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Full text: Tapeten und Buntpapier (Gruppe XI, Section 2), officieller Ausstellungs-Bericht

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Dr. Wilhelm Franz Exner. 
Eine in diefer Vollkommenheit neuen Artikels müffen wir noch gedenken. 
Es find die Leder-, Pergament- und Schieferimitationen von D a w i d o wfky , 
welche die P. A. Krufs’fche Fabrik in Liebenau bei Graz erzeugt. Die Leder- 
Imitationen haben fich befonders als Flut- und Galanterieleder bewährt. Dei 
Erfolg diefes jungen Unternehmens war auf der Ausheilung ein durchfchlagender. 
Die Neuigkeiten von 1867: Kuhlmann’s Kryhallifationspapiere und die 
Alabafterpapiere waren auf der Ausheilung nicht erfchienen, letztere nur hie und 
da noch in einem einzelnen Mutter zu fehen. Sie find offenbar aus der Mode 
gekommen. 
Eine Waare. die mit der Tapeten- und Buntpapier-Induhrie im engften 
Zufammenhange fleht, mag, obwohl bei der Wiener Weltausheilung in Gruppe V 
eingeordnet, hier noch eine flüchtige Befprechung finden. In Gruppe V wird die 
Berichterhattung wohl kaum derfelben gedenken. Es iff das der R o 11 v o r h an g 
(Stores). 
Diefer Artikel, häufig auch von Tapetenfabriken erzeugt, immer aber von 
Tapetenhandlungen geführt, war auf der Wiener Ausheilung ausgiebig nur von 
deut fehen Aushellern zur Schau gehellt. Handwerksmäfsiger Betrieb ohne 
künhlerifche Weihe charakterifirt im Allgemeinen den Artikel und macht es dem 
Holzrouleaux und anderen Surrogaten leicht, ihn zu verdrängen. Ohne Trauer 
werden wir die Stores fchwinden fehen, wenn fie unfer Auge nicht dauernd zu 
erfreuen verhehen. 
Die Phantafie und Feinheit der F r anz o f e n machte fich bei der Wiener 
Ausheilung in diefem Zweige der zeichnenden Künhe nicht befonders auffällig. 
Die erhen Firmen fehlten, zwei Ausheller find indeffen zu erwähnen. A. Lieto 
in Nizza hat unter Anderem eine finnberückende tropifche Landfchaft auf den 
transparenten Stoff gezaubert, die Palmen und die Ueppigkeit der Pflanzennatur 
find ihm herrlich geglückt. A. Bach in Paris hat uns einige Blumenhücke ange- 
boten, die, als wir fie fallen, fchon etwas gebleicht waren. Beide Ausheller malen 
aus freier Hand auf Cambridgehoft. 
Von den d eut fchen Aushellern nimmt Carl Rifchb i e t e r in Deffau 
den erhen Rang ein.* Abgefehen von der gothifchen Glasmalerei, die ein Roll 
Vorhang vorhellt — (welche Abfurdität'.) find fämmtliche Aushellungsobj edle 
gelungen. Charmant ih ein Vorhang mit Deffin im Gefchmacke der Renaiffance 
und jener, welcher in delicaterManier den maurifchen Stil trabliit. Zwei Voihänge 
find naturalihifch behandelt. Trotz meinem Lob möchten wir doch demjüngenftreb- 
famen Fabrikanten empfehlen, feine Zeichner zu ernhen Runhhudien anzuhalten. 
In weit höherem Mafse hätte diefe Bemerkung Schlottmann & Petzke 
in Berlin zu beherzigen. Auch diefes Haus brachte eine Glasmalerei auf Baum 
wollen-Stoff, ein Gnadenbild, noch obendrein darhellend Blumenbouquets, 
unrein und hart ein entfetzlich componirtes allegorifches Tableau, deffen Bedeu 
tung ich nicht enträthfeln konnte, zwei giftgrüne Stores mit „Hundemedaillons“, 
eine zopfige Vafe und wie die fchablonirten und gemalten Vergehen gegen den 
guten Gefchmack alle noch geheifsen haben mögen. 
Die Stores von Ferdinand Achilles & Comp, in Berlin, welcher ein 
ziemlich bedeutendes Gefchäft (etwa halb fo grofs an Umfang wie Rifchbieter’s) 
befriedigten uns ebenfalls nicht, noch weniger jene von S i eb ur g e r und P i e 11 e. 
Ueberblicken wir nun zum Schluffe das ganze Gebiet unferes Berichtes, fo 
kommen wir zu folgenden Conclufionen: 
In der ganzen grofsen Induhrie, welche die Aufgabe hat, die Papierfläche 
decorativ zu verzieren, und diefs mit Ausfchlufs der Litho- und Typographie 
bewerkhelligt, ih kein epochemachender technifcher Fortfehritt feit dem Jahre 1867 
* 1871: 10.000 Dutzend Rouleaux, 100 Arbeiter.
	        
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