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Full text : Tapeten und Buntpapier (Gruppe XI, Section 2), officieller Ausstellungs-Bericht

Tapeten  und  Buntpapier.

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niäre  Erfolg  diefes  Unternehmens  noch  in  Frage  (fand,  fehr  warm  für  diefe  Richtung ­
  ausgefprochen.  Sieburger  exponirte  ferner  mehrere  harmonifch  zufammengeftellte
  Zimmerdecorationen  und  zwar  einen  Salon,  ein  Schlaf-,  ein  Herren-  und
ein  Speifezimmer,  fämmtlich  von  guter  Zeichnung  und  netter  Ausführung.  Die
fonft  ausgeftellt  gewefenen  Rouleaux  zeigten  natürlich  die  bekannten,  rühmlichen
Beftrebungen  der  Fabrik,  welche  eine  Produktion  von  einer  halben  Million  Rollen
im  Jahre,  das  ift  zu  einem  Umfatz  von  250.000  fl.  erreicht  hat.  Die  Arbeiterzahl
ift  fowohl  bei  Spörlin  als  bei  Sieburger  die  einer  mittelgrofsen  Fabrik  nach  aufseröfterreichifchen
  Begriffen  (200  Arbeiter).
Mit  der  Einführung  der  Mafchine  in  die  Tapeteninduftrie  will  es  jedoch  in
Oefterreich  nicht  recht  vorwärts  gehen.  Wenn  auch  Spörlin  &  Zimmermann  einige
Druckmafchinen  und  Sieburger  eine  Foncirmafchine  und  ein  paarGauffrirmafchinen
und  dergl.  mehr  verwendet,  fo  kann  man  von  einem  mafchinellen  Betriebe  bei
uns  doch  eigentlich  nicht  reden.  Die  kleinen  jüngeren  Etabliffements  in  Oefterreich ­
  haben  darin  einen  Vorfprung,  aber  auch  das  ift  lange  noch  nicht  befriedigend.
Thatfache  ift,  dafs  wir  mit  dem  Bezug  billiger  Tapeten  übel  daran  find.  Transport, ­
  Zoll  und  Zwifchenhändler  vertheuern  uns  das  ausländifche  Produkt  um
50  Percent,  die  inländifchen  Fabriken  haben  keine  Freude  an  der  billigen  Waare,
weil  fie  nicht  recht  darauf  eingerichtet  find,  und  fo  fleht  der  allgkhieinen  Einführung ­
  der  Tapete  in  Oefterreich  ein  unüberfteigliches  Hindernifs  im  Wege  und
die  Herren  Zimmermaler  walten  unumfchränkt.  Mit  guten  und  koftbaren  Decorationen
  find  wir  hingegen,  wie  die  Aufteilung  neuerdings  bewies,  wohl  verforgt
und  hat  in  diefem  Niveau  die  Tapeteninduftrie  fehr  glückliche  Anftrengungen
gemacht  und  eine  anerkennenswerthe  Haltung  angenommen.
Die  Firma  Piette  hat  in  der  Wahl  der  Deffms  dem  franzöfifchen  Namen
entfprechend  gehandelt.  Abgefehen  davon  war  die  Aufteilung  diefes  Etabliffements ­
  eine  geradezu  überrafchende.  Ich  habe  wiederholt  mir  verfichern  müffen,
dafs  es  eine  öfterreichifche  Fabrik  ift,  die  fo  plötzlich  auftaucht  und  fleh  mit
Prätenfion  an  die  Seite  der  Patricier  in  diefem  Gefchäfte  ftellt.  Allen  Ernftes  mufs
verfxchert  werden,  dafs  die  Ausftellung  Piette’s  reichhaltig,  mannigfaltig  und  was
befonders  erfreulich,  vielfach  Spuren  von  mafchinellem  Betriebe  zeigend  war.
Dagegen  mufs  der  Wahrheit  gemäfs  auch  hervorgehoben  werden,  dafs  die  Expofition
  fehr  verfchiedenartige  Artikel  und  neben  fehr  guter  auch  fehr  fchlechte
Waare  enthielt.  Da  die  Piette’fche  Fabrik  eine  von  den  wenigen  Tapetenfabriken
ift,  die  ich  nicht  durch  perfönliche  Anfchauung  kenne,  und  da  ich  nicht  in  der
Lage  war,  jetzt  felbft  nach  Podbaba  zu  reifen,  fo  wandte  ich  mich  in  einem  höflichen ­
  Schreiben  an  Herrn  P.  Piette  um  nähere  Daten  über  das  Etabliffement,  das
mein  Intereffe  fo  fehr  erregt  hatte.  Die  Antwort  auf  meinen  Brief  war  keine  fehr
ermuthigende  und  glaube  ich  Herrn  Piette  einen  Dienft  zu  leiften,  wenn  ich  diefelbe
  nicht  publicire,  wozu  ich  allerdings  berechtigt  wäre.  Gewifs  ift,  dafs  die
Decoration  in  dem  von  Roffigneux  fo  glücklich  gepflegten  Neogrkque  (Zeichnung
von  Dumont)  eine  ganz  beachtenswerthe  Leiftung  war  und  dafs  die  impofanten
Mufterbücher  eine  erftaunliche  Produktivität  bekundeten.
Nachdem  wir  der  Firma  Lucius  fchon  oben  freundlich  Erwähnung  gethan
haben  und  hier  noch  ausdrücklich  die  fehr  gelungene  pompejanifche  Decoration
in  die  Erinnerung  zurückrufen,  haben  wir  nur  noch  von  der  MelcherTchen
Expofition  zu  fprechen.  Carl  W.  Melcher,  der  dermalige  Befitzer  der  verdienten ­
  Firma  Lechleitner,  hat  eine  aus  feiner  Werkftätte  hervorgegangene  complete
Decoration  im  altdeutfchen  Stile  exponirt,  welche  bis  auf  die  verunglückten
Lambris  fehr  beftechend  war,  und  dem  Haufe  alle  Ehre  macht.  Die  etwas  forglofe
  Placirung  beeinträchtigte  offenbar  den  Erfolg.
Damit  wäre  die  Revue  über  unfere  vaterländifchen  Leiftungen  beendet,  wenn
wir  nicht  noch  eines  im  Verborgenen  blühenden  Veilchens  zu  gedenken  hätten.  Der
von  Herrn  Dr.  Emil  Hardt  im  Hinblick  auf  den  Beruf  Oefterreichs,  den  Handelnd!
dem  Orient  befonders  zu  pflegen,  gegründete  Cercle  orientale  enthielt  auch  mehrere
            
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