Der Dingl er-Hochdruckkeffel
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Hälfte es (fammt dem Rücken des Unterkeffels) beftrich, zog an dem Dampfraume
des Oberkeffels nochmals nach vorne, um endlich durch den Vorwärmer-Röhren-
Canal zum Schornftein zu gelangen. Dabei ward der Zug nirgends nach abwärts
geführt, denn auch die letzte Verbindung zwifchen Keffel und Schlott fand durch
ein horizontales Eifenrohr flatt.
Der weitere logifche Gedankengang, nach welchem lieh auch anderfeits
die Dimenfionen diefes Keffels gaben und auseinander entwickelten, war
folgender :
Mehr als 15 Millimeter dicke Bleche find für geheizte Keffelwandungen
nicht mehr zuläffig, weil fich folche bei der Herflellung und dem Betriebe unficher
verhalten.
Der Unterkeffel vorliegender Conflrudfion und für 10 Atmofphären Druck
konnte defshalb nur einen Durchmeffer von höchftens 100 Meter bekommen
(was $ =12 Dp + 3 entfpricht). Diefer Durchmeffer bedingte den Durchmeffer
der Feuerbüchfe von 070 Meter im Lichten, da man doch 15 Centimeter Abftand
für das zweifeitig geheizte ftrömende Waffer und die enthaltenen Dampfblafen
etc. zwifchen den beiden Wandungen laffen mufste.
In der Stirnwand diefer Feuerbüchfe liefsen fich nicht mehr als 31 Feuer
röhren von 3 Zoll englifch Durchmeffer (76 Millimeter äufserem, 70 Millimeter
innerem, 38 Quadratcentimeter lichtem Querfchnitt) unterbringen. Die Gefammt-
öffnung diefer Rohre bildete den Zug-Querfchnitt 31 X 38 48 = 1192 Quadratcenti
meter. *
Diefer Zug-Querfchnitt befchränkt die zuläffige Rofl-Oberfläche auf
9 X 1192 = 10.728 Quadratcentimeter oder rund 1 Quadratmeter, wobei fchon ein
ungewöhnlich gut ziehender Kamin vorausgefetzt werden mufs. **
Der Roft durfte alfo bei o 7 Meter Breite nicht mehr als 1*4 Meter Länge
erhalten.
Wollte man den Roft länger, alfo die Roflfläche gröfser nehmen, fo wäre
bei dem geringen Röhren Querfchnitte ohne künfllichen Zug keine richtige Ver
brennung mehr zu erzielen geweftn. Ein Roft aber von den obigen Dimenfionen
fchien fehr überfichtlich und gut zu bedienen, während er doch fchon eine recht
intenfive und vollftändige Verbrennung erhoffen liefs.
Da bei der Steinkohlen-Feuerung eine Vergröfserung der Heizfläche über
das 25fache der Roftgröfse hinaus erfahrungsgemäfs nur mehr wenig Einzeln- aber
gar keine ökonomifchen Vortheile mehr im Ganzen bietet, fo wurde die unter
Waffer flehende Heizfläche diefes Keffels auf 25 Quadratmeter begrenzt und
darnach alle übrigen Dimenfionen beflimmt.
So erhielt denn der Unterkeffel eine Länge von 3 48 Meter, von welchen
125 Meter (nutzbar) auf die Röhren entfielen. Der Oberkeffel follte aus etwas
dünnerem Blech angefertigt werden und bekam 0 86 Meter Durchmeffer bei 3-62
Meter Länge; er wurde, wie bereits erwähnt, mittelfl zwei Verbindungsftutzen,
* Chevalier & Grenier in Lyon, welche ähnliche Keffel bauen, helfen fich
dennoch bedeutend dadurch, dafs fie die gleichfalls 70 Centimeter weiten Feuerbüchfen hinten
kurz wulftförmig auf 82 Centimeter Durchmeffer austreiben, wodurch 34 Rohre ä 82 Milli
meter lichter Weite untergebracht werden können, und ein Röhren-Querfchnitt von rund 1800
Quadratcentimeter ftatt wie an Dingler’s gleicher Feuerbüchfe von rund 1200 Quadratcenti
meter gewonnen wird.
Solche Keffel von Chevalier flehen noch gegenwärtig in ziemlicher Anzahl au
den Baggerfchiffen der Donauregulirungs - Unternehmung bei Wien, und das Detail hält
tadellos. Dabei ift die Feuerbüchfe excentrifch im Aufsenkeffel (von ri Meter Durch
meffer) und bei Dingler’s Keffel verwendet, bliebe für die Wafferftrömung noch immer ein
Ring von 9 Centimeter, mehr als nöthig, frei.
Das Verhältnifs der Rohr-Querfchnitte zum Rolle käme aber dann von */ 9 auf */$ und
wäre jedenfalls günfliger für den Brand.
** Die Verbrennung wurde dabei doch fchon fehr befchränkt, und zwar mit 45 bis
50 Kilogramm Kohle per 1 Quadratmeter Roflfläche und Stunde angenommen.