Das gewerbliche Unterrichtswefen.
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nur mit wenigen Worten berühren werden. Denn erftens ift die Organifation des
gewerblichen Unterrichtswefens diefer Staaten im öfterreichifchen ofificiellen
Ausftellungsberichte vom Jahre 1867 feinerzeit mit der nothwendigen Ausführlich
keit befchrieben worden und find die feit diefem Jahre eingetretenen Aenderungen
nicht erheblich genug, um uns hier zu abermaligem Eingehen auf diefe Seite des
Gegenftandes zu veranlaffen; was aber die 1873 nach Wien eingefendeten Aus-
ftellungsobjecfte gewerblich-pädagogifcher Art betrifft, fo gehörten diefelben fall
ausfchliefslich dem Gebiete des Zeichenunterrichtes an und wurden in diefer
Eigenfchaft im officiellen Ausftellungsberichte der Generaldiredlion der Weltaus-
ftellung unter dem Titel „der Zeichen- und Kunftunterricht“ von Profeffor
J. Langl mit folcher Ausführlichkeit und Sachkenntnifs gewürdigt, dafs hier
dem dort Gefügten um fo weniger etwas hinzugefügt zu werden braucht, als
eine abermalige Befprechung derfelben Thatfachen und P'ragen auf ein blofses
Wiederholen hinauslaufen müfste. Aufser Gegenftänden des Zeichenunterrichtes
fanden fich aber von Leiftungen gewerblicher Schulen nur noch einige weib
liche Handarbeiten auf der Ausftellung, welche im officiellen Berichte unter
dem Titel „die Frauenarbeiten“ von Freiin Helene v. Roditzky befprochen
worden find.
Somit geben wir hier über den Inhalt der gewerblichen Unterrichts
expofitionen der übrigen Staaten nur eine knappe, auf das Meritorifche nicht ein
gehende Ueberficht und verweifen bezüglich aller Details auf die drei citirten
Berichte .
Ungarn war im Gebiete des gewerblichen Unterichtes fo gut wie gar
nicht vertreten, und es dürfte folche Art der Repräfentation auf der Wiener
Weltausftellung dem thatfächlichen Stande diefes päclagogifchen Zweiges in dem
wenig entwickelten Ackerbau Lande entfprechen.
Von den Gewerbe-Zeichenfchulen Frankreichs, deren Zahl etwa auf
40 fich beläuft, hatten mehrere an der Ausftellung fich betheiligt, ebenfo ver-
fchiedene Special-Induftriefchulen und Volksfeinden. Insbefondere waren die
Ausftellungen von Zeichnungen der Schulen der frferes chretiens, der ecoles
cominimales (lai'que) von Paris, der ecoles commerciales, der weiblichen ecoles
profeffionelles fehr bedeutend. Einige der ausgezeichneten, von der Gemeinde
fubventionirten Parifer Zeichenfchulen waren in der „Ausftellung der Stadt Paris“
vertreten; unter Anderen durch ein hübfehes Modell ihrer Zeichen- und Modellir-
fäle die Lequien’fche Schule.
Von der genannten Anftalt und von der berühmten Levaffeur’fchen Zeichen-
fchule waren Modellirarbeiten ausgeftellt. Unter den Expofitionen der Schulen
überwiegend fachlichen Charakters glänzten die der „ecole de deffin“ und der
manufadtur national des gobelins zu Paris“ fowie die der „dcoles profefionelles“
von Rouen, St. Quentin, Havre und Lyon, ferner die der ecole induftrielle de
Lille. Endlich waren von verfchiedenen Fabrikfchulen (ecoles manufacfturelles)
der Normandie und Bretagne und von kunftgewerbliehen Zeichenfchulen in Bor
deaux und Touloufe zahlreiche Schülerarbeiten ausgeftellt. Frauenarbeiten franzö-
fifcher Schulen waren in fehr geringer Zahl eingefendet worden.
Der gewerbliche Unterricht Italiens erfchien durch Zeichnungen in
Wien ftark vertreten, fobald man die italienifche scuola tecnica (eigentlich Real-
fchule) als Gewerbefchule gelten läfst, wofür die an diefen Anftalten vorherrfchende
Richtung allerdings Anhaltspunkte darbietet. Aufser einer grofsen Zahl diefer
Schulen hatten fich auch viele eigentlich induftrielle Lehranftalten mit theilweife
trefflichen Leiftungen an der Ausftellung betheiligt; fo vor Allem drei Turiner
Anftalten, als: das Iftituto induftriale e profeffionale mit ausgezeichneten tech-
nologifchen Schülerarbeiten, die scuola di ornamentacione del reale mufeo indu
ftriale mit prachtvollen Modellirarbeiten und die scuola governativa di Po mit
Schülerzeichnungen; ferner drei Genuefer Schulen: die scuola civica feminile
di difegno induftriale mit trefflichen Zeichnungen der Schülerinen, und mit minder