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Armand Freiherr von Dumreicher.
In etwas marktfchreierifcher Art hatte der Berliner Handwerker-Verein
durch eine bunte Wanddecoration mit in ftolzem Lapidarftil abgefafster Infchrift
der Welt feine Exiftenz ins Gedächtnifs gerufen.
Hoffentlich haben fich hiedurch nicht allzu viele Befucher des deutfchen
Unterrichtspavillons von einem genaueren Studium der Wirkfamkeit diefes
grofsen und fegensreich wirkenden Vereines abfchrecken laffen. Aufser Zeichnungen,
einem trefflichen, von der Unterrichtscommiffion des Vereines herausgegebenen
Lehrbuche und anderen Druckfachen befand fich unter den Ausftellungsgegenftänden
eine Brochure, welche über die Thätigkeit und Organifation
diefer ifii Jahre 1843 gegründeten, gegenwärtig 2500 Mitglieder umfaffenden
und über ein Barvermögen von 40.000 Thalern verfügenden Corporation
umftändliche Nachricht gibt. Von dem anfehnlichen Vereinshaufe waren Grundund
Aufriffe ausgeflellt. Es enthält entfprechend geräumige Unterrichts-, Verfammlungs-
und Erholungslocalitäten. Die Vorträge, welche in den wöchentlich
viermal ftattfindenden Verfammlungen gehalten werden, find unentgeltlich und
umfaffen alle Zweige gemeinnützigen Wiffens mit Ausfchlufs der Tagespolitik und
des religiöfen Gebietes. Neben einem von tüchtigen Lehrern ertheilten Elementarunterrichte
werden noch folgende Disciplinen betrieben : Einfache Buchführung,
Wechfelkunde, doppelte Buchführung, franzöfifche und englifche Sprache, Gefang,
Stenographie, Mufterausnehmen, Zeichnen, Modelliren, befchreibende Geometrie
und Turnen. Seit einigen Jahren befleht auch eine vom Vereine ins Leben
gerufene Baugewerk-Schule. Die mehr als 5000 Bände zählende Vereinsbibliothek
wird im Sommer durchfchnittlich von 500, im Winter von etwa 700 Lefern benützt.
Im Uebrigen entfprach der Eindruck der preufsifchen Ausftellung dem
thatfächlichen Sachverhalte, nach welchem das gewerbfiche Fortbildungs-Schulwefen
— namentlich in Betreff des kunflgewerblichen Unterrichtes —in Preufsen
weit zurückfteht hinter den Leiftungen und Organifationen anderer deutfcher
Länder (insbefondere der drei füddeutfchen Staaten).
Nach den in neuerer Zeit von dem Statiftiker Schwabe gegebenen Nachweifungen
über den Umfang der Betheiligung der Frauen an der Arbeit in Berlin
mufste jeder Ausfteliungsbefucher mit gefpanntem Intereffe an die Expofition des
Berliner „Lettevereines zur Förderung höherer Bildung und Erwerbsfähigkeit des
weiblichen Gefchlechtes“ herantreten. Leider war die Ausftellung weiblicher
Handarbeiten, wenn auch das Vorhandene qualitativ befriedigen mufste, quantitativ
nicht bedeutend, und aufser diefen Handarbeiten nur noch ein Bericht über
die Thätigkeit des Vereines exponirt. Bei der vielfachen Nachahmung, welche
die Schöpfung des edelgefmnten Lette in allen Theilen Deutfchlands und auch
in Oefterreich gefunden, kommt der Ausftellung des Berliner Vereines neben
dem praktifchen ein hiftorifches Intereffe entgegen und zu Gute.
Schliefslich mag hier noch erwähnt werden, dafs Berlin fich auch in feiner
Bedeutung als Verlagsort von zur Hebung gewerblicher Fachbildung beftimmten
Zeitungen auf der Ausftellung documentirte, indem der bekannte Redadleur
F. A. Günther feine „deutfche Schuhmacherzeitung“, feine „deutfche Gerberzeitung“,
feine „deutfche Sattlerzeitung“, feine „deutfcheTöpferzeitung“ und end
lieh fein Werk „die Fabrication des lohbaren Leders in Deutfchland“ aufgelegt
hatte.
Königreich Sachfen. Wenn man das, wie wir oben ausgeführt haben,
felir entwickelte Gewerbefchul-Wefen Sachfens nach feiner Vertretung auf der
Wiener Weltausftellung beurtheilen wollte, fo käme man zu fehr falfchen und
mangelhaften Vorftellungen. In der vom königlich fächfifchen Minifterium des
Cultus und öffentlichen Unterrichtes veranftalteten Colleclivausftellung v r aren die
Gewerbefchulen, auf welche der genannte Staat doch fo bedeutende Mittel verwendet,
geradezu ignorirt worden.
Von den mittleren Gewerbefchulen Sachfens hatten nur die königliche
Schule für Modelliren, Ornament- und Mufterzeichnen in Dresden und das Tech-