Das Pionnierwefen.
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Verladen find auf dem Wagen: 22 Ganz- und 8 Halbpfoften, i Landfchwelle
und nebft diverfen kleineren Geräthen noch obenauf mit dem Boden nach unten
gekehrt, ein Ponton - Vorderftück. Letzteres ift ähnlich dem öfterreichifchen
geformt, nur vorne ift dasfelbe halbrund und wenig fchräge, fo zwar, dais man
diefem Ponton wohl eine gröfsere Stabilität in der Brücke zufprechen, von ihm aber
nicht auch eine leichte Fahrbarkeit und Lenkbarkeit vorausfetzen darf. Auf
Gewäffer mit trägem Laufe mag er wohl gut entfprechen.
Weiters find noch an der rechten Wagenfeite drei Ruder, an der linken
mehrere Schiffshaken angebracht. Bemerkenswerth dabei ift noch, dafs erftere
nicht fehl- lang und gefällig geformt und bei der Verftärkung, wo fie in die Ruder
gabel einzulegen kommen, mit Blech befchlagen find. Die Schwerpunkt-Lage des
complet beladenen Wagens liegt ziemlich hoch, dennoch ift bei der grofsen
Geleisweite ein Umkippen desfelben nicht leicht zu beforgen. Er trägt gegenüber
unferen Brückenwagen das Gepräge der Schwerfälligkeit an fich, obwohl er, wie
fchon früher nachgewiefen wurde, leichter ift als diefer.
Ein weiteres nicht unintereffantes Object im fchwedifchen
.Militärpavillon war der Infanterie-Pionnierwagen vom Oberft-
lieutenantKlingenftiernaund Hauptmann V. Norrman. Derfelbe
hat einen mehrfachen Zweck zu erfüllen, nämlich einerfeits den, die Infanterie-
Pionniere für die ihnen zufallenden technifchen Arbeiten mit den nöthigen
Arbeits-Werkzeugen zuverfehen, andererfeits fie in den Stand zu fetzen, auch
kleine, weniger bedeutende Hinclerniffe mit den auf diefen Wagen mitgeführten
fertigen Material-Beftandtheilen augenblicklich überbrücken zu können. Zu diefem
Behufe ift jedes Infanterie-Bataillon mit einem, daher das Regiment mit zwei
folchen Wagen ausgerüftet.
Sie bieten für 300 Arbeiter die verfchiedenften, vornehmlich aber Schanz
werkzeuge und enthalten Brückenftege von 60, beziehungsweife 120 Fufs fchwe-
difch (= 56-3, beziehungsweife 112 6 Fufs öfterreichifche) Länge für zwei-, bezie-
hungsweife eingliedrige Infanterie.
Wegen diefes letzteren Umftandes wurde die Befprechung diefes Aus
ftellungsobjedtes in diefe Rubrik „Brückenwefen“ eingereiht, obwohl es eigent
lieh ftreng genommen nicht hieher gehört.
Die Frage, ob es zweckmäfsig fei für die Infanterie Pionniere einen eigenen
Ausrüftungstrain im Felde mitzuführen, dürfte mit Rückficht auf die Vermehrung
des Armeetroffes von der Mehrheit der Stimmen mit „Nein“ beantwortet werden.
Zur Erfüllung des erfterwähnten Zweckes ift ein eigener Train gewifs
nicht nothwendig, wenn, wie bei unferer Organifation der Armee, die Infanterie
Pionniere, dann die Pionnier- und Genietruppe ihre Ausrüftung fclbft tragen und
letztere beiden überdiefs noch in ihren Reqüifitenwagen der Werkzeuge allerlei
Art in folcher Menge mitführen, dafs fie hiemit noch eine grofse Zahl Infanterie-
Hilfsarbeiter betheilen können. Diefs wird dann um fo weniger nöthig fein, wenn,
wie in der öfterreichifchen Armee, eigene Sehanzzeug-Colonnen beftehen, da fonft
der Train zum Nachtheile der Operationen übermäfsig vergröfsert würde. Unter
allen Umftänden aber ift es vortheilhaft, wenn die Infanterie Pionniere ihre Aus
rüftung felbft tragen, indem fie dadurch in den Stand gefetzt find, bei augenblick
lichem Bedarfe gleich eingreifen zu können.
Anders geftaltet fich allerdings die Sache, wenn man fie von einer
anderen Seite betrachtet. Sind nämlich vermöge eigenthümlicher Landesboden-
Verhältniffe, wie wegen zahlreicher kleinerer Gewäffer, Wafferadern und
Canälen, die Beigabe von fertigen, leichten Brücken an die Truppen felbft eine
unerläfsliche Bedingung, um fie an ihrer Manövrirfähigkeit nicht Schaden leiden
zu laffen, dann mag immerhin die Mitnahme eines eigenen folchen Ausrüftungs-
trains, der alfo nebenbei auch einiges an Werkzeugen aufnimmt, gerechtfertiget
erfcheinen.