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J. F. Radinger.
vor Einbau des Apparates eine höhere als diefe Wärme abgezogen fein, wo dann
allerdings der Economifer als Kohlenfparer wirkt.
Die Detaillöfungen diefer Apparate find höchft vollendet.
Der Green’fche Economifer ift der weiteftverbreitete. Seine Rohre find
oben und unten mit conifchen Enden in die Gufsmuffen der Hauptrohre ein
gerieben und mit fechsfachem Normaldruck mit hydraulifchen Preffen eingedrückt.
In der Flucht der Rohre oben find eingefchliffene Deckel angebracht, und eine
eigene Bohrmafchine beforgt das zeitweilig nothwendig werdende Ausbohren von
gleichzeitig acht Rohren vom Keffelftein. Die Rufsfchaber, welche durch eine
Transmiffion aufsen das Rohr auf- und niederfahren, find zweitheilig und das ein
wärts hängende Eigengewicht drückt ihre verftählten Schneiden gegen das Rohr.
In Paris 1867 waren fie noch eintheilig. Die Transmiffion felbft erfchien einfacher
als die frühere.
Ein anderer war T w i b i 1 l’s Economifer, ähnlich dem Green’fchen Apparat
hatte er aber fchraubenförmige Schneiden ftatt in der Ebene liegende. Seine Rohre
waren oben mit Flanfchen verfehen und verfchraubt, ftatt des conifch eingerie
benen Verfchluffes von Green.
Bell’s Economifer fcheint mehr ein Giefserei-Kunftftück als ein Dauer
apparat. Es find weite gegoffene Schraubenrohre, das heifst Rohre von circa 10 Centi-
meter Durchmeffer, welche nicht gerade find, fondern nach einer Schraubenlinie
mit 8 bis 10 Windungen gebogen erfcheinen und an welchen fich der Kratzer,
den eine centrale Umfteuerwelle mitnimmt, von felber führt. Solch ein Schrauben
rohr ift natürlich nicht in Einem, fondern in Stücken von je einer Halbwindung
mit beiderfeits engeren Anfätzen vorgegoffen, welch letztere dann durch über-
goffenes Eifen verfchweifst find. Eine innere Reinigung ift dabei nicht möglich,
wohl aber die Verbindung mit den aufgegoffenen Muffen unlösbar dicht.
Die franzöfifchen Keffel.
h rankreich hielt fich von der Mafchinenausftellung ziemlich fern. Seine
gröfsten Firmen (Cail &Derosne, Farcot & Söhne, Gouin & Comp., Flaud, de
Coster^ u. A.) waren gar nicht vertreten, und fo kann felbftverftändlich aus
dem Wenigen, was man fand, kein Schlufs über die Gefammtanfchauungen diefes
regen Landes auf diefem Felde neu gezogen werden.
Im Allgemeinen ift es bekannt, dafs dort fall ausfchliefslich Bouilleur- und
Röhrenkeffel verwendet werden; dafs man mit den Spannungen höher geht, als es
in England für Stabilkeffel normal ift, ohne aber an die Extreme zu langen, und
dafs die (fonft aber tüchtigen) franzöfifchen Conftrudtionen in der Regel nicht den
allereinfachften Weg nehmen, fondern es lieben, ftets etwas Neues zu zeigen, was
fich insbefonders an den minder wefentlichen Details entfaltet und immer geift-
reich, aber häufig als gefucht erfcheint.
Obgleich auch in Frankreich kein Zwang mehr befteht, welcher die Blech
dicken regelt, fo fcheint man an dem vergangener. Gefetze noch heute freiwillig
feftzuhalten, während man überall anders defifen Fall als Erleichterung anfah und
benützt.
Die Ausführung ift faft ausnahmslos tadellos, wie es z. B. die häufige Ver
wendung von völlig dichthaltenden Dampfhähnen (ftatt der Ventile) felbft bis zu
den gröfsten Durchmeffern (10 Centimeter und mehr) kennzeichnet. An Bronce
wird weniger gefpart als bei uns, und auf blanke Flächen mehr gefeiten als
irgend anderswo.
Unterftützt wird die Keffelfabrication durch die Nähe und Einrichtungen
der grofsartigen Eifenwerke in Frankreich felbft und dem nahen Belgien.
St. Etienne z. B. ftellte hier Keffelbleche aus, welche die gröfsten bis heute
erreichten Dimenfionen haben durften :