Tapeten und Buntpapier.
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disponiren. Unter den drei bis vier Ausftellern diefer Kategorie, welche die Prätention
machen die Tapeteninduftrie zu unterftützen, ragte Fr. Fifchbach, jetzt
Lehrer an der königlichen Akademie in Hanau, auffallend hervor. Seine Produktivität
an guten Entwürfen ift eine wahrhaft erftaimliche. Er hat eine helle
Schaar von Kindern feiner Mule in der Ausftellung verfammelt. Hochftätter, Joft,
Herting und viele Andere drucken Tapeten nach feinen Deffins, er felbft gibt ein
Album für Wohnungsdecoration heraus, und verlegt lithographirte Plafondrofetten,
Blätter und andere Decorationsmittel. Friedrich Fifchbach in allen Gaffen und
nirgends etwas Banales, Reizlofes. Man dankt feine Produktion der Aufnahme von
Ideen und Eindrücken während feines Wiener Aufenthaltes, und wir würden
bedauern, ihn in Hanau fich gänzlich ausgeben zu fehen. Ein Künftler von folcher
Schaffensluft mufs in einem Kunftcentrum leben, wo er auch ftets lernt und
nicht blofs immer lehrt.
Das Kapitel der Händler fpielt in der Tapetenbranche keine kleine
Rolle. Die Händler find nämlich nicht blofs Kaufleute, tie nehmen einen Einflufs
auf dieProduktion felbft. Durch ihren engeren Beruf im fortwährenden Verkehr mit
dem Bedarf, genau bekannt mit der Abfatzfähigkeit der Produkte, greifen fie felbft
ein, beftellen eine Zeichnung bei diefem oder jenem Künftler, laffen die Tapete
in diefer oder jener Fabrik ausführen, welche am meiften gerade für die Durchführung
des Entwurfes geeignet ift, und fetzen dann die Tapete, auf welche fie
eigenthumsberechtigt find, in den Handel. Solche Kaufleute haben, wie gefagt,
einen Einflufs auch auf die Fabrication, der nicht zu unterfchätzen ift. Hiezu
kommt noch, dafs die eben befprochene Stellung des Händlers oft auch kleinere
Fabrikanten einnehmen, oder umgekehrt, dafs der Händler ein kleines Atelier
befitzt.
Ob nun der Händler oder der Fabrikant vorwaltet, wer möchte diefs
entfcheiden? Nach diefer Erwägung mufs man zu dem Schluffe kommen, dafs die
Ausfchliefsung der Händler von einer Weltausftellung fchwerlich ein unanzweifelbar
begründetes Princip involviren würde. Die Weltausftellung foll alle Richtungen
der menfchlichen Arbeit zur Geltung bringen laffen. Ganz verfehlt fcheint es
uns aber, einmal zur Ausftellung zugelaffene Firmen, wenn fie fleh felbfl als Händler
bekennen, für ihre Ehrlichkeit zu beftrafen, und von der Concurrenz um eine
Prämie auszufchliefsen, wie es gefchehen ift. Wie viele Firmen find eben Händler
pure et flmple, haben nicht einmal jenen oben gefchilderten Einflufs und jenes
Verdienft — die Provenienz der Waare läfst fleh nicht nachweifen, und fie werden
prämiirt. Händler mit Tapeten, wie Ph. Haas in Wien, Rommel in Berlin,
Jean Joft in Offenbach am Main und Frankfurt, Lucius in Wien, verdienen
unfere volle Anerkennung, wenn fie auch, wie die beiden letzten
bei C. Hochftätter nach Fifchbach’fchen Deffins mit Modeln von C. Bufs
arbeiten 1 affen. Es war eine Ungerechtigkeit, wie ich glaube, die Händler auszufchliefsen.
Ich wende mich nun einem bisher unberührt gebliebenen Theile des
deutfehen Tapetengewerbes zu, nämlich jenem, der innerhalb der öfterreichifchen
Reichsgrenzen feine Stätte aufgefchlagen hat.
Die Expofition öfterreichifcher Tapetenfabricate war an einem Punkte
vereinigt. Abgefehen von diefer Concentration kann man jedoch der Aufflellung
in einem fpärlich erleuchteten „eingedeckten Hofe“ wenig Rühmliches nachfagen.
Die an fleh löblichen Anftrengungen unferer heimifchen Firmen hätten durch
richtigere Inftallation viel wirkfamer gemacht werden können.
Das ältefte und wohl heute noch bedeutendfle öfterreichifche Tapetengefchäft
ift jenes von S p o e r 1 i n & Zimmer mann in Wien.
Es fei mir geftattet in der Befprechung des gegenwärtigen Zuftandes des
öfterreichifchen Tapetengewerbes innezuhalten und auf das hinzuweifen, was
über die Gefchichte diefes Induftriezweiges aus Anlafs der Wiener Weltausftellung
bekannt gemacht wurde.