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Dr. Mofetig von Moorhof.
werden dadurch abgehalten und unnöthige BlutverluHe des häufigHen vermieden.
Das mit Carbolfalbe beftrichene LintHückchen diredl auf die Wunde gelegt, hält
Staub und jede andere Unreinlichkeit ab, und was befonders hervorgehoben zu
werden verdient, es paralifirt den auf den fpäteren Wundverlauf fo nachtheiligen
Einflufs der fo argen, wenn auch mikrofkopifch kleinen Feinde unferes Organis
mus, dieUrfachen jederFäulnifs, Pafteur’s Aerobien. Die antifeptifche Carbol-
fäure verhindert aber auch die chemifche Zerfetzung der fetten Salbe. Wenn die
Päckchen noch fo lange vor der Anwendung vorbereitet wurden, wenn der Soldat
dasfelbe noch fo lange der Sonnenhitze auszufetzen gezwungen war, die Salbe
bleibt Hets brauchbar und gut, fie wird nie ranzig. Alfo auch in diefer Be
ziehung mufs das Carbolcerat jeder anderen Fettmifchung vorgezogen werden.
Die Wattecharpie, welche über das Stückchen Lint gelegt wird, gibt einen
kleinen elaftifchen Polfter ab, welcher den Druck des Verbandes auf die Wunde
vermöge feiner Elafbicität verringert und zur Sicherung des Lintflückchens in
feiner Lage beiträgt. Das gefirnifste Seidenpapier der Umhüllung endlich über
das Ganze gelegt vervollHändigt den Luftabfchlufs, während das dreieckige
Tuch den Verband fixirt und completirt. Es erfetzt demnach in diefem, Falle
kravatenförmig zufammengelegt die Rollbinden und ift viel leichter und
fchneller anzuwenden als letztere. Allein das dreieckige Tuch kann auch zu
anderen Verbänden verwendet werden, wofür die Binden nicht ausreichen, fo
beifpielsweife zur vollftändigen Einhüllung des Kopfes, des Fufses, der
Hand, zur Stütze für den zerfchoffenen Arm, felbft als Knebeltourniquet bei
arteriellen Blutungen etc., kurz wir können wohl mit dem alten und erfahrenen
Schweizer Chirurgen Major das dreieckige Tuch als Univerfalbandage
bezeichnen.
Esmarch hat nun fchon im Jahre 1868 ein dreieckiges Tuch aus Baum-
woll-Stoff erzeugen laffen, worauf bildlich alle verfchiedenen Applicationsweifen
desfelben dargeflellt waren, mit dem wohlgemeinten Rathe, es in allen Armeen
einzuführen und jeden Soldaten damit auszurüften, der dann fchon im Frieden
theils durch Belichtigung der Zeichnungen, und theils durch praktifche Demon-
Hrationen und Uebungen in die Lage verfetzt werden follte, im Nothfalle felbH-
ftändig einen proviforifchen Verband anlegen zu können. Es Hellte, wie bekannt,
diefes Tuch ein gleichfchenkliges Dreieck vor, von 120 Centimeter Bafis und 60
Centimeter Höhe, worauf an vielen prachtvollen Figuren, die ein Gefammtbild mit
Hintergrund darflellen, in 34 Nummern alle nur denkbaren Anwendungsweifen des
Tuches dargeflellt waren. Wer erinnert fich nicht des niedlichen kleinen Büch
leins, welches, von Esmarch verfafst, alles Wiffenswerthe über die Anwendung
des dreieckigen Tuches darflellte, und flatt einer Tafel letzteres in natura beigelegt
enthielt. Es erlebte ja zwei Auflagen, wurde von V e r n u e i 1 ins Franzöfifche
überfetzt und bahnte fleh überall den Weg, wo überhaupt Sinn für Verwundeten -
] flege herrfcht. Der Einführung diefes Buches in den Armeen Hellten fleh jedoch
Bedenken entgegen, und die Militärverwaltungen flräubten fleh dagegen unter
Anderem mit der fonderbaren Behauptung, man dürfe einem Soldaten, der in den
Krieg geht, nicht ein folches Bild mitgeben, auf welchem die Schrecken des
Schlachtfeldes dargeHellt feien; diefs könne die Leute muthlos machen!'. Das
eigentliche, jedenfalls plauflblere Motiv der Ablehnung war jedoch ein anderes:
der hohe KoHenpreis. Es war nämlich dazumal nicht möglich, das Tuch
allein unter heben Silbergrofchen zu produciren. Das ganze Packet hätte dem
nach per Stück acht Silbergrofchen gekoHet. Diefs war allerdings ein gewich
tiger, ein Hauptgrund gegen deffen allgemeine Einführung in den Armeen, und
daran fcheiterten auch die Unterhandlungen, welche das ungarifche Landesver
theidigungs-Miniflerium mit der Schwers’fchen Buchhandlung in Kiel — damaliger
Producent — im Jahre 1870 eingeleitet hatte.
Diefen beiden UebelHänden hat nun Esmarch Rechnung getragen, und
in letzter Zeit das neue Tuch fabriciren laffen, welches eben im Pavillon zu fehen