Die chemifche Grofsinduftrie.
7
namentlich war es R. Hafenclever,* der eine wichtige Abhandlung publicirte,
welche durch die Arbeit F1 eitmann’s ** über den Vorgang beim Rollen ver-
vollftändigt wurde. Der Letztere zeigte, dafs in gewiffenStadien der Röllproceffe,
namentlich beim Arbeiten in einer von aufsen erhitzten Muffel, wafferfreie Schwe-
felfäure auftritt, welche felbftverftändlich auf das Material der Zuleitungscanäle
einen zerftörenden Einflufs übt.
Der Röftofen von H af e n c 1 e v e r & H e 1 b i g , der an einer anderen Stelle
näher befchrieben wird, ift fo eingerichtet, dafs die Erze auf geneigten Platten
durch den Röllraum herabgleiten, welche Bewegung jedoch nur eintritt, wenn die
abgeröfteten Erze unten herausgenommen werden, fo dafs man die Schnelligkeit
diefer Bewegung nach Belieben regeln, die fchwerer abröftbaren Erze länger, die
leichter abröftbaren langfamer durch den Röllraum gleiten laffen kann.
Die Möglichkeit, Schlieche mit dem in Rede flehenden Schüttofen abzu-
röllen, ift von grofsem Vortheile, denn wenn man die beim Zerklopfen fich bilden
den Schlieche mit Thon einbindet oder Graupen mit den Stückerzen gemengt in
den gewöhnlichen Kiln röftet, fo erleidet man immer grofse Verlufte an Schwefel.
Theils verftopfen die kleinen Graupen die Canäle und hindern dadurch ein voll
kommenes Roden, theils fallen fie beim Bewegen derRoftftäbe noch fchwefelreich
in den Abbrand. Die mit Thon hergeftellten Stöckel (Klütten, Batzen) dagegen
laffen fich überhaupt fchwer vollkommen abröften und wenn die eingebundenen
Schwefelungen Beimengungen von Blende oder Schwerfpath enthalten, fo decrepi-
tirenfie und zerfallen zu Staub. Allerdings kann durch gewiffe locale Verhältniffe ein
Abröften in Stöckel vortheilhaft erfcheinen, fo namentlich wenn kiefige Schlieche
fehr bleihaltig find und dann imSchüttofen leicht fintern, oder wenn, wie in Frei-
berg, zum Formen der Stöckel neben 5 Percent Thon faure Mutterlaugen von
der Kupferextraction verwendet und dadurch mit verwerthet werden.
Die Einführung der Schüttöfen zum Erzröften hat unleugbar den Kreis der
zur Schwefelfäure-Fabrication verwendbaren Schwefelquellen fehr wefentlich
erweitert und verdient defshalb als ein hervorragender Fortfehritt in derlnduftrie
bezeichnet zu werden.
Eine Aufgabe, welche die Induftrie in hohem Grade befchäftigt. ift die
derVerwerthung derRöftrückftände oder Abbrände. Verwendet man Pyrite, fo find
die Rückftände ihres zwar geringen, oft aber doch 5 bis 6 Percent betragenden
Schwefelgehaltes wegen, nicht leicht zur Verhüttung auf Roheiien geeignet. Die
Verfuche vonRichte r*** haben aber allerdings gezeigt, dafs man durch Beimengen
folcher Abbrände zu reinen Erzen und unter Anwendung einer fehr bafifchen
Schlacke den Schwefelgehalt efrolgreich bekämpfen kann, allein das Eifen fällt
dann leicht ftark filiciumhaltig, da alle Umftände, durch die der Schwefel entfeint
wird, die Aufnahme des Siliciums zur Folge haben. Dafs jedoch ein Verhütten
diefer Abbrände möglich ift, hat die Ausftellung bewiefen, da fowohl die Firma
St. Gobain, Chauny & Cirey als auch die Kraluper Fabrik diefelbe durch
führen. Uebrigens bleibt noch immer die Gewinnung des Kupfers aus den kupfer
hältigen Kiefen die wichtigfte Methode der Nutzbarmachung. Zuweilen verarbeitet
man diefe Rückftände auch auf andere accefforifche Beftandtheile, wie Silber oder
Zink, zuweilen auf Eifenmennig.
Die Fabrication der Schwefelfäure. Im Laufe der letzten Jahre
find mehrere Abhandlungen über die Theorie der Schwefelfäure-Fabrication
erfchienen, welche insbefondere über die Urfachen des Verluftes an Salpeterfäure
Aufklärung geben. Vor längerer Zeit hatte Pelouzefdie Anficht vertreten,
dafs bei Sauerftoffmangel in der Bleikammer durch die fchweflige Säuie eine
* Wagner Jahresbericht 1871. p. 208.
** Dingler's Journal CLXXXVII. p. 155-
*** Dingler polytechniches Journal CXCIX, pag. 292 .
f Annales de chimie et de phylique. LX p. 162.