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Dr. Carl Th. Richter.
Bedauern hervorgehoben, dafs man in Deutfchland, zumeift unter dem Nürnberger
Tand, ebenfo in den Zehn-Kreuzer-Schachteln des bohmifchen Erzgebirges, der .
Soldatenfpiel einen mehr als bedenklichen Raum gönne. Sollte es wiiklich die
Luft am Soldaten fein, welche den Kindern des gefammten civihfirten Continente.
innewohnt und die der Spielwaaren-Fabrikant gefchäftsmäfsig auszunutzen hat .-Dann
müfste dem japanefifchen und chinefifchen Kinde ebenfo, wie dem turkifchen
Knaben, denn Kinder find ja überall gleich, diefelbe Luft innewohnen, und
der japanefifche und chinefifche Spielwaaren - Erzeuger müfste ebenfo raunte.
Soldaten in Zinn und Blei giefsen oder aus Holz fchnitzen, wie der Nurnbergei
Fabrikant oder der Spielwaaren Händler aus dem Erzgebirge.
Wir haben von jeher diefe Anficht für falfch gehalten, und immer bedauert,
dafs man damit dem Culturberuf unterer Zeit und dem von der Philofophie gelehrten
ewigen Frieden, eine fo fchlechte Ausficht in die Zukunft gibt. Wir haben abe.
auch niemals geglaubt, dafs es das Soldatenthum ift, welches untere Kinder feit
einem halben Jahrhunderte reizt, und wie die Dinge liegen, auch weiter reizen
wird. Es ift die Armuth an Coftümen, der Mangel der Farbe, jedes Entfchwinden
von Phantafie, welches das Kleid der europäifchen Culturvo ker kennzeichnet.
Wir find einander Alle gleich, oder glauben es wenigftens, und gehen dabei Alle
im gleichen Kleid. Die Gleichheit des Kleides kann aber nur durch Einförmigkeit
und Einfachheit für die Dauer erhalten werden.
Der fchwarze Frack, der fchwarze Gehrock, der Cylmdei ha e c
Wiedergeburt der Nation und ihrer Handlung aus den Kinder-Spielfchachte n
und aus der Spielwaaren Erzeugung verdrängt und der regen und lebhaften 1 hantafie
des Kindes den vielfarbigen , prächtig gefchmückten, coftumirten Soldaten
gegeben. Auf den Bilderbogen erfcheint er, den Zwifchenraum der Zeit verdrängend
neben dem Roccoco-Coftüme und dem faltenreichen farbigen Coftume de
Apollei. Tauchen wir felbll,wie wir gehen und liehen,dann auf, fo erfcheinen wn .
den Bilderbogen wie in den Schaufenftern der Spielwaaren-Händler als Larncaturen
die man beliebig mit bunten Farben bedecken kann. Doch kehren wir zur
Befchreibung der Ausllellung zurück und betrachten wir die deutfc e . pie
waaren-Induftrie und jene von Oellerreich. . , . , .
Die deutfc heSpielwaaren- ln duftrie hat fich m drei Hauptgebieten
zum Grofsbetrieb und für den Export entwickelt. Zu Nürnberg und Umgebung
von wo aus die deutfchen Spielwaaren durch Zwifchenhändler nach den entfernten
Punkten des Weltmarktes geführt werden, dann in Thüringen, wo den Haupthtz
das kleine meiningen’fche Städtchen Sonneberg mit zahlreichen Dörfern in ei
Umgebung bildet, und Weiber und Kinder nun fclion feit mehr als hundert Jahren
fchnitzen, hämmern und malen, und endlich in dem fächfifchen Eizge irge.
Uebrigenshat man auch in anderen Städten, zumeift-wenn die hohe kunft, Pracht
und der Bedarf des Augenblickes in der Spielwaaren-Erzeugung hervortreten, die
Spielwaaren Induftrie emgeführt. In kleiner Waare hat in den letzten Jahren auch
Württemberg die Fabrication eingeführt, und einen ganz achtbaren Expoit beieits
Alle diefe Richtungen waren theils in der Gruppe VIII, theils mit den
aufserordentlich fchönen Lehrfpielen architektonifcher, gefchichtlicher, geog'aphifcher
und phyfikalifcher Natur, wie fie Nürnberg und Fürth in vortrefflicher
Weife erzeugt, in der Gruppe XXVI, Nummer i vertreten. Es find allenthalben
Gefchäfte, die in denAnfang des Jahrhundertes zurückreichen und, in fortfehl eiten
der Entwicklung das Neue erfaffend und Neues gebärend, die Kmderfpielwaaren-Induftrie
der ganzen Welt beftimmen. Wir erinnern an Elias Greiner in Lauicha,
gegründet 1820, an G. Söhlke in Berlin, gegründet 1819. an Samuel Kraus aus koclach
bei Coburg, gegründet 1820 u. f. w. Der Gefchäftsumfatz der einzelnen Firmen ift
oft 30- bis 50.000 Gulden oder 20- bis 40.000 Thaler. Der Gefammtumfatz des
Meininger Oberlandes beträgt 4 bis 5 Millionen Thaler und 1871 gingen auf der
Werrabahn 453.000 Centner Spielwaaren als Gut hin und her. 59 1 ercent davon