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Full text: Militär-Sanität und freiwillige Hilfe im Kriege (Gruppe XVI, Section 3), officieller Ausstellungs-Bericht

Militarfanität und freiwillige Hilfe im Kriege. 
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Beide Wagen find nach Angabe Mundy’s für Suspenfion eingerichtet und 
befitzen demnach keine eigenen Tragbahren. In dem erfteren Wagen kann man 6 Lie 
gende unterbringen, und zwar in drei Reihen, je 2 übereinander fuspendirt. Die 
Suspenfion wird mittelft kurzer und fefter Lederriemen vermittelt, welche die 
üTragftangen je einer Tragbahre aufzunehmen beftimmt find, demnach 24 an Zahl. 
Je fechs werden in gleichen Diftanzen von zwei feften, umklappbaren Eifenftangen 
getragen, welche in derVor- undRückfeite des Wageninneren fenkrecht und genau 
in der Mitte des Wagenkaftens vom Dache bis zum Boden reichen, die anderen 
Riemen lind an den Aufsenpfeilern der vier Dachftützen angebracht. Da die Riemen 
kurz find, wird die aufgehängte Bahre auch ftramm gehalten und find hiedurch alle 
ausgiebigeren feitlichen Schwankungen und jedes Anftofsen der Bahren an die Seiten 
wände hintangehalten. Man liegt auf den Bahren ganz vorzüglich, wie ich michfelbft 
bei öfteren Fahrverfuchen über einen fteilen und holperigen Weg zu überzeugen 
Gelegenheit fand. Das Coupe desWagens bildet eine ununterbrochene Fortfetzung 
des Wagenkaftens. Es enthält einen umklappbaren oder, beffer gefagt, nach vorne 
zu umlegbaren Sitz für den Kutfcher und zwei Leichtbleffirte. Diefe Einrichtung 
hat den Vortheil, das Wageninnere von vorne her zugänglich zu machen und das 
Aufheben derBahren behufs Suspenfion zu erleichtern. Das Beladen erfolgt auf die 
Weife, dafs man zuerft die beladenen Bahren von rückwärts auf den Boden des 
Wagenkaftens hineinhebt und fodann zuerft die oberften zunächft dem Wagendache 
in die entfprechenden Riemen aufhängt; hierauf kommen die mittleren und zuletzt 
die unterften. Das Abladen erfolgt natürlich in umgekehrter Ordnung. Zwei kleine 
Blechkaften mit Glas belegt, rechts und links vom Coupe, enthalten die Labe- 
flüffigkeiten, die durch eine Pipette ausfliefsen. Der Verfchlufs des Wagenkaftens 
nach rückwärts wird durch einen fchweren Klappdeckel vermittelt, welcher an der 
Innenfeite die Trittftufen trägt. 
An jeder Längsfeite find breite und lange Tritte angebracht, welche fowohl 
das Beladen erleichtern als auch eine Hilfeleiftung während des Fahrens möglich 
machen; eine dem Wagendache entfprechende Gallerie fammt Decke vervollftän- 
digen die Einrichtung. 
Im Innern find noch an jeder Längswand Heilbare Sitze angebracht, welche 
die Umwandlung desWagens zu einem Omnibuffe jederzeit geftatten, ja man kann 
den Wagen auch nach Belieben halb für Liegende und halb für Sitzende ein 
richten ; es liegen dann3 Verwundete übereinander in der einen Hälfte desWagens, 
während 4 in der anderen Hälfte auf der aufgeftellten gepolfterten Sitzbank Platz 
nehmen können. 
Diefer Wagen ift wohl etwas fchwer, er wiegt nämlich 17 Centner, dafiir 
befitzt er aber, dank der hohen Hinterräder und der Kürze des Unterbaues, eine 
ganz vorzügliche Traclion. Die Vorderräder find allerdings etwas nieder, allein 
diefs erleichtert das Ein- und Ausladen und erhöht auch die Sicherheit vor dem 
Umwerfen. Aber auch diefer Nachtheil läfst fich befeitigen. Herr Kellner hat diefs 
bewiefen dadurch, dafs er in letzter Zeit im Aufträge des cleutfchen Ritterordens 
einen Wagen baute, der, obgleich die Conftrucftion faft bis ins kleinfte Detail die- 
felbe blieb, dennoch nur 13 Centner wiegt. Er erzielte diefe Gewichtsverminderung 
durch Weglaffen der Gallerie, durch eine entfprechende Schwächung der Holz- 
und Eifenbeftandtheile und fchliefslich durch eine Gewichtsverringerung des hin 
teren Klappdeckels. Diefer letztgedachte Wagen hat alle Fahrproben fiegreich 
überftanden und baut jetzt der deutfche Ritterorden 180 Stück davon, die er im 
Falle eines Krieges der öfterreichifchen Armee als Refervemateriale zur Verfügung 
fteilen' wird. 
Der zweitgenannte Wagen kann nur 4 Liegende oder 8 Sitzende im Inneren 
aufnehmen. Er befitzt ein Coupe mit fixem Kutfchfitze und ift im Uebrigen, dem 
Aeufseren nach, dem gefchilderten gleich gebaut. Nur trägt er eine Erfindung von 
Kellner, beftehend in einer Aufzugswinde (treuil) nach dem Syfteme der 
Transmiffion durch Zahnräder. Vier fenkrechte Eifenftangen find entfprechend den 
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