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Full text : Militär-Sanität und freiwillige Hilfe im Kriege (Gruppe XVI, Section 3), officieller Ausstellungs-Bericht

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Dr.  Mofetig  von  Moorhof.

Wer  je  Gelegenheit  hatte,  eine  längereStrecke  in  einem  gewöhnlichen
Güterwagen  zu  fahren,  der  wird  zugeben  muffen,  dafs  der  Aufenthalt  für  Verwundete ­
  ,  dortfelbft  wenn  fie  auf  dem  Boden  liegen,  durch  die  fortwährende  Erfchütterung
  ganz  unerträglich  ift,  und  gerade  die  Schwerverwundeten  trifft  diefes  harte
Loos  ,  denn  die  Leichtverwundeten  und  die  Sitzenkönnenden  benützen  ja  die
Perfonenwagen.
Nicht  als  ob  ein  eigens  nur  zum  Bleffirtentransporte  gebautes  Materiale,
etwa  gleich  den  Bleffirtenwagen  oder  den  Tragbahren  gebaut  werden  müfste'
denn  welche  Eifenbahn-Gefellfchaft  oder  welcher  Staat  könnte  und  möchte  die
enormen  Koften  tragen,  um  ein  todtes  Capital  zu  befitzen,  welches  nicht  nur
keine  Zinfen  trägt,  fondern  welches  auch  vielleicht,  ohne  je  gedient  zu  haben,  zu
Grunde  geht.  Es  mufs  beftehendes  thätiges  Wagenmateriale  benützt  werden,  nur
mufs  es  zum  Bleffirtentransporte  eigens  eingerichtet  Werden,  und  von  Haus  aus  fo
befchaffen  fein,  dafs  es  fielt  zum  Zwecke  eigne.  Und  diefs  ift  wohl  nicht  fchwer  zu
erreichen,  denn  der  Wagenpark  jeder  Eifenbahn  confumirt  fielt  ja  fortwährend  und
mufs  durch  neues  erfetzt  werden  ;  beim  neuzuerbauenden  könnte  und  müfste  aber  auf
diefe  Eventualität  Rückficht  genommen  werden,  ohne  dafs  die  Brauchbarkeit  finden ­
  gewöhnlichen  Betrieb  darunter  leide  oder  befondere  Koften  hiefür  erwachfen.
Es  wäre  wahrlich  an  der  Zeit,  dafs  fämmtliche  Eifenbahn-Gefellfchaften,  wefs
Namens  und  Landes  fie  auch  fein  mögen,  mit  diefem  Gedanken  fich  vertraut
machen  würden,  und  bei  Zeiten  für  etwaige  Kriegsereigniffe  fielt  vorbereiten
möchten,  indem  bei  der  jetzigen  politifchen  Lage  der  Dinge  kein  Staat  der  Welt  die
Möglichkeit  deren  Eintreffens  weder  vorausfehen  noch  leugnen  kann.
Wie  oben  erwähnt,  gebührt  Amerika  das  Verdienft,  int  letzten  Kriege
zwifchen  den  Nord-  und  den  Südftaaten  1863  zuerft  gezeigt  zu  haben,  dafs  und
wie  man  das  beftehende  Materiale  zu  einem  zweckentfprechenden  Bleffirtentransporte ­
  im  Grofsen  herrichten  müffe  und  zwar  durch  Dr.  Harris  in  New-York
mentbre  of  the  sanitary  commiffion.  Preufsen  folgte  dem  Beifpiele  und  der  Direftor
der  grofsen  Eifenbahn-Fabrik  in  Berlin  Herr  Unruh  begann  auf  Anregung  der
ProfefforenEsmarch  und  Virchow  die  neuzuerbauenden  Wagen  IV.  Claffe  fo
einzurichten,  dafs  fie  int  Kriege  als  Hofpitalwagen  fungiren  könnten  und  war  es
auch  Virchow,  der  int  deutfch-franzöfifchen  Kriege  1870  zuerft  mit  einem
geordneten  Hofpitalzuge  von  Berlin  zum  Kriegsfchauplatze  fuhr,  dann  erft  folgten
Baiern,  Baden  und  Württemberg  dem  fchönen  Beifpiele.
In  Frankreich  hat  der  um  das  Militär-Sanitätswefen  fo  vielverdiente  Profeffor
M  u  n  d  y  fich  der  Sache  angenommen,  und  mit  Beihilfe  des  Diredlors  einer  grofsen
franzöfifchenEifenbahnwaggon-Fabrik  Herrn  Carl  Bonnefond  und  des & Eifenbahningenieurs
  L  e  o  11  das  Modell  eines  Eifenbahn-Materiales  geliefert,  welches
nicht  nur  allen  Anforderungen  entfpricht,  indem  es  ebenfo  im  Frieden  zum
gewöhnlichen  Betriebe  als  auch  im  Kriege  zum  Verwundetentransporte  zu  dienen
vermag,  fondern  auch  das  Vollkommenfte  und  Vorzüglichfte  darftellt,  was  bis  nun
in  diefem  Fache  geleiftet  worden  ift.
Man  wende  nicht  ein,  dafs  die  eigens  hergerichteten  Lazarethzüge  nicht
zum  Schlachtfelde  fahren  könnten,  -da  alle  Geleife  dahin  mit  Truppentransports,
Proviant-,  Munitions-  und  anderen  Zügen  verlegt  wären  und  dafs  daher  die  erften
bellen  eben  dort  befindlichen,  eben  geleerten  und  gar  nicht  ad  hoc  hergerichteten
Wagen,  welcher  Gattung  immer  zur  Evacuation  des  Schlachtfeldes  verwendet
werden  müden,  es  wäre  diefs  die  gleiche  unlogifche  und  müßige  Einwendung,  der
ich  fchon  im  Capitel  über  Bleffirtenwagen  entgegengetreten  bin.  Gleich  wie  auf
den  landesüblichen  Wagen  werden  in  künftigen  Zeiten  auch  noch  viele  Bleffirte
gleich  Waarenballen  in  dumpfigen  und  fchmutzigen  Güterwagen,  die  vielleicht
früher  Pferden  und  Schlachtthierengedient  hatten,  auf  Stroh  gelagert,  ohne  Verband, ­
  hungernd  und  durftend,  halbgefroren  oder  bratend,  ohne  entfprechende
Zufuhr  von  Licht  und  Luft  fortgefchleppt  werden;  wurden  ja  von  Paris  aus  bis  tiet
in  den  deutfehen  Norden  zur  Winterszeit  Verwundete  auf  offenen  Karren  gefahren
            
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