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Alexander Kriedmann.
kommen entfprechen , der Reifende , dem die Schwingungen auch diefer Schiffe
noch immer häufig die Seekrankheit erzeugen, noch lange nicht damit
zufrieden fein kann. Und da die Seekrankheit ein mächtiges Hindernifs für den
Perfonenverkehr zur See darftellt, fo fei nachftehend der feit der 1867er Aus-
ftellung gemachten Voyfchläge Erwähnung gethan, welche derUeberfahrt zwifchen
England und dem Continente gelten, und, obgleich nicht auf der letzten Weltaus-
ftellung repräfentirt, doch fowohl wegen der Bedeutung der Urheber als wegen
des wichtigen Zweckes, den fie verfolgen, hier nicht gut übergangen werden
können.
Der elfte Vorfchlag rührt von Scott-Ruffel her. Scott-Ruffel
fchlägt vor, ein Schiff nach Art der Flufsfähren-Schiffe, nur dem Seebedarfe ent-
fprechend, zu conftruiren und furch bewegliche, fchiefe Ebenen abwechfelnd mit
den Eifenbahn-Stationen Calais und Dover fo in Verbindung zu bringen, dafs
die Eifenbahn-Züge vom Lande diredt auf das Fährenfchiff, refpedtive von diefem
aufs fefte Land fahren können und alfo die Reifenden, wenn fie nicht auf der
Fähre felbft gerne ausfteigen wollen, ohne den Waggon zu verladen, jedenfalls
aber ohne Wagenwechfel die See paffiren können.
Auf einem fehr breiten grofsen Schiffe, wie eine folche Fähre diefs fein
müfste, würde höchft wahrfcheinlich die Seekrankheit fich weniger geltend machen.
Gleichzeitig wären auch die grofsen Widerwärtigkeiten behoben, denen zu Folge
der Reifende, felbft in den belferen Häfen, vom Eifenbahnhofe im Winter, bei
Nacht und Regen mit dem Handgepäcke ins Schiff hinunter oder noch halb fee
krank aus dem Schifte in die Höhe klettern, in Boulogne und Calais gar noch
zwifchen Schiff und Bahnhof eine Fahrt auf fürchterlichen Omnibuffen, der Glück
liche innen, der weniger Glückliche oben auf dem Imperial, durchmachen und die
Proceduren des Auf- und Abfteigens mit diverfem Reifegepäcke unter oft recht
fatalen Zwifchenfällen wiederholen mufs.
DerVorfchlag des Herrn Scott-Ruffel gilt überdiefs auch demWaaren-
transporte und hat diefsbezüglich, infoferne feine Begründung als für eine fo
kurze Strecke wie Uber den Canal la Manche die doppelte Umladung von der
Eifenbahn zum Schiffe und vice versa relativ fehr koftfpielig und zeitraubend ift
und durch diefes oder ein ähnlich realifirtes Project die Waaren ohne Umladung
über See an ihren Beftimmungsort follen gelangen können.
Ein Haupteinwand gegen diefen Scott - Ruffel’fchen Vorfchlag ift jeden
falls der, dafs für feine Durchführung erft die Häfen von Boulogne oder Calais
umgebaut werden müfsten, da gegenwärtig ein fo grofses Schiff während der
Ebbe nicht ein- oder auslaufen könnte, diefe Neubauten aber viele Jahre erhei-
fchen, und für ebenfolange die Beibehaltung der jetzigen in fürchterlichfter Primi
tivität Speifefalon, Schlaffalon, Converfationszimmer und Krankenzimmer in ein
einziges Gemach vereinigenden Calaifer oder Oftendeer Boote zur Folge haben
wurde. Weiters wären die Schiffsfähren, beweglichen Brücken, Brückenköpfe,
Verlegungen der Bahntracen etc. fo koftfpielig, dafs der Perfonenverkehr die
Anlagekoften nicht rentiren würde, während eine bedeutende Verminderung der
Seekrankheit, welche hier durch die Gröfse der Fähre angeftrebt wird, in gleichem
Grade wohl auch durch ein anderes grofses, folche Prämiffen nicht erheifchendes
Schiff erzielt werden kann.
In diefem Sinne ift der von Grantham vorgefchlagene, 45 Fufs breite,
7'4 Fufs tauchende, 400 Fufs lange, zur befferen Lenkbarkeit vorne und hinten
mit Steuerrudern verfehene Canaldampfer zeitgemäfser, obgleich feine innere,
nach Art der amerikanifchen Eifenbahn-Wagen getroffene Sitzeintheilung beffer
durch eine genügende Anzahl kleiner, dem Seekranken — denn deren wird es auch
auf diefem Schiffe, wenn auch nicht fo viele, geben - ein entfprechendes Refugium
bietender, abgefchloffener Cabinen zu erfetzen wäre.
Ein Vorfchlag, von Beffemer erdacht, befteht darin, dafs der Paffagierfalon
70 Fufs lang und 30 Fufs breit an zwei Zapfen, welche in der Längenachfe im