Tapeten und Buntpapier
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hiezu war übrigens auch dem Publicum der Wiener Weltausflellung nicht vor
enthalten, denn D u m o n t erfchien als Ausfteller in der Gruppe XII und hatte
dabei auch jenen Entwurf zur Anficht gebracht. Die übrigen Objeöte der Firma
Ploock machen dem alten Rufe des Haufes alle Ehre und namentlich die
„Articles de ftile“, wenn fie es auch nicht immer ganz buchfläblich genommen
find, fanden unferen vollen Beifall.
Mehr noch als Hoock mit feinen grauen Hofleuten und Parkfernfichten
machte die Seide- und Goldglanz ausflrahlende Expofition des P. Bai in Auf-
fehen, welche an bevorzugter Stelle in der Hauptgallerie Platz gefunden hatte.
Bai in hat eine reichhaltige Suite äufserft luxuriöfer Wandbekleidungs-Mittel
gebracht. Geprefste Ledertapeten und imitirte Ledertapeten mit Deffins aus der
bellen Zeit, echte Seidentapeten, bed ruckte Seide, bedruckte, billige
Gewebe und Papiertapeten.
Wenn es uns auch bedünkt, dafs die Behandlung eines edlen Materiales
mit einem Druckmodel doch immerhin übers Ziel gefchoffen ifl und die eben
möglichen niedrigflen Preife noch viel zu hoch find für ein Surogat — fo ifl
dagegen das Bedrucken billiger Stoffe oder das Aufziehen des bedruckten
Papiers auf Gewebe eine Technik, die volle Berechtigung hat. Herr Balin fagt
felbff: „Le deffous de ce papier eff remplace par une cretonne ou tout autre
etoffe bon marche, lorsque une plus g ran de souplesse efldesirable“,
und wir glauben, dafs man ihm beipflichten mufs. Nach dem von Balin ent
wickelten edlen Luxus möchten wir fchliefsen, dafs er heute wirklich in
theuren Artikeln, fowohl was Gefchmack als Technik anbelangt, allen ande
ren franzöfifchen Tapetenfirmen voranfchreitet, in Wien hat er fie gewifs alle
gefchlagen.
L h o e ft Paul in Lüttich mag hier im Anfchluffe an Balin abgehandelt
werden, da auch diefe Tapetenfabrik gewebte, mit Modeln bedruckte Stoffe
exponirte. Die Firma L h o e ft bediente fich jedoch hiezu nichtkoftbarer, fondern
nur ganz ordinärer Gewebe, einer Art von ungebleichter Leinwand oder Jute, und
erzielte hiebei mit einfachen Deffins ganz hübfche Refultate. Diefer Artikel zur
inneren Auskleidung von hölzernen Häufern, Gartenpavillons und dergl., wie es
fcheint, beftimmt,mag auch zum Comfort in folchenRäumen wefentlich beitragen.
Der Artikel fand, wie ich annehmen mufs, zu wenig Beachtung; freilich waren
gerade diefe Objedte in der fonfl anziehenden Expofition Lhoeft’s nicht fehr
auffällig placirt Lhoeft hat, obwohl deffen Etabliffement eines der älteften ift,
es befteht feit 1789, nie an einer Ausftellung Theil genommen und hat fich in
Wien bei diefem erften Debüt als fehr leiftungsfähig erwiefen. Aulser den
gewöhnlichen Papiertapeten und dem oben befprochenen neuen Artikel hat er
auch Stoff- und Lederimitationen, die in Belgien überhaupt fehr gepflegt werden
1 namentlich von Dulud, der in Wien fehlte) und endlich fehr gut gauffrirte Mufler
zur Anficht gebracht. Lhoefl war uns eine angenehme, neue Bekanntfchaft. *
Obwohl wir hier in der Befprechung der franzöfifchen Ausfteller die
Erwähnung einer belgifchen Firma eingefügt haben, fo ift diefs nur eine Unregel-
mäfsigkeit in Bezug auf die politifchen Landesgrenzen, an die wir uns ja bei der
Anordnung des Stoffes nicht fklavifch zu halten brauchen. Im Wefen ifl die
belgifche Tapeteninduflrie eben am meiften verwandt, ja fie ifl identifch mit der
franzöfifchen.
Fahren wir nun in der Befprechung der franzöfifchen Abtheilung fort, fo
haben wir noch eine Fabrik von Modeldruck-Tapeten zu erledigen, es ift diefs
jene von F. Folio t. Diefe Firma brillirte durch ihre Veloutes. Nicht nur ein in
vollendeter Feinheit ausgeführtes Panneau von orangegelber Farbe, fondern auch
* Lhoeft war der einzige belgifche Ausfteller der 2. Se<5tion Gruppe XI, infofern wir
von der Spielkartenexpofition von Daveluy-d'Elsoungne abfehen. Die Mafchinentapeten von
Kutten in Meftricht bekamen wir leider auch diefsmal nicht zu fehen.