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Full text: Das gewerbliche Unterrichtswesen (Gruppe XXVI, Section 4), officieller Ausstellungs-Bericht

Das gewerbliche Unterrichtswefen. 
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Schule hatte ein in hellem Holz gefchnitztes Käftchen ausgeftellt, deffen gar 
keinem Stile angehörender Bau mit harten und kahlen, willkürlich erfundenen Ver 
zierungen einen gar unerfreulichen Anblick gewährte. 
Die von Reutlingen ausgeftellten Zimmermaler-Arbeiten zeugten zwar nicht 
immer vom feinden Farbenfinn, wiefen aber in ihrer Art beffere Sachen auf, als 
die erwähnten Rottweiler Ausftellungsobjecfte. Die Gmünder Schule hatte einige 
recht tüchtige Gravir- und Cifelirarbeiten ausgeftellt, deren ornamentaler und 
figürlicher Schmuck alle billigen Anforderungen befriedigte. Dagegen waren von 
derfelben Schule einige Zeichnungen und Aquarelle da, welche an der tiefflen 
Grenze der Mittelmäfsigkeit ftanden. Namentlich eine nach der Natur gemalte 
Aquarelle, welche zwei Silberkannen auf einem mit fpitzengarnirtem weifsblauem 
Tuche bedeckten Tifche darftellte, erfchien, abgefehen von der Reifen Behand 
lung der Tuchfalten und anderen Ungefchicklichkeiten der Ausführung, fchon 
durch Wahl und Aufftellung der zu copirenden Objebte als eine typifche Leiftung 
des fpiefsbürgerlichen Ungefchmacks, der fo vielen kunftinduftriellen Arbeiten 
württembergifcher Schulen einen ihnen eigenthümlichen Stempel aufprägte. Ein 
ebenfalls von Gmünd ausgeftellter, in Holz gefchnitzter Vifitkarten-Behälter mit 
der Devife „Niemand zu Haufe“ gehörte der Kategorie jener Arbeiten an, die 
den Mangel künftlerifcher Erfindung durch fogenannte gute Einfälle zu decken 
fuchen, aber kaum zur Gefchmacksveredlung der aufwachfenden gewerbetreiben 
den Generation beitragen dürften und darum von der Schule ftreng ausgefchloffen 
fein füllten. 
Die Geislinger und Rottweiler Elfenbein-Schnitzereien, meid ungraziös 
und naturalidifch, wiefen nur wenige nicht ganz reizlofe Arbeiten auf, und die 
Uhrenfchild-Malereien von Schwenningen bewegten fich meid innerhalb der 
banalen, bunten Decorationsweife, welche in diefem Genre noch immer vorherrfcht. 
Die Ausdellung der württembergifchen Fortbildungsfchulen, welche haupt- 
fachlich durch grofse Maffen von ganze Wände bis zum Gefimfe bedeckenden 
Zeichnungen zu wirken dichte, gewährte nur in den einfacheren Gegendänden, 
in welchen eine kündlerifche Seite gar nicht oder erd in zweiter Linie hervor 
zutreten braucht, Befriedigung- So waren das Bede unter den exponirten Schüler 
arbeiten die Schreib- und Rechnungshefte und durfte auch an den einfacheren 
Zeichnungen das hervortretende didaktifche Moment anerkannt werden. Ferner 
verdienen einige fehr praktifche Handbücher für Gewerbsleute, welche zur Ein 
ficht auflagen, rühmende Hervorhebung. 
Die Entwürfe und Ausführungen von Deffins für wollene, halbwollene, 
feidene und leinene Stoffe, welche von den Webefchulen in Reutlingen und 
H e i d e n h e i m eingefendet waren, glänzten zwar nicht durch graziöfe Leichtigkeit 
der Zeichnung und augenerfreuende Farbenwirkung, waren aber in ihrer Art beffer 
als manche Arbeiten der Fortbildungsfchulen. Diefe wSchulen lehren eben das, 
was in der betreffenden Indudrie Württembergs heutigen Tages „geht“, und der 
Gefchmack der Confumenten befchrankt ja die Lehrer in ihren Bedrebungen. 
Unter cliefen Verhältniffen id es fchon ein Vorzug, dafs kein Stück von ganz ent- 
fchiedenem Ungefchmack vorhanden war. 
Zu den befferen ihrer Gattung konnte auch die Ausdellung der Frauen 
arbeits-Schule in Reutlingen gerechnet werden, welche denmethoclifchen 
Unterrichtsgang der Schule durch Vorführung von Zeichnungen und fehr zahlreichen 
Handarbeiten darlegte. Zwar in keinem Stücke von feiner Eleganz, vielmehr 
durchgehends im fchwerfälligen Gefchmacke des niederen, kleindädtifchen deut- 
fchen Mitteldandes gehalten, machten diefe Arbeiten doch oder eben defshalb 
den Eindruck leichter Verwerthbarkeit, und überzeugten Jedermann von der wohl- 
thätigen Wirkung, welche die in denfelben unterrichtende Andalt auf die Erwerbs 
fähigkeit des weiblichen Gefchlechtes übt. 
Als geradezu gediegen und felbd kündlerifch lobenswerth erfchienen die 
Reutlinger Arbeiten aber, wenn man fie mit der wunderlichen Ausdellung der
	        
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