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Full text: Mathematische und physikalische Instrumente (Gruppe XIV, Section 1 und 2), officieller Ausstellungs-Bericht

32 Ferdinand Lippich. 
Von Dynamometern und Dynamographen bemerkten wir in Gruppe XIV 
nur zwei, die von Kraft in Wien verfertigt waren, und zwar einen Zugdyna- 
mograph nach Burg und einen Kurbeldynamograph. In beiden Inftru- 
menten wird die durch die wirkende Kraft erzeugte Ausbiegung einer ent- 
fprechend geformten Feder, in bekannter Weife durch einen Stift auf einem Papier 
ftreifen markirt, der fich fenkrecht gegen die Richtung bewegt, nach welcher der 
Stift ausweicht; und zwar ift die Gefchwindigkeit des Papierftreifens proportional 
der Gefchwindigkeit des Angriffspunktes der Kraft. 
An fogenannten Fallmafchinen zur Nachweifung der Gefetze einer 
durch eine conftante Kraft erzeugten geradlinigen Bewegung und fpeciell der 
Bewegung eines freifallenden Körpers war aufser einer A11 w o o d’fchen Fall- 
mafchine gewöhnlicher Conftrucftion von Ha uck, ein eben folcher Apparat von 
Vennemann in Aachen, der jedoch mit grofser Sorgfalt gearbeitet und mit 
mehreren meift nicht gebräuchlichen Zugaben verfehen war, ausgeftellt. Die 
Achfe des Rädchens, welches die endlofe Schnur mit den Gewichten trägt, läuft 
auf Fri(5lionsrollen; die Schnur ift am unteren Ende des Geftelles über ein zweites 
Rädchen geführt. In deffen Nähe befindet fich ein kleiner Elektromagnet, der das 
Gegengewicht fefthält und im geeigneten Momente durch Stromunterbrechung 
die Auslöfung bewirkt. Das fallende cylindrifche Gewicht hat kreisrunde Oeff- 
nungen in den Fangplatten zu paffiren. Diefe Fangplatten find getheilt und es 
fleht der eine Theil mit der metallenen Mittelfäule, der andere mit einer Metall- 
fchiene an der Scalenfäule in leitender Verbindung, zu welchen Säulen die Drähte 
einer Batterie leiten. Indem fich das Zulegegewicht auf die Fangplatte legt, wird 
der Strom gefchloffen und hiedurch ift es möglich, den Moment des Endes der 
Bewegung durch Anhalten eines durch Uhrwerk getriebenen Zeigers erfichtlich 
zu machen. 
Edelmann & Hipp hatten ihre Vorrichtungen gebracht, durch welche 
fie erfterer in Verbindung mit dem Chronographen von Beetz, letzterer mit 
feinem Uhrchronofkope die Fallgefetze für fehr mäfsige Höhen demonftriren. 
Berühmt durch ihre unglaublich lange Rotationsdauer find die von Hardy 
in Paris conftruirten G y r o fk o p e. Ein folches nach F o u c a u 11 zum Nachweife 
der Achfendrehung der Erde, fowie ein Polytrop von Sire waren ausgeftellt. 
Letzteres Inftrument befteht aus einem verticalen Kreisringe, der mittelft Kurbel 
um eine verticale Achfe gedreht werden kann. Diefer Ring ftellt einen Erd 
meridian vor. Ein kleines Gyrofkop kann an dem Ringe in beliebigen Breiten feft- 
geftellt werden und es können auf diefe Weife mit dem Apparate die Erfcheinungen 
wie fie fich an einem Gyrofkope in verfchiedenen Orten auf der Erdober 
fläche darbieten, fowie auch die Präcesfion der Nachtgleichen etc. demonftrirt 
werden. 
Eine intereffante Einrichtung hat Silva Pinto dem F o u c a u 1 t’fchen 
Pendel gegeben, durch welche es möglich wird, den Verfuch mit einem Pendel 
von i Meter Länge auszuführen. Die Bewegung des Pendels wird durch die Wir 
kung eines Elektromagneten unterhalten und zwar in folgender Weife: Genau 
unter der Gleichgewichtslage des Pendels ift ein kleiner verticaler Elektromagnet 
aufgeftellt, der durch einen Strom automatifch magnetifirt wird ; die Kugel des 
Pendels trägt ihrerfeits ein kleines conifches Stück weichen Eifens. Bei irgend 
einer La^e des Pendels liegt die auf den Eifenkern der Kugel wirkende Kraft in 
einer verticalen, durch die Gleichgewichtslage des Pendels gehenden Ebene und 
vermao- demnach nicht das Pendel aus der vorhandenen Schwingungsebene heraus 
treten zu machen. Es wird demnach die Drehung der Schwingungsebene durch 
die Achfendrehung der Erde allein zur Erfcheinung kommen. Die Magnetifirung 
des Elektromagneten wird fo regulirt, dafs letzterer nur während eines Theiles 
der abwärtsgehenden Halbfchwingung des Pendels thätig ift. Ein horizontaler, 
rretheilter Kreis mit Diopteralhydade zum Einvifiren des Pendelfadens und ein durch 
den Elektromagneten in Gang gefetztes Zählwerk vervollftändigen den Apparat.
	        
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