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Ignaz Nagel.
Theil des heimifchen Marktes, fondern concurrirt mit Erfolg auf fremdem Gebiete.
Die Fabrik befchäftigt gegenwärtig 24 grofse Couvertmafchinen, 12 kleine Couvert-
Kniffmafchinen und 6 Schneidemafchinen und Preffen. die zufammen ein Quantum
von 200.000 Couverten per Tag liefern. An Confedlionscaffetten werden jährlich
30.000 Stücke erzeugt.
Die Fabricate können, den ausgeflellten Muftern nach zu urtheilen, den
heften der ausländifchen angereiht werden. Die Firma wurde mit der Verdienft-
Medaille ausgezeichnet.
Papierdüten, -Säcke, -Beutel etc. Nicht nur die Papierinduftrie
im Ganzen und Grofsen, auch die einzelnen Papierwaaren-Branchen erweitern
täglich ihr Gebiet. Die Verfertigung von Papierdüten und Kapfeln, Beuteln
und Säcken mit und ohne Etiquetten zur Verfendung von Waarenmuftern
aller Art als : Samen, Getreide, Mehl, Specereien etc. aus Papier, Pergament
papier, Papyrolin etc. bildet jetzt einen eigenen, fehl* ausgedehnten Fabrica-
tionszweig.
Die bereits genannten vereinigten heffifchen Papier- und Papierwaaren-
Fabriken, die mit ihren vier Papierfabriken eine Buchdruckerei, Lithographie und
Präge-Anftalt in Allendorf an der Werra verbinden, erzeugen 2*4 Millionen Düten
etc., % Millionen Kapfeln und 20.000 Stück diverfe Cartonnagen per Woche,
welche Artikel fie, mit gefchmackvollen Etiquetten verfehen, in der gröfsten Man
nigfaltigkeit und den Ansprüchen der Neuzeit entfprechend, herftellen. Behrens
in Hannover, dann Gönn ermann & Ude in Eberftadt, Au bell in Augsburg,
Israel W anfried befaßen fich in hervorragender Weife mit diefem Artikel, der
in grofsen Mengen erzeugt und verfendet wird.
Ah re ns & Comp., Liebenau, find die Erften, welche diefen Gefchäfts-
zweig in Oefterreich gründeten und die die Erzeugung von Papierfäcken (in 30
verfchiedenen Sorten Kapfeln, Beuteln, in grofsem Mafsftabe mit 80 Arbeitern)
betreiben. Die ausgeftellten Objedle find geeignet, die mannigfachften Anfprüche
der Gefchäftswelt zu befriedigen.
Ebenfo lieferte C. Huber in Graz, dann Will n er in Teplitz recht
gefällige und mannigfache Artikel diefer Branche.
Gröfsere Sicherheit als die genannten aus Papier verfertigten Behältniffe
gewähren die von Lemppenau in Stuttgart und N e uft ä d t e r in München, welche
die genannten Objedle aus Papyrolin erzeugen, das wegen feiner Dauerhaftigkeit
fich befonders zu Envelopen für Werthfendungen eignet. Das Material, auch
Papierfhirting genannt , befteht aus einer Vereinigung des Papiers mit einem
feinen lockeren Baumwoll-Gewebe. Die Erfindung flammt aus London, wo Henry
Chapmann 1843 dafür patentirt wurde. Die Verbindung des noch naffen Papiers
mit der Leinwand gefchieht in der Regel auf der Papiermafchine. Das Papyrolin
eignet fich durch feine Haltbarkeit befonders zu Plänen, topographifchen
Arbeiten, Adrefskarten auf Colli etc.
Einen grofsen Fortfehritt auf diefem Gebiete zeigen die Produdle von
Albert Eckftein in Wien aus vegetabilifchem Pergament, aus ungeleimtem Papier
durch Behandlung mit Schwefelfäure entftehend. Diefer von Haine in London
(^53) erfundene und von de la Rue in London verbefferte, auch in Deutfchland
fein* gefchätzte Artikel hat durch Eckftein in Wien eine mannigfache Verwen
dung und Verbefferung gefunden.
Die aus der E ckft e in’fchen Fabrik hervorgehenden Surrogate der thieri-
fchen Blafe find zu Couverts und Envelopes wegen ihrer Widerftandsfähigkeit
gegen Näffe und ihres patentirten Verfchluffes halber befonders geeignet; ebenfo
zum Verfchluffe von Conferven; als Wurfthäute find fie den thierifchen Blafen und
Därmen wegen Fernhaltung des Schimmels bei Weitem vorzuziehen; die aus dem
genannten Stoffe verfertigten Eisfäckchen, ebenfo Perganfep (fchwarze Charpie
fanden feinerzeit grofse Anerkennung.