architekten:  Haufen,  Ferftl,  Schmidt,  Stork  11.  A.  und  halfen  redlich  mit  am
grofsen  Werke.
Doppelt  ruhmvoll  waren  Oefterreichs  Siege  auf  der  Parifer  Aufteilung
wenn  man  bedenkt,  dafs  es,  noch  aus  taufend  Wunden  blutend,  die  ihm  die
„Bruderhand“  gefchlagen,  auffchnellte  mit  einer  Elafticität,  die  eben  nur  ihm
eigen  lft.
In  den  Mufterzeichnungen  war  fchon  eine  anerkennenswerthe  fichere
Richtung,  ein  ernftes  Studium  der  Stilarten  unverkennbar  ausgedrückt.  Und  wenn
England  hierin  fchon  grofs  daftand  und  wenn  es  einen  Vortheil  voraus  hatte  fo
war  es  die  Zeit,  und  wenn  gegen  diefe  Oefterreich  etwas  in  die  Wage  zu  legen
hatte,  fo  war  es  feine  füdliche  Phantafie,  fein  angeborener  Gefchmack,  der  feinem
rafch  wachfenden  Reichthum,  feiner  Liebe  zum  Luxus  entfprofs.
Frankreich  behauptete  wie  früher  feinen  Platz,  aber  auf  demfelben  Standpunkt ­
  ein  Vorwärtsfehreiten  war  nur  in  einer  Stilart,  der  franzöfifcheiiRenaiffance
befonders  im  Stil  Louis  XVI,  bemerkbar,  welche  Vorliebe  fürdiefen  noch  heute
dominirt,  und  in  welchem  es  noch  heute  grofs  dafleht.
Ernfteres  Stilftudium  machte  fich  auch  an  deutfehen  Produkten  in  diefer
Ausftellung  bemerkbar,  obfehon  auch  da  eine  etwas  kühle  Auffaffung  desGriechi
fchen,  welche  am  grellften  fich  in  feiner  Decorationsweife,  wo  diefe  nordifchen
Urfprunges  war,  manifeftirte.  In  den  Zeichnungen  derStoffmufter  war  an  deutfehen
Fabricaten  ein  Fortlchritt  zu  verzeichnen.
Rufsland  fchlug  jene  Stilrichung,  welche  es  auf  der  gegenwärtigen  Ausftellung ­
  auch  auszeichnet,  foeben  ein,  war  jedoch  noch  nicht  recht  ficherund  flark
mit  veraltetem  Gefchmacke  durchgefetzt.  Italien  ftrebte  befleren  Gefchmack  an,
und  hielt  fich  mehr  als  früher  an  die  guten  Vorbilder  feiner  Heimat.  Die  Türkei'
Perfien  und  Oftindien,  mehr  und  mehr  fich  dem  Occident  öffnend,  gingen  von
einer  Ausftellung  zur  anderen  mehr  und  mehr  zurück.  Die  finnlofeften  Schnörkel
des  Abendlandes  aufnehmend  und  feine  eigene,  reizend  poetifche  Originalität  verleugnend, ­
  ift,  wie  fchon  früher  gefagt,  nur  mehr  auf  der  heutigen  Weltausftellung
das  Alte,  Unverfälfchte  gut  zu  nennen.
            
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