J. Weidmann.
Barbedienne & Comp, hatten zwei grofse Lüfter ausgeftellt, die fich
durch die Verwendung des Emails von den eben erwähnten zwei Luftertypen
übrigens gut unteifchieden. Einer davon hatte das Email auf Reifen angebracht,
die wieder durch ein Spangenwerk in reizender Weife mit einander verbunden
waren und zeigte deffen Verwendung in, wie wir fanden, ganz muftergiltiger,
gefchmackvoller Art, während wir beim zweiten fowohl Entwurf als^Email-
verwendung als weniger gelungen erachteten.
Jene Lüfter, welche in gewöhnlicheren Dimenfionen für die Salons- und
Arbeitsräume unferer Wohnungen beftimmt find, zeigen meift die Arme für die
Flammen im äufseren Kreife und bleiben diefe Theile fefthängend, indefs im
Inneren eine Lampe mit Glasfchirm angebracht ift, welche fich herabziehen läfst
und deren Gegengewicht meift ein kugelförmiger Körper bildet, durch welchen
die Ketten gehen, an denen die Lampe hängt.
Diefe Conftrucftion fand nun in den Expofitionen von B uff e t & Comp.,
Chabrie & Jean, Gagneau fröres, Graux, Lacarriere freres, Delatour
& Comp., Schlofsmacher, Tardieu etc. in der mannigfaltigften Weife ihre
künftlerifche Löfung. Paillard-Romain hatten unter ihren zahlreichen präch
tigen Objedlen auch einen Lüfter von Bronce mit gemalten Gläfern von charmanter
Virkung und fchönen Details. Der Reiz diefer Lüfter fcheint zu fteigen bei Abnahme
der Dimenfion, denn von Boudoirluftern, Ampeln, Blumenfchalen etc. fanden wir
bei Deniere, Servant, Sufse fröres ganz gefchmackvolle und originelle
Leiftungen.
Hier wollen wir auch der aus gefchmiedetem Eifen verfertigten Veftibule-
lampen gedenken, welche Zierden abgaben den Ausftellungen der Bronce
fabrikanten Deniere, Bagues, Lacarriere freres, Delatour & Comp.
Aus der von uns in Obigem gegebenen, aus unferer Anfchauungsweife her-
vorgegangenen Betrachtung hat man erfehen, dafs fich diefelbe wohl meift nur
mit der Erfindung der Form der ausgeftellten franzöfifchen Broncen befchäftigte;
es bleibt uns daher noch zu erwähnen, dafs die technifche Ausführung derfelben
in allen Richtungen der mitverwendeten Materialien und Hilfsveffahren zur
Erzielung der beabfichtigten Wirkung, wie die Cifelirung, Emailirung, die Fär
bung, Vergoldung etc., als eine ganz virtuofe bezeichnet werden mufs. Wir müffen
geftehen, dafs uns inOefterreich vorzüglich diefe letzten zum Erfolge fo wichtigen
Bedingniffe iehlen und noch lange fehlen werden, daher es uns auch wohl nicht
fo bald gelingen wird, in gröfserem Umfange und nicht wie bisher in nur fpärli-
chen Ausführungen, die wohl oft das tüchtigfte Können darlegten, ein Rivalifiren
mit den franzöfifchen Leiftungen in Bronce-Induftrie aufnehmen zu können.
Oefterreich. Wie die franzöfifchen Broncen ihre Entftehung und ihren
Markt in Paris haben, fo bafirt die öfterreichifche Bronce-Induftrie auf der Thätig
keit in Wien. Die Grofsftädte bilden nämlich als Sammelpunkte die Elemente zum
Schaffen folcher kunftinduftrieller Werke und bergen vorzugsweife jene Kreife,
in denen Intereffe und die Mittel vorhanden find, fich diefelben zu erwerben.
Die Parifer Broncen repräfentirten fich nicht allein durch ihre Zahl und
die ihnen allen in mehr oder minder gleichem Grade eigenen Vorzüge, wie
originelle Erfindung, gute Ausführung, Färbung etc. in fo impofanter Weife,
fondern namentlich auch, weil diefelben gefchlofsen exponirt waren und mindere
Leiftungen fern blieben. Bei den Wiener Broncen, die der Menge nach nebft den
franzöfifchen am ftattlichften vertreten waren, wohl meift in Folge deffen, weil die
Ausftellung in loco ftattfand, charakterifirten fich ziemlich auffallend zweierlei
Arbeitsrichtungen.
Während nämlich unfere erften Firmen längft in Verbindung mit unferen
bewährteften Architekten und Modelleuren ftilgerecht und fchön erfundene und
vorzüglich ausgeführte Arbeiten brachten, von denen einige fogar höher geftellt
werden müffen, als die bezüglichen franzöfifchen, wandelt eine grofseZahl unferer