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Full text: Tapeten und Buntpapier (Gruppe XI, Section 2), officieller Ausstellungs-Bericht

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Ignaz Nagel. 
von den beiden letztgenannten Firmen eingeführten Briefpapiere und Couverts 
mit den veffchiedenartigften Figuren, Blumen und Vignetten verziert, die in ele 
ganten Cartons in den Handel gebracht, fich einen weit ausgedehnten Markt 
errungen haben. Diefe Papierconfectionen, die fich durch Originalität und Schön 
heit vor allen anderen derlei Erzeugniffen auf das Vortheilhaftefte auszeichnen, 
werden von der Firma Theyer & Hardtmuth fabriksmäfsig erzeugt, während 
jene der Firma Syre & Neffe, welche mehr für ein kunftfmniges Publicum 
berechnet find, der höheren Preisanlage wegen einen exclufiveren Abnehmerkreis 
haben. Wir müffen bemerken, dafs die Papierconfedtionen der Firma Theyer & 
Hardt muth grofsentheils lithographifch ausgeftattet find, während die Papier- 
confedtionen von Syre & Neffe aus deren Kunftpräge-Anflalt hervorgingen. 
Stahlfedern. So klein und unfeheinbar die Stahlfeder an und für fich 
ift, fo wichtig ift die Rolle, die fie als Schreibmaterial und als Handelsartikel 
fpielt. Enorm find die Quantitäten, welche jährlich in Birmingham von diefem 
Artikel erzeugt werden, enorm die Summen, welche für das Erzeugnifs nach 
England fliefsen. Nur über wenige Verbrauchsartikel herrfchen fo verfchiedene 
und irrige Meinungen im Publicum, als über diefes Schreibinftrument. Wir erach 
ten es daher als nicht überflüflig, in einem Berichte über Schreibmaterialien diefe 
Anfichten zu berichtigen und die beftehenden Irrthümer anfzuklären. 
Das Haupt-Rohmaterial, aus welchem Federn fabricirt werden, bildet 
der Stahl. Diefer Stahl muls von der feinften Sorte und durchaus gleichmäfsig im 
Korn fein, und es ift und bleibt Stahl das Hauptmetall, aus dem Federn verfertigt 
werden, indem kein anderes Metall und keine Metall-Legierung eine folche Ela; 
fticität und Dauerhaftigkeit befitzt, wie der Stahl. Die fogenannten Gutta-Percha-, 
Cement-, Aluminium-, Kupferfedern, und wie fie fonft alle heifsen mögen, find nicht 
aus Gutta-Percha, Aluminium, Kupfer etc. gemacht, fondern aus Stahl, was auch 
immer die Ankündigungen fagen mögen. Der zur Federnfabrication zu verwen 
dende Stahl wird in Blechform gewalzt und ift es dabei von der gröfsten Wichtig 
keit, dafs die Walzen, die in ihrer Arbeit begreiflicher Weife bei einem Metalle 
wie Stahl einen koloffalen Widerftand finden, genau und feft auf einander laufen, 
und auch nicht ein Jota abweichen, denn ein Unterfchied in der Stahlblech-Dicke 
von auch nur 2 bis 3 Percent ift genügend, um eine Feder merklich härter oder 
weicher zu machen. Welche Aufmerkfamkeit diefe Arbeit des Walzens erfordert, 
mag dieThatfache erklären, dafs eine Stahlfedern-Blechdicke durchfchnittlich den 
hundertften Theil eines Zolles beträgt, und dafs alfo 2 bis 3 ja felbft 40 und noch 
mehr Percente in einer Blechdicke einen winzigen, mit dem blofsen Auge nicht 
mehr wahrnehmbaren, aber bei der Feder doch wichtigen Unterfchied machen. 
Je ftärker das Blech, defto dauerhafter die Feder, das heifst defto länger behält 
der Stahl feine Federkraft, defto länger widerfteht die Feder den äufseren, fchäd- 
lichen Einflüffen; aber je ftärker das Stahlblech, defto ftärker nützen fich die zur 
Fabrication nöthigen Werkzeuge aus, denn vStahl mufs Stahl verarbeiten. Fabri 
kanten dünner und fleh fchnell abnützender Federn erfparen fomit an Menge des 
Stahlbleches, fowie an Erneuerung und Reparatur ihrer Werkzeuge, was bei den 
Herftellungskoften fchwer ins Gewicht fällt und auch grofsentheils den dem Laien 
oft unbegreiflichen Preisunterfchied bei fertigen Federn verfchiedener Fabrication 
erklärt. 
Ift der Stahl gewalzt und das Blech genau für die anzufertigende Feder 
paffend ausgefucht, fo wird zunächft mittelfl einer Mafchine die Form der Feder 
in flachen Blättchen ausgefchlagen; eine ziemlich einfache Arbeit, die aber doch 
grofse Aufmerkfamkeit und Gewiffenhaftigkeit erfordert, indem die in der Mafchine 
arbeitenden Werkzeuge ftets haarfcharf gefchliffen erhalten werden müffen (was 
oft in der Stunde mehrere Mal Nachhilfe erheifchen kann), indem fonft der wich- 
tigfle Theil der Feder, die Spitze, fehr leicht leidet. Die Feder ftellt bis jetzt nur 
ein ganz einfaches Stahlplättchen vor, welches nun als zweiten Procefs in anderen
	        
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