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Full text: Das gewerbliche Unterrichtswesen (Gruppe XXVI, Section 4), officieller Ausstellungs-Bericht

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Armand Freiherr von Dumreicher. 
ütionen der Gewerbefchüler war die hindurchgehende Einheitlichkeit der Lehr 
methode in die Augen fpringend und bei Vermeidung allen dem grofsen Publicum, 
fchmeichelnden Glanzes kam die klare, den Unterrichtsgang darlegende Anord 
nung der Zeichnungen den Wünfchen des Fachmannes auf ganzem Wege 
entgegen. 
Auch die complicirteften Zeichnungen, Modellirarbeiten oder fertig aus 
geführten kunftinduftriellen Objefte waren eigene Entwürfe der Schüler. Diefs 
mufs defshalb nachdrücklich betont werden, weil in den Expofitionen vieler anderer 
Schulen die fchönften, beftechendften Leiftungen der Schüler nur Copien von 
Meifterhänden gefchaffener Vorbilder waren. Dem die Hamburger Gewerbefchul- 
Ausltellung betrachtenden Laien mag darum manchmal ebendiefelbe Arbeit recht 
unfeheinbar vorgekommen fein, welche dem Kenner die aufrichtigfte Achtung vor 
den Erfolgen diefer Unterrichtsanftalt einflöfste. Unter den nach eigener Compo- 
fition ausgeführten kunftgewerblichen Schülerarbeiten befanden fich übrigens 
mehrere, welche auch vor hochgefpanntem abfolutem Urtheile trefflich beftanden. 
So namentlich ein Wandfehrank zur Verwahrung von Schmuck, ein Spiegel, ein 
Albumdeckel (Holzfchnitzereien), ferner ein Gitter und ein Wandleuchter (Metall- 
gufs). Diefe fämmtlich mafsvöll, im edelften Renaiffanceftile entworfenen Arbeiten 
waren auch technifch tadellos ausgeführt und bezeugten ebenfo wie zahlreiche 
theils nur mit Bleiftift, theils farbig zu Papier gebrachte Compofitionen, dafs die 
für die Geftaltung des gewerblichen Unterrichtes in Hamburg mafsgebenden Kreife 
in der vollen Strömung der modernen Gefchmacksreform mit feftem Willen klar 
erkannten Zielen zufteuern. Eine nahe geiftige Verwandtfchaft mit den lauterften. 
der gleichartigen kunftinduftriellen Strebungen auf dem Wiener Boden mag man- 
chenFachmann überrafcht und erfreutund an eine andere Kunftgebiete betreffende 
Aeufserung des vielerfahrenen Dramaturgen Heinrich Laube erinnert haben, 
die ein auffallendes Zufammentreffen des Gefchmackes des Wiener und Hamburger 
Theaterpublicums conftatirt. 
Der Verein zur Förderung weiblicher Erwerbsthätigkeit in Hamburg hatte 
fehr rationelle und von den Schülerinen felbft entworfene weibliche Handarbeiten 
und Zeichnungen ausgeftellt. Diefe Arbeiten zeichneten fich ebenfo durch ein 
fache, der Natur des Materiales entfprechende, jede Verzierung im Sinne des 
künftlerifchen Motivs verftändnifsvoll entwickelnde Compoütion wie durch genaue 
und faubere Ausführung aus. Einige Pläne des Schulgebäudes gaben dem 
Befchauer einen bedeutenden Begriff von der Ausdehnung der Anftalt. Als ganz 
im gleichen Geilte geleitet zeigte fich in der Ausftellung das fogenannte Paulfen- 
ftift, eine Mädchen-Volksfchule, welche tüchtige Arbeiten der Schülerinen und 
Pläne des ftattlichen Schulhaufes exponirt hatte. 
Grofsherzogthum H e ffe n. Den Glanzpunkt der heffifchen Unterichts- 
ausftellung bildete in Wien wie fchon auf allen vorhergegangenen Weltausftellungeii 
die Expofitionen von Lehrmitteln des polytechnifchen Arbeitsinftitutes von 
J. Schröder in Darmftadt. Diefe berühmte, feit 1837 wirkende Firma hatte auch 
diefsmal quantitativ wie qualitativ fehr bedeutend ausgeftellt. Ein faft den ganzen 
Durchmeffer des deutfehenUnterrichtspavillons einnehmender Glasfchrank enthielt 
eine grofse Sammlung von Unterrichtsmodellen für Stereometrie , darftellende 
Geometrie, Kryftallographie, Mafchinenweien, für Hoch-Waffer- und Eifenbahn-Bau, 
für Metallurgie, Technologie etc., aufserdem Zeichen-Werkzeuge, als Reifsfchienen, 
Winkel , Curven, Lineale u. f. w. Die ähnlichen Aufteilungen der früher 
erwähnten preufsifchen Firmen wurden durch die Maffenhaftigkeit wie durch die 
vollendete Ausführung des Einzelnen in der Schröder’fchen Expofition gänzlich 
verdunkelt. Das Xntereffe des einheimifchen Fachpublicums wandte fich diefer 
Ausftellung umfo lebhafter zu, als Schröder, welcher nach den meiften Ländern 
Wefteuropas und Amerikas feine Lehrmittel exportirt, in neuefter Zeit auch in 
Oefterreich ein Abfatzgebiet gewonnen hat. Und diefs ficher nicht zum Schaden 
unferes gewerblichen Unterrichtes.
	        
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