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Full text: Genie- und Pionnierwesen (Gruppe XVI, Section 3), officieller Ausstellungs-Bericht

Das Pionnierwefen. 
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Verladen find auf dem Wagen: 22 Ganz- und 8 Halbpfoften, i Landfchwelle 
und nebft diverfen kleineren Geräthen noch obenauf mit dem Boden nach unten 
gekehrt, ein Ponton - Vorderftück. Letzteres ift ähnlich dem öfterreichifchen 
geformt, nur vorne ift dasfelbe halbrund und wenig fchräge, fo zwar, dais man 
diefem Ponton wohl eine gröfsere Stabilität in der Brücke zufprechen, von ihm aber 
nicht auch eine leichte Fahrbarkeit und Lenkbarkeit vorausfetzen darf. Auf 
Gewäffer mit trägem Laufe mag er wohl gut entfprechen. 
Weiters find noch an der rechten Wagenfeite drei Ruder, an der linken 
mehrere Schiffshaken angebracht. Bemerkenswerth dabei ift noch, dafs erftere 
nicht fehl- lang und gefällig geformt und bei der Verftärkung, wo fie in die Ruder 
gabel einzulegen kommen, mit Blech befchlagen find. Die Schwerpunkt-Lage des 
complet beladenen Wagens liegt ziemlich hoch, dennoch ift bei der grofsen 
Geleisweite ein Umkippen desfelben nicht leicht zu beforgen. Er trägt gegenüber 
unferen Brückenwagen das Gepräge der Schwerfälligkeit an fich, obwohl er, wie 
fchon früher nachgewiefen wurde, leichter ift als diefer. 
Ein weiteres nicht unintereffantes Object im fchwedifchen 
.Militärpavillon war der Infanterie-Pionnierwagen vom Oberft- 
lieutenantKlingenftiernaund Hauptmann V. Norrman. Derfelbe 
hat einen mehrfachen Zweck zu erfüllen, nämlich einerfeits den, die Infanterie- 
Pionniere für die ihnen zufallenden technifchen Arbeiten mit den nöthigen 
Arbeits-Werkzeugen zuverfehen, andererfeits fie in den Stand zu fetzen, auch 
kleine, weniger bedeutende Hinclerniffe mit den auf diefen Wagen mitgeführten 
fertigen Material-Beftandtheilen augenblicklich überbrücken zu können. Zu diefem 
Behufe ift jedes Infanterie-Bataillon mit einem, daher das Regiment mit zwei 
folchen Wagen ausgerüftet. 
Sie bieten für 300 Arbeiter die verfchiedenften, vornehmlich aber Schanz 
werkzeuge und enthalten Brückenftege von 60, beziehungsweife 120 Fufs fchwe- 
difch (= 56-3, beziehungsweife 112 6 Fufs öfterreichifche) Länge für zwei-, bezie- 
hungsweife eingliedrige Infanterie. 
Wegen diefes letzteren Umftandes wurde die Befprechung diefes Aus 
ftellungsobjedtes in diefe Rubrik „Brückenwefen“ eingereiht, obwohl es eigent 
lieh ftreng genommen nicht hieher gehört. 
Die Frage, ob es zweckmäfsig fei für die Infanterie Pionniere einen eigenen 
Ausrüftungstrain im Felde mitzuführen, dürfte mit Rückficht auf die Vermehrung 
des Armeetroffes von der Mehrheit der Stimmen mit „Nein“ beantwortet werden. 
Zur Erfüllung des erfterwähnten Zweckes ift ein eigener Train gewifs 
nicht nothwendig, wenn, wie bei unferer Organifation der Armee, die Infanterie 
Pionniere, dann die Pionnier- und Genietruppe ihre Ausrüftung fclbft tragen und 
letztere beiden überdiefs noch in ihren Reqüifitenwagen der Werkzeuge allerlei 
Art in folcher Menge mitführen, dafs fie hiemit noch eine grofse Zahl Infanterie- 
Hilfsarbeiter betheilen können. Diefs wird dann um fo weniger nöthig fein, wenn, 
wie in der öfterreichifchen Armee, eigene Sehanzzeug-Colonnen beftehen, da fonft 
der Train zum Nachtheile der Operationen übermäfsig vergröfsert würde. Unter 
allen Umftänden aber ift es vortheilhaft, wenn die Infanterie Pionniere ihre Aus 
rüftung felbft tragen, indem fie dadurch in den Stand gefetzt find, bei augenblick 
lichem Bedarfe gleich eingreifen zu können. 
Anders geftaltet fich allerdings die Sache, wenn man fie von einer 
anderen Seite betrachtet. Sind nämlich vermöge eigenthümlicher Landesboden- 
Verhältniffe, wie wegen zahlreicher kleinerer Gewäffer, Wafferadern und 
Canälen, die Beigabe von fertigen, leichten Brücken an die Truppen felbft eine 
unerläfsliche Bedingung, um fie an ihrer Manövrirfähigkeit nicht Schaden leiden 
zu laffen, dann mag immerhin die Mitnahme eines eigenen folchen Ausrüftungs- 
trains, der alfo nebenbei auch einiges an Werkzeugen aufnimmt, gerechtfertiget 
erfcheinen.
	        
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