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Full text: Marinewesen (Gruppe XVII, Section 1 bis 4), offcieller Ausstellungs-Bericht

Marinewefen. 
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gewichtslage gebracht, von felber immer wieder in feine aufrechte Lage zurück- 
fchwingt. * 
Ein Schiff iflfefl, wenn es unter dem Andrange der gröfsten Wellen 
und des flärkflen Windes und unter dem Einfluffe all’ der vielen Schwingungen, 
die es durchzumachen hat, weder Brüche oder Deformationen erleidet, noch im 
Verbände feiner einzelnen Theile undicht oder gelockert wird. 
Ein Schiff ifl richtig geladen, wenn die Ladung im Schiffsräume fo 
vertheilt ifl, dafs hiedurch die Stabilität und Schwingungsdauer des Schiffes 
weder zu grofs noch zu klein wird, und das Verhältnifs feiner vorderen und 
hinteren Eintauchung die Lenkbarkeit und Gefchwindigkeit des Schiffes nicht 
beeinträchtigt. 
Die Schiffs-Baukunfl ifl nun wohl dahin gelangt, dafs ein Schilf für die 
Aufgabe, der es zu dienen hat, in jeder Beziehung vollkommen entfprechend 
gebaut werden kann. Ein Schiff aber, das z. B. auf einem Teiche vollkommen 
ficher und zweckmäfsig ifl, wird auf einem Strome, wie die Donau, fchon bedenk 
lich und auf bewegter See unmöglich fein. 
Ein Schiff, welches für Segelbetrieb oder die offene See leicht und fchlank 
erfcheint, kann für Dampfbetrieb oder für ruhiges Gewäffer fchwerfällig und 
unbrauchbar fein. 
Ein Schiff, welches mit mäfsig hohen Borden, aber recht fchwimmfähig 
gebaut, bei beflimmter, richtig vertheilter Ladung nachgiebig, leicht fich hebt und 
mit Sicherheit über die Wogen gleitet, kann mit zu grofser oder falfch vertheilter 
Ladung von Sturzwellen überfluthet werden. 
Ein Schiff, deffen Schwerpunkt nach richtiger Ladung fo fituirt ifl, dafs 
das Schiff in grofsen, fanften Schwingungen keine befondere Inanfpruchnahme 
zu erleiden hat, kann dadurch, dafs man es zu ftabil geladen (z. B. bei Trans 
port von Eifenbahn-Schienen diefe zu tief unten im Schiffsräume gelagert hat), 
fo kurz, rafch und heftig fchwingen, dafs der Verband (namentlich bei Holz- 
fchiffen) gelockert und das Schiff leck wird oder feine Mafien verliert. 
Endlich mag ein Schiff, welches mit genügender Bemannung und Aus- 
rüflung im Stande ifl, rafch Havarien zu befeitigen und das Leckwaffer auSzupum- 
pen, gefahrlos fein, während dasfelbe Schiff in Ermanglung diefer Bedingungen 
von den Wellen begraben werden kann. 
Der Begriff der Seetüchtigkeit ifl alfo ein relativer und hängt nicht 
nur von der Bauart des Schiffes, fondern auch von der Art feiner Ver 
Wendung ab. 
* Zur Erklärung diefes Zurückfchwingens des Schiffes: Sei Fig. / die Querfedlion eines 
Schiffes in aufrechter Lage, 5 der 
Schiffs- Schwerpunkt, D der Schwer 
punkt der verdrängten Waffermaffe 
oder Deplacement-Schwerpunkt. Der 
Schiffs-Schwerpunkt 5 ifl der Angriffs 
punkt der Refultirenden , mit welcher 
die Schwere das Schiff nach abwärts 
zieht, der Deplacement-Schwerpunkt 
D der Angriffspunkt der Refultiren 
den, mit welcher das Waffer das Schiff 
nach aufwärts drängt. — Wenn, wie 
in Fig. i, D fenkrecht unter S liegt, 
heben fich die beiden Kräfte auf und 
das Schiff ift im Gleichgewichte. 
Fig. /• 
Fig. 2. 
Wird das Schiff, wie in Fig. 2, 
geneigt, fo verrückt fich in Folge der 
eigenthümlichen Form des Schiffes der 
Deplacement-Schwerpunkt von D nach 
D 1 und drängt fonach die Refultirende 
des Auftriebes des Waffers, die jetzt im neuen Deplacement-Schwerpunkt D 1 ihren Angriffs, 
punkt hat, das Schiff in die urfprüngliche Lage wieder zurück.
	        
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