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Full text: Das gewerbliche Unterrichtswesen (Gruppe XXVI, Section 4), officieller Ausstellungs-Bericht

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Armand Freiherr von Dumreicher. 
Hunderten von Schulen gepflegten Zeichenunterrichtes vorbereitet werden. 
Zeichnungen, welche hievon einen günftigen Begriff gaben, hatten die Seminare 
zu Efslingen und zu Gmünd ausgeftellt. Diefe Zeichnungen waren nach durchaus 
gut gewählten Vorlagen mit geübter Hand gemacht; erfreulicher wäre es freilich, 
wenn bei diefem meift elementaren Unterrichte Vorlagen gar nicht mehr oder 
doch in viel befchränkterem Mafse, als diefs an den genannten Anflalten der 
Fall zu fein fcheint, in Verwendung kämen. 
Uebrigens drängte fleh wohl jedem fachkundigen Befucher der württem- 
bergifchen Unterrichtsausflellung die Wahrnehmung auf, dals in diefem Lande 
der im Zeichenunterrichte zu Tage tretende Gefchmack fo weit ein ganz guter 
ift, als diefer Unterricht fleh auf elementare Gegenftände befchränkt, dafs er aber 
defto mehr zu wünfehen übrig läfst, je bedeutender feine Aufgaben werden und 
mitunter eben dann ganz vermifst wird, wann eine Arbeit kunftgewerblicher Art 
ihn am meiften fordert. 
Der Unterricht im Freihand-Zeichnen beginnt an den württembergifchen 
Schulen mit den auch aufserhalb des Landes fehr verbreiteten, tüchtigen Herdtle’ 
fchen Vorlagen. Hierauf wird zum Zeichnen nach plaftifchen, geometrifchen 
Modellen übergegangen und fchliefslich das Arbeiten nach Gypsornamenten in 
Angriff genommen. Für Lehrmittel hat die Regierung reichliche Vorforge getrof 
fen durch Herausgabe der bereits erwähnten HerdtleTchen Vorlageblätter (edirt 
von der königlichen Commifflon für die gewerblichen Fortbildungsfchulen) und 
durch Anfertigung von über 400 Gypsmodellen von geometrifchen Formen, 
Ornamenten, Pflanzen und figürlichen Objekten (aus der Modelliranftalt der könig 
lichen Centralftelle für Gewerbe und Handel). Soweit mit Benützung diefer Lehr 
mittel an den Schulen gearbeitet wird, erzielt der Unterricht fehr achtbare Reful- 
tate, nur die zu grofseZeitverfchwendung, welche eine die Lithographie imitirende 
Manier bedingt, mufs bei den Arbeiten nach Gyps bedauert werden, da das 
„Bildchenmachen“ mit den Zwecken der Schule nichts zu thun hat. Wenn auf den 
bisher erwähnten Stufen des Zeichenunterrichtes im Allgemeinen Befriedigendes 
geleiftet wird, fo nimmt aber leider die Tüchtigkeit der Arbeiten durchgängig ab, 
je direktere Beziehung zur gewerblichen Praxis fie haben. 
Eine Auswahl aus den Leiftungen von 53 Fortbildungsfchulen, 
welche die „königliche Commifflon für gewerbliche Fortbildungsfchulen“ in Stutt 
gart vorgeführt hatte, lieferte nach folcher Richtung zahlreiche Belege. 
Aufser Freihand-, Linear- und Fachzeichnungen enthielt diefe Expofition 
auch Modellirarbeiten, Decorationsmalereien. Holz- und Elfenbein-Schnitzereien 
und Steinhauer-Arbeiten. An der überwiegenden Mehrzahl der erwähnten Objedte 
war von Einflüßen der nun feit einem Jahrzehnt in Deutfchland in Flufs gekom 
menen Gefchmacksreform nur fehr wenig zu bemerken. Vielmehr herrfchte eine 
veraltete, willkürliche, häufig rein naturaliflifche Richtung vor und der Gefchmack 
der Franzofen, wie er vor fechs und mehr Jahren war, jedoch ohne die Grazie der 
Franzofen, fchien häufiger mafsgebend gewefen zu fein, als es für Württembergs 
gewerbliche Entwicklung erwünfeht fein kann. 
Die meiften Entwürfe von Möbeln und anderen Geräthen des Haufes wie 
fall alle Arbeiten in Holz zeigten eine unfehöne Plumpheit und Starrheit; die 
Decorationsarbeiten wiefen häufig grelle und unvermittelte Farbenzufammenftel- 
lungen und eine der Anmuth entbehrende Härte der Linien auf; naturaliflifche 
Blumen erfchienen als beliebtefter Schmuck der verfchiedenflen Gegenftände und 
auch das eine und andere gefucht fcherzhafte Motiv bezeugte das Vorhandenfein 
eines anderwärts in Deutfchland im Schwinden begriffenen Ungefchmackes. 
So hatte die Schule in Rottweil ein riefiges, mit Kreide ftärkfl fchattirtes, 
ganz graufchwarz gehaltenes Blumenflück mit einem fchweren, überaus plump 
gearbeiteten, dunkelbraunen Holzrahmen umgeben und damit eine an und 
für fleh abfcheuliche, befonders aber der fpeciellen Natur des Gegenftandes in 
erflaunlicher Weife widerfprechende, diiftere Wirkung hervorgebracht. Dieielbe
	        
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