Jg Alexander Friedmann.
diefem Schiffe waren die Rohrleitungen und Saugfiebe der Pumpen im Kielraume
aus Kupfer, und der Cement, mit welchem die Innenfläche der Schiffsverkleidung
beftrichen ift, flellenweife losgelöft. In Folge deffen flellte das falzige Kielwaffer
zwifchen den cementfreien Eifenblechen und den Kupferrohren eine galvanifche
Strömung her, durch welche diefe Eifenplatten durchgefreffen wurden und das
Schiff, welches fonft noch in gutem Stande war, (bei SÄ. Paul) zum Sinken kam.
Fall allgemein wird defshalb der Anftrich mit Miniumfarben oder guten,
anderen Oelfarben bewerkflelligt und werden die Koften des häufigen Dockens
nicht gefcheut, weil diefer Vorgang doch der ficherere ift und die gröfseren Aus
lagen hierfür dadurch wieder hereinkommen, dafs das reine Schiff leichter geht
und Brennmaterial erfpart.
Diefes häufige Docken kann übrigens bei grofsen Dampfern, welche doch
meift nur aus fehr frequenten, mit allen Hilfsmitteln ausgerüfteten Häfen auslaufen
und nach Ablauf einer beftimmten Zeit nach folchen Häfen wieder zurückkehren,
immer rechtzeitig bewerkflelligt werden.
Anders ift diefs bei kleineren Segelfchiffen, welche langfamer fahren, in
den Häfen oft fehr lange das Anfammeln der nothwendigen Fracht abwarten
müffen und oft erft nach Jahren in einen Hafen kommen, wo alle Hilfsmittel zur
Dockung und zum Anftreichen eines Schiffes vorhanden find. Freilich die höl
zernen Segelfchiffe mit Kupferverkleidung kann man, wenn fie ausgeladen
haben, in Häfen, wo ftarke Ebbe und Fluth ift, während der Fluth auf den Sand
laufen laffen und während der Ebbe deren Kupferhaut rafch wafchen und reinigen.
Nicht aber die eifernen Schiffe, weil beim Reinigen des Schiffes immer auch die
Anftrichfarbe mitgeht, und der Intervall zwifchen Ebbe und Fluth nicht Zeit
genug bietet, um den fpäter im Waffer eingetauchten Theil des Schiffes frifch
anzuftreichen und den Anftrich trocknen zu laffen.
Für eiferne Segelfchiffe fällt alfo derUmftand, dafs fich diefelben vielmehr
mit Mufcheln und Gräfern belegen, als die hölzernen Schiffe, fehr ungünftig in
die Wagfchale, und ift es defshalb fchon begreiflich, dafs, trotzdem hölzerne
Schiffe gut hergeftellt nicht bedeutend billiger find als eiferne Schiffe und trotzdem
die Dauer der hölzernen Schiffe derjenigen der eifernen weit nachfteht,dennoch das
Verdrängen der hölzernenSegelfchiffe durch eiferne fehrlangfamvor fich gehen wird.
Für lange Fahrten ift es nichtsdeftoweniger möglich, dafs die eifernen
Segelfchiffe die hölzernen verdrängen werden, felbft in den füdlicheren Meeren
und wärmeren Klimaten, wie z. B. in den oftindifchen Gewäffern, in welchen diefes
Anlegen von Mufcheln und Gräfern in viel höherem Grade ftattfindet, als in den
nördlichen Gegenden , und für welche fadtifch auch grofse Waarentransport-Schiffe
noch immer aus Holz gebaut werden , wiefolche befonders in der holländifchen
und italienifchen Abtheilung zu fehen waren. Hiezu trägt allerdings auch der
Umftand bei, dafs bei eifernen Schiffen das transportirte Getreide, Thee und
manche andere Waaren durch den Roft und das immerdar vorhandene, fchwach
fäurehältige Waffer im Kielraume leiden könnten und defshalb die hölzernen
Schiffe von den füdländifchen Verfrachtern bevorzugt werden. Dahingegen fällt
gerade in diefen wenig frequenten Häfen die Ballaftfrage fehr zu Gunften der
eifernen Segelfchiffe aus, weil diefe denBallaft leicht durch Seewafferherftellen,
welches fie in hiefür abgetheilte wafferdichte, bei voller Ladung als Laderäume
dienende Compartiments einlaffen, während die hölzernen Schiffe feften Ballaft
nehmen müffen, der oft gar nicht zu befchaffen und deffen Ein- und Ausladung
jedenfalls fehr kollfpielig ift. Diefe Umftände find befonders für Segelfchiffe von
grofser Wichtigkeit, da diefelben ja ihre Waaren auffuchen und oft lange Zeit
leer von Hafen zu Hafen fahren müffen, bis fie Fracht finden.
Die gemilchten Schiffe aus Eifen- und Holzconftrudtion wurden urfprünglich
für die oftindifchen Gewäffer erdacht, wo, wie erwähnt, das Anlegen der Gräfer