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Dr. Mofetigzon Moorhof.
Bleffirte fehr unvortheilhafter Luftzug und werden auch diefe durch die eindrin
genden Staub- und Kohlentheile verunreinigt und moleftirt; einfeitiges Oeffnen
der Fender hat aber, was Kohlendaub und Zug anbeiangt, denfelben Nachtheil,
da fich ja Luftzug beim jedesmaligen Oeffnen einer Thür einftellt.
Wir müden demnach logifcher Weife auch die Fender der Perfonenwagen
für ungenügende Einrichtungen erklären und andere den Zwecken beffer entfpre-
chende fordern.
Auch hierin kann uns Amerika als Lehrerin dienen. In Amerika haben
nämlich fämmtliche Perfonenwagen nebd den Fendern, welche fchon des Lichtes
und der Ausficht halber nothwendig find, Dachreiter, mit kleinen von der
Seite zu ödnenden Fenderchen, die ein Zudrömen der Luft von oben her und
ein leichtes Ausdrömen der nächd dem Plafond fich anfammelnden ver
brauchten und erwärmten Luftfchichten ermöglichen, wodurch für eine dete
Erneuerung der Luft geforgt wird. Es werden alfo in Amerika die Perfonenwagen
nach denlelben phyfikalifchen Gefetzen ventilirt, die überhaupt bei jeder Venti
lation drenge Berückfichtigung verlangen. Das Eindringen von Kohlendaub wird
durch dichte Gitter oder Jaloufienfender, oder dadurch verhindert, dafs man die
Luft vor dem Eindrömen durch Waffer dreichen läfst. Die auch im gewöhnlichen
Verkehre fo überaus erwünfchte Ventilation durch Dachreiter oder Laternen
follte man bei allen neu zu bauenden Perfonenwagen einführen. Kann aber eine
gleiche Vorrichtung auch für Güterwagen empfohlen werden? Diefe Frage id
fchon vielfach discutirt und Vieles pro et contra angeführt worden.
Der Vortheil id felbdverdändlich, als Nachtheile wären folgende auf-
zudellen:
Der Dachreiter mit Ventilationsvorrichtung könnte im gewöhnlichen
Betriebe nicht nur unnöthig, fondern auch dadurch diredt fchädlich werden, dafs
möglicherweife die Fender nicht gut verfchloffen werden, oder zufälligerweife
eine Scheibe brechen könnte, wodurch die Wagenladung bei Regenwetter der
Durchnäffung und eventuellen Befchädigung preisgegebea wäre. Dagegen id ein
zuwenden, dafs man in Friedenszeiten die Fenderchen an der Laterne, da fie
ohnedem unnütz find, dauernd verfchliefsen könnte, und die Scheiben durch
Gitter derart von aufsen her gefchützt werden könnten, dafs ein Zerbrechen,
aufser bei Unglücksfällen, nicht gut möglich wäre. Von innen her könnte man
aber wohl im gewöhnlichen Verkehre die ganze Bads des Dachreiters, die fich
gegen das Wageninnere öffnet, durch ein fedes Eifengitter abfperren. Aber auch
ohne dem dürfte wohl feiten eine Scheibe brechen, denn beim brutalen Hinein
werfen der Colli id die Richtung ihrer kurzen Flugbahn doch nie gegen das
Dach des Wagens gerichtet. Weiters könnte eine jedesmalige Befichtigung des
Waggons vor der Benützung das eventuelle Zerbrochenfein einer Scheibe ent
decken und leicht Abhilfe fchaffen.
Die Finanzbehörde, fagt man weiter, würde gegen die Benützung folcher
Wagen Einfprache erheben, in der Beforgnifs durch die Fenderchen der Laterne
könnte gefchmuggelt werden. Diefe Beforgnifs id wohl nicht fehr begründet, denn
die Fenderchen find fehr klein und fchmal und laffen fich nur von innen öffnen, ein
gewaltfames Einfchlagen derfelben hindert aber die Gittervorrichtung. Da jedoch
die eventuellen Einwendungen der Finanzbehörde jedenfalls angenommen werden
müfsten, könnte dem fo abgeholfen werden, dafs man die Güterwagen mit Dach
laternen nur für den Binnenverkehr benützt, wogegen für das Ausland —. und nur
in diefem Falle hat die Finanzbehörde zu interveniren — die gewöhnlichen
Güterwagen ohne Ventilationsvorrichtungen in Verwendung kommen. Der
Gedanke, die Laternen amovibel zu machen, um diefe nur bei Bedarf aufftellen
zu können, fcheitert an den technifchen Schwierigkeiten und dem Koftenpunkte.
Es fällt ja gar Niemanden ein, diefe Einrichtung für alle neu zu bauenden Frachten
wagen zu empfehlen, es genügt vollkommen, wenn man nur einen kleinen
Bruchtheil des jährlichen Wagencontingentes damit ausrüflet.