Schreib-, Zeichen- und Malerrequifiten.
23
In Deutfchland hat fich Brandegger in Ellwangen mit diefem Artikel
einen Namen gemacht ; doch befchränkt fich deffen Fabricat fall nur auf
Wurfldärme.
Ebenfo intereffant als das Eckflein’fche Pergamentpapier ifl das von Krufs
ausgeftellte Papierleder. Blieben auch die den japanefifchenMüllern nachgeahmten
Erzeugniffe ziemlich weit hinter dem Original zurück, und geht auch, namentlich
den zu Hutleder beftimmten Surrogaten jene Weichheit und Gefchmeidigkeit.
namentlich aber jene Porofität ab , die die japanefifchen Produdle vermöge des
geeigneteren weicheren Rohmaterials auszeichnet, und ift auch deren leichte
Zerreifsbarkeit ein grofser Nachtheil für ihre allfeitige Verwendbarkeit, fo Hl das
Streben Krufs’, jenes Produdl hier einzubürgern und zu verbreiten, ein höchft
lobenswerthes zu nennen.
Ebenfo lobenswerth ifl die Bemühung Lerch ’s in Krafsney bei Reichenau,
Papiergarn und Papierbänder in diverfen Proben zur Blumenfabrication und dergl.
herzuftellen, und diefes Fabricat in vorzüglicher Qualität zu verfertigen.
Luxus- und Phantafiepapiere. Nicht zufrieden mit der Rolle, die
die nüchterne Gefchäfts- und Utilitätsinduflrie ihm angewiefen, überfchreitet das
Papier die Grenzen des Alltäglichen, und betritt das Reich des Luxus und der
Phantafie in Geflalt von Blumen und Blättern, von reich verzierten Liebesbriefen,
Karten, Bonbonnieren und Cartons, präfentirt fich als glänzende Etiquette, als
Orden, als Lichtmanfchette, als Fächer und Bouquethalter, als Tellerpapier und Ser
viette, und Taufende von Menfchenhänden find heute in allen civilifirten Ländern
damit befchäftigt, die prachtvollften Blumen und Knospen aus Papier hervorzu-
zaubern, die an Schmelz und Farbe die natürlichen fafl übertreffen, um Spitzen
und Franfen, um Silber- und Goldborden, um Glanz- und Lackpapiere, kurz um
die zahlreichen Luxusartikel aus Papier zu erzeugen, die einer Menge von
gewöhnlichen Dingen zum Schmuck, zur Zierde dienen und die das Auge des
Befchauers erfreuen.
Der Annex des deutfchen Reiches enthielt eine, wenn auch nicht fehr vor
teilhaft arrangirte, doch reiche Sammlung diefer Artikel. Noch vor zwei Decen-
nien war Frankreich und namentlich Marion, Bertout und Nouvelle in Paris
Alleinherrfcher auf dem weiten Gebiete der Luxuspapier-Induflrie.
Dondorf in Frankfurt, Hagelb erg, Schäfer & Scheibe, dann
Hellriegel in Berlin, fowie Meifsner & Buch in Leipzig müffen als die
Schöpfer diefer vielzweigigen und heiklen Induftriebranche in Deutfchland bezeich
net werden. Nur der aufserordentlichen Pflege und Sorgfalt, die fie vom Beginne
dem neuen Produktionszweige zuwandten, ifl deffen Gedeihen, deffen nun
mehrige Ausdehnung zu verdanken. Jeder der genannten Ausfleller repräfentirt
ein eigenes Genre, in dem er Ausgezeichnetes leiflet. So produciren Schäfer &
Scheibe verzierte Briefbogen und Karten, Cotillonorden, Reliefs und Kunfl-
druck-Bilder in reichfler Ausflattung, mit bewundernswerthem Gefchmacke. Hell
riegel erzeugt mit 273 Arbeitern für 200.000 Thaler Luxuspapiere, Gratulations
karten etc. herrlichfler Gattung. Vollmer’s Luxuspapier für Galanterie- und
Confifeurwaaren find reich, mannigfaltig und hübfch ; einen reizenden Anblick aber
gewähren feine eben fo kunfl- als gefchmackvoll gefchnittenen und fein aus-
geflatteten Teller- und Bouquetpapiere, Atlas- und Crepemanfchetten. Meifsner
& Buch in Leipzig (früher Bartfeh & Comp.) find Meifler in lithographifchen,
Buntdruck- und Prägearbeiten für Cartonnagen und dergl. und zählen ihre
ebenfo mannigfaltigen als kunflvoll durchgeführten Erzeugniffe zu den fchönflen
Leiflungen auf diefem Gebiete. Allein die obigen find — wie erwähnt —
nur die Gründer diefes Kunfl - Induflriezweiges , deren Streben nicht nur
Anerkennung, fondern auch Nachahmung fand. Eine der jüngeren Firmen,
Ed. Büttner & Comp, in Berlin, verfertigt Luxusbriefe, Buntdruck-Bilder zu
Cartonnagen, namentlich aber Cotillonorden in fo effektvoller Form und phantafie-