Die ehemifche Grofsinduftrie.
27
und die Verwendung der Säure zur Scheidung des Kupfers aus dem kupferhaltigen
Silber Der erhaltene Vitriol wurde zum Imprägniren des Holzes verwendet.
Gegenwärtig ift die Erzeugung der Schwefelfäure Selbftzweck und es wurden im
Jahre 1872 : 22.238 Centner öogradige und 15.878 Centner bögradige Schwefel-
Die Sodafabrik desLeo, Grafen von L a r if c h - M o n n 1 c h zu P e t r o 11 z,
wurde im Jahre 1853 gegründet und ging 1859 in das Eigenthum des Ausftellers über.
Diefelbe erzeugt namentlich Schwefelfäure und Soda, und betreibt auch die Wieder
gewinnung des Schwefels aus den Rückftänden, die zum Theil auch imttelft einer
Quetfclimafchine gebrochen und als Diingfalze verwendet werden Gegenwärtig
werden circa 40.000 Centnet Kochfalz und 15.000 Centner Schwefel verarbeitet
und aufserden genannten Produkten: Salzfäure, Glauberfalz, Aetznatron, Chlor-
kalk, Superphosphat etc. erzeugt. . T i
Die Fabrik von Hochftetter & Schickardt in Brünn wurde im Jahre
1844 durch Carl Hochftetter gegründet, erzeugt prachtvolles Blutlaugenfalz (6000
Centner jährlich) und befchäftigt fich überhaupt mit der Verarbeitung von Abfall
produkten. Das Etabliffement exportirt einen grofsen Theil feiner Produfle ms
Ausland und hatte durch die Expofition einer grofsen Gruppe von Blutlaugenfalz-
Kryftallen einen Glanzpunkt der chemifchen Ausftellung Oefterreichs gefchaffen.
Die Firma Röthlingshöfer Johann in Drozdow (Böhmen) erzeugt
ebenfalls gelbes Blutlaugenfalz (circa 2500 Centner jährlich), Holzelfig, efüg-
faure Salze, fchwefelfaures Ammon, Knochenmehl, Spodmm 15.000 Centner per
Jahr) etc. Die Fabrik wurde im Jahre 1843 gegründet und exportirt ebenfalls
einen Theil ihrer Produkte. „ . _ . , s .
Die Fabrik chemifcher Producte von Carl Rad em ach er &
Comp in Prag zeichnete üch namentlich durch die Ausftellung von phosphor-
fauren Salzen aus, die aus folchen Phosphaten dargeftellt waren welche bei dem
Entphosphoren der Eifenerze nach Jul. J a c o b y's Verfahren m Kladno entftehen
Diefes Verfahren * befteht darin, dafs die Erze mit einer Saure des
Schwefels, und zwar am bellen und billigften mit fchwefliger Saure . behandelt
werden, wodurch die vorhandenen unlöslichen bafifchen Phosphate in fauere los
liehe Phosphate übergeführt werden und in Löfung gehen Aus der er > lal t e "®
Löfung wird durch blofses Erhitzen ein Theil der vorhandenen 1 honerde un
Eifenphosphate abgefchieden, oder es wird die Löfung mit Ka k verfetzt u
hiebe? entftandene, Calciumphosphate haltendeNiederfchlag, der Landwirthfc .
oder der chemifchen Induftrie zugeführt. Miorhlacres
Die Zufammenfetzung des durch Erhitzung ausgefchiedenen Niedeifch ages
wie ihn Rademache r’s Fabrik auf Alaun verarbeitet, ift n.cht conftant und
die folgenden Analyfen geben einen Anhaltspunkt zur Beurthe.lung derfelben.
,00 Theile diefes Niederfchlages enthielten, bei mehreren Verfuchen.
Phosphorfäure
Thonerde
Eifenoxyd
Unlösliches
Waffer
Schwefelfäure
2074
2272
r 5 6
7 07
3806
9 51
2272
25 03
178
459
3619
9 ii
242
25'34
296
3'74
3579
889
2212
2715
282
420
33-i6
IOO8
^cnweieiiaui e yy y " ' . f
Seit Beginn der Verarbeitung der Kladnoer Phosphate anr Anfang des
lahres 1873 wurden bis September desfelben Jahres etwa 1800 Centner Ka
Lun aus denfelben dargeftellt und die hiebei gewonnene I.ofungvonPhosphor-
fäure, welche circa 25-percentig war, auf Kalkfuperphosphat mit |
Phosphorfäure-Gehalt verarbeitet. Der Alaun wird grofstentheils als kryftallifirte
Luninden Handel gebracht und nur ein kleiner Theil davon, als gebrannter
Alaun, zum Klären von Flüffigkeiten, verkauft.
* Dingler’s Journal CCII pag. 245.