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Full text: Das gewerbliche Unterrichtswesen (Gruppe XXVI, Section 4), officieller Ausstellungs-Bericht

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Armand Freiherr von Dumreiche'r. 
Augen führten und fie auf Bemühungen aufmerkfam machten, durch welche fremde 
Unternehmer mittelfl vervollkommneter Technik ihnen einen bisher ficher 
beherrfchten Markt abzujagen drohten, regten fie die Einen zu frifchem Nach- und 
Aufftreben an, rüttelten Andere aus felbftbefpiegelndem Narcifsdafein auf und 
wirkten befruchtend und anfpornend in taufendfacher Beziehung. So hat denn 
auch das Intereffe an den Fragen des gewerblichen Unterrichtes von Ausftellung 
zu Ausftellung eine Steigerung erfahren, und heute wird bereits von keiner Seite 
mehr verkannt, wie bedeutfam für jeden Staat das Studium des induftriellen 
Bildungswefens feiner Concurrenten ift. 
In den dem Unterrichte gewidmeten Abtheilungen der Wiener Weltaus- 
ftellung entfalteten fich lehrreiche Bilder der Pflanz- und Pflegeftätte jener gewerb 
lichen Kräfte, deren mächtiges Schaffen wir in fo vielen anderen, den Gewerben 
angewiefenen Gruppen exponirt fahen. Doch zeigte die Ausftellung anderfeits, 
dafs faft in ganz Europa, einige kleinere Länder ausgenommen, das Gewerbefchul- 
Wefen noch in anfänglichen Entwicklungsftadien befangen ift und eine allfeitig 
befriedigende Ausgeftaltung erft von der Zukunft erwarten läfst. 
Aber gerade diefes Werden der heranwachfenden Schöpfungen zu ver 
folgen, wie es von einer Ausftellung zur anderen ftets deutlichere Umriffe und 
feftere Form gewinnt, bietet ja der Beobachtung die belehrendften Erfcheinungen 
und dem Studium den feffelndften Reiz. 
Neben allen diefen in knappfter Kürze angedeuteten focialen und national 
ökonomifchen Gefichtspunkten, welche heute der Werthfehätzung des gewerblichen 
Unterrichtes fo fehr zu Statten kommen, macht endlich zu deren Gunften noch ein 
ftärkfter Zug der Zeit fleh geltend, welcher, Hoffnungen fchwellend, fchon jetzt 
unfere Tage verfchönt: mit der ganzen Macht einer rein geiftigen , von idealem 
Bedürfniffe getriebenen Bewegung vollzieht das Abendland eine Wandlung und 
Läuterung feines Gefchmackes. In einigen der gröfseren Brennpunkte europäi- 
fcher Cultur fleht die Gegenwart eine begeifterte Schaar beredter Verkünder der 
Reform unermüdlich thätig; fle wirkt in Wort, in Schrift, in Bild auf die Zeit- 
genoffen und verfteht fleh mit wunderbarem Eifer und Gefchick darauf, das Volk 
für ihre äfthetifche Ueberzeugung zu erwärmen. 
Ihre rafche Entfaltung hatten auch diefe Beftrebungen der Entwicklung des 
Ausftellungswefens zu danken. Was die feineren und reicheren Geifter fchon vorher 
mit Unbehagen empfunden: die jämmerliche Zerrüttung und Verwahrlofung des 
Gefchmackes im europäifchen Gewerbe, das ft eil te die erfte internationale Aus 
ftellung zu London in craffer Realität und Vollftändigkeit vor aller Welt Augen. 
„Man erkannte nicht blofs den Mangel an Einheit und Originalität, die charakter- 
lofe Mannigfaltigkeit der Imitationen , die Verwirrung und Vermifchung der 
Stile , fondern man fall auch, dafs in aller induftriellen Thätigkeit das Kunft- 
gefühl überhaupt zu Grunde gegangen fei, dafs man die Gefetze der Farben ver 
kenne, dafs man vom Relief kein Verftändnifs, fo wenig wie Gefühl für die Linie 
habe, dafs man überhaupt gar nicht mehr wiffe , was fchon fei, ja was nur 
Wirkung mache.“ (J. Falke . 
Die Erfahrungen jener erften Weltausftellung , welche unter Anderem 
unferen Gewerbetreibenden auch die werthvolle Bekanntfchaft mit der künftlerifch 
weit überlegenen Induftrie der orientalifchen Völker eingetragen hatte, zeitigten 
alsbald ihre Früchte. England ging mit der epochemachenden Gründung des 
South-Kenfington-Mufeums und einer mit felbem verbundenen Kunftgewerbe- 
Schule voran. Oefterreich folgte im Jahre 1864 als der erfte der Staaten des 
Feftlandes mit der Errichtung eines ähnlichen Mufeums nach , und adjungirte 
diefem einige Jahre fpäter gleichfalls eine Schule , welche alsbald folche über- 
rafchende Erfolge erzielte und darum auch fo grofse, alle Erwartung überbietende 
Theilnahme fand, dafs ihr bereits feit mehr als Jahresfrift der in einem aus 
gedehnten neuen Gebäude reichlich zur Verfügung geftellte Raum zu enge und die 
Führung eines abermaligen Neubaues nachgerade unabweisbar geworden ift.
	        
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