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J. F. Raclinger.
Die Halb-Locomobilkeffel.
Die Keffel welche wegen ihres geringen Gewichtes und der fehlenden
Emmauerung leicht transportirt werden können, und darum auch Halb-Locomobil
keffel genannt werden, haben fall alle innere Feuerung. Der Aufsenmantel, der
m Folge feines grofseren Durchmeffers aus den dickften am Keffel vorkommenden
Blechen befiehl und daher einen bedeutenden Theil des Gefammtgewichtes und
der Gefammtkoften des Keffels bedingt, trägt hier nie zum Zweck der Anlage
zur I ampfbildung bei, fondern er dient ftets nur als Abfchlufswand. Auf den
einzelnen Quadratmeter wirkfamer Heizfläche wird hier alfo principiell mehr
effelgewicht entfallen als dort und wog bei den Keffeln der Ausftellung thatfäch-
lich 200 bis 250 Kilogramm gegen ungefähr 180 der Grofskeffel, deren Wände
fall ganz im Feuer liegen. Dann hoffet auch die Gewichtseinheit mehr, weil die
ir‘, e e 7 e . ndlmg der Röhren etc. den Einheitspreis fteigern, und
es fallt die Keffelfchmiedarbe.t für gleiche Leiftung hier theurer aus als dort.
Verv g e ehe n von diefen Umftänden, begrenzt noch ein anderer Einflufs die
• Verwendung dmfer meift flehender Syftenie. Bei fteigenden Dimenfionen wächft
namhch bei den liegenden Keffeln, wie es die ftationären Grofskeffel meid find,
afferfpiegel und Heizfläche in gleichem, quadratifchen Verhältniffe und die dem
Quadratmeter Wafferfläche in gleichen Zeiten entfpringenden Dampfmengen
bleiben bd jedem diefer^ftemeconftant, wie grofs immer die Einzeldimenfionen
wächft'd e w" ff rS r t, fte enJen KeffeIn ' Mit Vergrößerung der Dimenfionen
wachft die Wafferfpiegel-Flache im quadratifchen, die Heizfläche jedoch (wegen
der mitzunehmenden Höhe) im kubifchen Mafse, und hier mufs defto mehr Dampf
m gleicher Zeit aus der Flächeneinheit des Wafferfpiegels treten, je gröfser d e
Ausführung wird. Diefe Menge fleht aber im direkten Verhältniffe mit dem
heuchtigkeitsgni.de des gelieferten Dampfes, und man kann im Allgemeiner! fagen-
geben näfferen Dampf als liegende, und werden in diefer Hinficht
defto fchlechter, je grofser fie find.
„ ,1 u, )a / err ; er n ° Ch C !‘ e ^ usbeute der Heizwärme in den kürzeren Zügen minder
vortheilhaft dagegen der Verlufl durch Ausftrahlung empfindlicher wird, fo kann
äufsern ° kon0mifche Gef ammteffedl nur zum Nachtheile der Kleinkeffel
m , ^ Un r e " c ! lich die Reinigung im Innern vom Keffelfteine und Aufsen von
lugafche fehr erfchwert, und eine Reparatur an vielen Stellen, ohne vorher den
ganzen Keffel aufser Rand und Band zu bringen, unmöglich.
In einigen ausgeftellten Keffeln wurde diefer Mifsfland theils auf bekann
ten therls auf neuen Wegen zu mildern verfucht. Alle diefe Syfleme mit heraus
ziehbaren Innenflächen leiden aber an anderen Uebeln, welche ihrer Verbreitung
entgegenwirken. b
Der Field-Keffel kommt nur mehr vereinzelt meifl bei Dampf-Feuerfpritzen
wofür er der feltenen Verwendung und fchnellen Anheizbarkeit halber prächtig
pafst, vor, während das Querröhren-Syftem fich (mit Recht) immer mehr einbürgert
Neuere Syfleme kamen durch die Ausftellung mehrere vor, deren manche
manchen Vortheil bergen. Aber auch der Unverftand macht fich hier, wie über-
haupt auf dem Gebiete der Kleinmechanismen defto leichter breit, als geringe
Mittel dazu genügen. &
Der Dampfdruck ift wie bei den Grofskeffeln in den verfchiedenen Ländern
r^‘ e , de " Und , faft re g elmäfsi g 4 Atmofphären in England, 5 bis 6 in
Deutfohland und Oefterreich und 6 bis 8 Atmofphären in franzöfifchen Con-
ftiudlionen. Die Keffel der Dampfkrahne und ähnlich periodifch arbeitender
Motoren zeigen meifl die ungewöhnlich grofsen Roftflächen von </ 7 bis </, 0 der