BUCHBINDEREI, CARTONNAGEN
UND
MASCHINEN FÜR BUCHBINDER.
(Gruppe XI, Section 4.)
Bericht von
Conrad Berg,
Verlags-Buchhändler und Buchbinder in IVien.
Seit die bildungsfähigen Völker des Erdballs die künftlichen Mittel erfonnen
hatten, den flüchtigen Gedanken durch die Schrift feflzubannen, fpielt das Buch
eine fo hochwichtige als fegensvolle Rolle auf Erden. Die Form des Buches aber
hat manche Wandlungen erlebt, ehe der Geilt der Zeiten felbes des oft fo edlen
Inhaltes würdig fleh entfalten lehrte. Vom mit Keilfchrift bedeckten Obeliske,
dem Runenftabe, der Papyrusrolle, den mit Wachs überzogenen und mit Griffel
befchriebenen Tabletten der Alten bis zu dem im prachtvollften Einbande
prangenden Album, welches den Toilettetifch einer Salondame der Neuzeit
fchmückt, blieb der Begriff des Wortes Buch fleh gleich, nur die Form hat fleh
verändert.
Das Buch ift der raftlos wandernde Bote, der aus dem unerfchöpflichen
Füllhorn des menfchlichen Geiftes ftets neue, unfehätzbare Gaben der dankbaren
Menfchheit überbringt und eine Bibliothek von Meifterwerken ift theils eine
Apotheke für heilbedürftige Seelen, theils ein Arfenal des Geiftes zu nennen, in
.welchem deffen Siegestrophäen und unbeflegbare Waffen aufgefpeichert find.
Wie wichtig fchon unfere Vorfahren in altersgrauen Zeiten den Werth
diefer Geiftesfchätze erkannten, beweift die Sorgfalt, womit die erften Bücher-
fchreiber, meift hochgelehrte Mönche, ihre theils felbft verfafsten Werke, theils
die von fremden Autoren ins Lateinifche oder Deutfche übertragenen Werke
niederfchrieben und mit finnigen, nicht feiten mit meifterhaft gezeichneten und
gemalten Vignetten und Initialen auszufchmücken wufsten; noch mehr aber
der complete, meift mit Spangen von Eifen oder Kupfer verfehene Pergament
einband, der Jahrhunderten trotzte und noch heute den echten Bibliophilen
wahre Hochgenüße bereitet.
Damals freilich war ein folch’ riefiges Buch, welchem vielleicht mehrere
fleifsige Mönche den gröbsten Theil ihrer Mufseftunden oft lebenslange geopfert
hatten, ein Unicum und wohl w r erth, vor dem nagenden Zahn der Zeit, den Motten
und anderen Bücherfeinden möglichft befchützt zu werden
Wir glücklichen Kinder der Neuzeit find folcher fchwerer Sorge für die
Bücher, unfere geiftigen Schätze, längft überhoben. Die Schnellpreffe liefert ein