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Full text : Mathematische und physikalische Instrumente (Gruppe XIV, Section 1 und 2), officieller Ausstellungs-Bericht

Mathematifche  und  allgemeine  phyfikalifche  Inftrumente.

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Wieder  waren  es  Oefterreich  und  Deutfchland,  welche  weitaus  das  Meifte
und  Bette  boten  ;  die  berühmteften  franzöfifchen,  englifchen  und  belgifchen  Firmen
waren  fatl  gar  nicht  vertreten.  Im  Grofsen  und  Ganzen  find  die  einzelnen  Auslteller
  bei  ihrer  bisherigen  Bauart  geblieben  und  find  wefentliche  Neuerungen  nur
wenige  zu  verzeichnen.  Balken  aus  Aluminium,  von  denen  man  fich  einmal  viel
verfprochen,  waren  ganz  verfchwunden;  defsgleichen  der  Präcifionsbogen  von
Gallois*  felbft  in  der  von  Hempel  und  namentlich  von  B  r  e  i  t  h  a  u  p  t  verbefferten
  Gellalt;  die  B  e  r  z  e  1  i  u  s  ’fche  Reiterverfchiebung  ift  durchweg  und  auch
mit  vollem  Rechte  beibehalten.  Der  Wagebalken  maffiv,  meilt  aber  durchbrochen,
hat  die  Rauten-  oder  Dreieckform  und  ift  durchgängig  mittelft  einer  prismatifchen
Schneide  aufgehängt,  die  auf  harter  Unterlage  ruht.  Auch  die  Aufhängung  der
Schalen  gefchieht  in  den  meiften  Fällen  mittelft  Schneiden.  Auf  die  Arretirung
wird  mit  gutem  Grunde  viel  Sorgfalt  verwendet  und  fie  ift  bei  feineren  Wagen
faft  durchgängig  eine  dreifache.  Die  Bewegung  des  Mechanismus  erfolgt  nach
Oertling’s  Vorgänge  mittelft  excentrifcher  Scheiben,  die  Unterftützung  des
Balkens  und  der  Gehänge  fehl-  häufig  mittelft  Spitzen,  die  regulirt  werden  können
und  in  kleine  conifche  Vertiefungen  eingreifen,  welche  am  Balken  und  den
Gehängen  befeftigt  find.  Diefe  fehr  fichere  und  genaue  Arretirungsmethode  wurde
zuerft  von  Girgenfohn**  in  Anwendung  gebracht;  nur  waren  bei  ihm  die
Schrauben  mit  den  Contadtfpitzen  am  Balken,  was  weniger  vortheilhaft  erfcheint.
Von  demfelben  Künftler  rührt  noch  eine  andere  Contadleinrichtung  her,  bei
welcher  kleine  cylindrifche  Stifte,  die  an  der  Vorder-  und  Hinterfeite  von  Balken
und  Gehängen  horizontal  befeftigt  warer,  fich  in  gabelförmige  Lager  legten,
die,  durch  Schrauben  regulirbar,  an  den  Armen  der  Arretirungsvorrichtung  fich
befinden.  Auch  diefer,  vielleicht  noch  zweckmäfsigere  Contadt  war  an  einigen
Wagen  der  Ausftellung  anzutreffen.
Von  befonderer  Wichtigkeit  für  die  Zuverläffigkeit  der  Angaben  einer
Wage  ift  die  Aufhängung  des  Wagebalkens  und  der  Schalen.  Wiewohl  man  es
in  der  Herftellung  der  Aufhängefchneiden  zu  einem  grofsen  Grade  der  Vollkommenheit ­
  gebracht  hat,  durch  welchen  vorzugsweife  die  hohe  Empfindlichkeit
der  jetzigen  Wagen  bedingt  ift;  fo  wären  doch  eingehende  Verfuche,  andere
Methoden  in  Anwendung  zu  bringen,  keineswegs  überflüfiig  und  namentlich  folche
Vorlchläge  im  Auge  zu  behalten,  welche  darauf  hinzielen,  die  von  der  Reibung,
Adhäfion  und  der  nicht  vollkommen  exadten  Schärfe  und  Geradlinigkeit  der
Schneiden  etc.  bedingten  Unregelmäfsigkeiten  zu  befeitigen.  Als  ein  folcher,  fehr
beachtenswerther,  aber  leider,  wie  es  fcheint,  in  Vergeffenheit  gerathener  Vorfchlag
  kann  der  von  G.  E.  Weber  ***  gemachte  bezeichnet  werden:  Balken  und
Schalen  an  dünnen  elaftifchen  Stahlbändern  aufzuhängen.  Diefe  Aufhängung,  von
der  Weber  nachgewiefen  hat,  dafs  fie  einer  fehr  hohen  Empfindlichkeit  fähig
ift,  würde  in  der  That  die  Conftrudtion  der  Wage  in  vielen  Punkten  wefentlich
vereinfachen.
Wir  wollen  an  diefer  Stelle  noch  einer  Neuerung  der  letzten  Jahre
erwähnen,  die  zuerft  durch  P.  Bunge  in  Hamburg  zur  Durchführung  gelangte  ;
es  ift  diefs  die  Conftrudtion  von  Wagen  mit  möglichft  kurzem  Wagebalken.  Die
Empfindlichkeit  einer  Wage  ift  um  fo  gröfser,  je  länger  die  Wagarme  und  je  kleiner
das  Gewicht  des  Wagebalkens  ift.  Allein  das  Gewicht  des  letzteren  ift  wieder
abhängig  von  der  Länge  der  Arme  und  weiter  bedingt  durch  die  Forderung,  dafs
die  Biegung  des  Balkens  durch  die  Belattung  gewiffe  Grenzen  nicht  überfchreiten
darf.  Die  Gröfse  diefer  Biegung  hängt  unter  fonft  gleichen  Umftänden  von  der
geometrifchen  Form  des  Balkens  ab.  Wenn  man  mit  Rückficht  auf  fämmtliche
Anforderungen  die  Form  des  Balkens  fo  wählte,  dafs  fein  Gewicht  in  demfelben

*  Poggendorff,  Annalen,  Band  CXVI,  p.  339.
**  Dingler,  polytechnifches  Journal,  Band  LXXII,  p.  381.
***  De  tribus  novis  librarum  conftruendarum  methodis.  Gottingae  MDCCCXLI,  p.  11.
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