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Full text: Dampfkessel (Gruppe XIII, Section 1), officieller Ausstellungs-Bericht

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J. F. Radinger. 
Was die Syfteme der Keffel betrifft, o finden wir manche derfelben neu 
und diefe ftreben nach der doppelten Richtung: Vergröfserung der Heizfläche 
und Erhöhung des Druckes. 
Um Beides zu gewinnen, kommen die Röhrenfyfteme mehr und mehr zur 
Geltung. Manche diefer neuer Syfteme find mifsglückt, indem lieh der Roft in 
ihnen nicht im gleichem Mafse als die Heizfläche vergrößern liefs oder der benö- 
thigte Zug-Querfchnitt ergab; einzelne geben zu naffen Dampf tragen den 
Wärmedehnungen keine Rechnung oder find in den Detaillöfungen no°ch nicht 
wunfehenswerth klar; aber wieder andere flehen auf der Höhe heutiger Erkennt- 
mfs und alle Beurtheilung fpricht für ihren bleibenden Beftand. 
Sogenannte Verdampfverfuche wurden (mit Grund) nicht vorgenommen 
obgleich die Gelegenheit dazu aufzufordern fchien. Es ift aber bekannt, dafs 
viele Keffelfyfteme näfferen Dampf geben als andere, und da bis heute’ kein 
anderes Mittel bekannt ift, die „Dampfmenge“ zu beftimmen, als durch Meffung 
des in den Keffel gebrachten Waffers, fo würde ein fpeiender Keffel beffer fchei- 
nen, als ein befferer ift. 
Meiner Anficht nach wäre nur durch Aichung des erzeugten Dampfes ein 
Schlufs auf feinen Erzeuger möglich. Würde nämlich eine und diefelbe Dampf 
mafchme, ohne demontirt zu werden, von Keffel zu Keffel gebracht und von diefem 
betrieben, fo müfste fleh unter Einhaltung gleicherVerhältniffe durch die Bremfung 
bei gleichem Druck und Füllung ein völlig zutreffender Schlufs auf die Güte der 
Keffel ergeben. Die verfchiedene Tourenzahl bei gleicher Kohlenmenge wäre 
das directe Mafs, und wäre umfo leichter zu erhalten, wenn fchon vor der Au 
fteilung auf annähernd gleiche Gröfse der Concurrenzkeffel hingewirkt würde 
welche überdiefs hier von felbft auftrat. 
Ich habe mich bei dem nachfolgendem Studium der Keffel bemüht, einen 
Anhalt für die Beurtheilung nach diefer Richtung hin zu gewinnen, und ftelle, bis 
Befferes vorliegt, jene Dampfmenge als Mafs hin, welche bei gleich angenom 
mener Heizung dem Quadratmeter der Wafferfpiegel-Fläche im Keffel per Stunde 
entfteigt. Diefe Dampfmenge, welche bei einer Verdampfung von 20 Kilogramm 
per Quadratmeter Heizfläche im einfachen Cylinderkeffel 40 Kilogramm beträgt 
fteigt bei einzelnen neueren Syftemen bis 6- und 800 und wächft in einem Falle 
über 4000 und einem anderen über 16.000 Kilogramm hinaus. Dort wo der 
Dampf, mit der Gefchwindigkeit wie die Luft durch die Roftfpalten, durch die 
oberfte Wafferfchichte bricht, wo er gleichfam im Schaum geboren wird, geht 
natürlich ein Schlufs von dem zugebrachtem auf das verdampfte Waffer 
nicht an. 
Diefes Näfferwerden des Dampfes bei concentrirterer Heizfläche ift mit der 
Grund, welcher grofse flehende Keffel nicht aufkommen läfst. Bei fteigenden 
Dimenfionen wächft nämlich die Wafferfpiegel-Fläche eines Verticalkeffels mit dem 
Quadrat, die Heizfläche aber mit dem Cubus der Vergröfserung, während bei 
liegender Conftrudtion das Wachfen beider in gleichem quadratifchen Verhältniffe 
erfolgt, und in diefer Hinficht ihre Güte gleichbleibt. 
Von diefem Standpunkte aus erkennt man, dafs jede der neueren Keffel- 
formen näfferen Dampf liefert als die alten Syfteme. 
Eine weitere Rückficht ift den Blechdicken gewidmet, und um einen Ver 
gleich zu erhalten, zwängte ich fämmtliche in die Formel 
ä = x.Dp + 3 Millimeter, 
wobei D den jedesmal bekannten Keffeldurchmeffer in Meter und p die Spannung 
in Atmofphären-Ueberdruck bedeutet, für welche jeder Keffel beftimmt und 
wobei jedesmal angeführt ift, ob die Verniethung einfach oder doppelt war.
	        
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