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Full text : Marinewesen (Gruppe XVII, Section 1 bis 4), offcieller Ausstellungs-Bericht

Marinewefen.

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diefem  ift  die  Steuerfähigkeit  eines  gegebenen  Schiffes  nicht  nur  von  der  Gröfse
und  Art  des  Steuerruders,  fondern  wefentlich  auch  von  der  Gefchwindigkeit  des
Schiffes  bedingt,  und  da  es  oft  Fälle  gibt,  wo  das  Schiff  nicht  in  voller  Gefchwindigkeit ­
  befindlich  einer  erhöhten  Steuerfähigkeit  bedürftig  wäre,  erachtet  der
Berichterftatter,  dafs  das  anfcheinende  Aufgeben  aller  früheren  Beftrebungen,  eine
Lenkbarkeit  des  Schiffes,  zur  Referve  wenigftens,  auch  u  n  ab  h  än  g  i  g  vom  Steuerruder ­
  bewerkftelligen  zu  können,  bedauernswerth  ift.
Hydraulifche  und  Dampf-Steuervorrichtungen  waren  nicht  ausgeftellt.  Doch
exiftiren  derfelben  mehrere  und  verdienen  grofse  Aufmerkfamkeit.  Befonders  die
hydraulifchen  Steuervorrichtungen  würden  den  Vortheil  bieten,  dafs  fie  die
Steuerung  immer  vom  Mittelfchiffe,  den  Steuermann  in  der  Nähe  des  Capitäns,
geftatten  würden,  und  hiebei  gleichzeitig  die  jetzige  primitiveKettenzug-Vorrichtung
aufser  Dienft  käme.  Es  würden  ftatt  ihrer  die  mehr  Sicherheit  bietenden  Wafferleitungs-Rohre
  zur  Verwendung  gelangen  und  unter  Einem  für  die  Perfonendampfer ­
  das  bewufste  Geklirre  verfchwinden,  welches  oft  die  Paffagiere  glauben
läfst,  dafs  das  Schiff  gerade  im  Begriffe  ift,  aus  den  Fugen  zu  gehen.
Die  ausgeftellten  Steuervorrichtungen  enthielten  übrigens  manche  beachtenswerthen
  Details.  So  war  in  der  italienifchen  Abtheilung  an  dem  italienifchen
Kreuzer  „II  Caraciolo“,  welcher  mit  eir^er  Zwillingsfchraube  verfehen  ift,  je  ein
Steuerruder  in  der  Achfe  jedes  der  beiden  Propeller  angebracht  und  die  beiden
Steuerruder  fo  mit  einander  gekuppelt,  dafs  fie  fich  immer  parallel  bewegen
mufsten.  Diefe  Anordnung  dürfte  für  manche  Fälle,  befonders  bei  Zwillingsfchrauben,
  fich  fehr  vorteilhaft  erweifen.  Befagtes  Schiff  war  angeblich  vor
Anbringung  diefes  doppelten  Steuerruders  fehr  wenig  lenkbar  und  befitzt  feit
deffen  Anbringung  eine  fehr  günftige  Steuerfähigkeit.
In  der  englifchen  Abtheilung  war  ein  Steuerruder  ausgeftellt,  welches  in
der  begehenden  Fig.  ij  fkizzirt  ift.  Es  hat  zum  Zwecke,  die  Steuerfähigkeit  eines
Schiffes  bei  gegebener  Fläche  des  Steuerruders  gröfser  zu  geftalten.  Es  ift  zu  diefem
Fig.  /y.  Behufe  aus  zwei  Theilen,  dem  Hauptfteuer  b  und  dem  Endfteuer
  d  zufammengefetzt,  welches  letztere  an  b  in  gleicher
Weife  angehängt  ift,  wie  das  Hauptfteuer  an  dem  Ruderfteven.
Wird  das  Hauptfteuer  b  wie  gewöhnlich  durch  die  Steuerachfe
  a  gedreht,  fo  erhält  das  Endfteuer  ddadurch,  dafs  eine
Schleife  desfelben  über  einen  fixen  Zapfen  c  gleiten  mufs,
eine  relative  Drehung  gegen  das  Hauptfteuer  b  und  wird
fonach  gegen  die  Mittelebene  des  Schiffes  einen  gröfseren
Winkel  einfchliefsen.  Wenn  alfo  bei  der  Bewegung  das
Waffer  hinter  dem  Schiffe  einen  Theil  feiner  Wirkung ­
  an  das  Steuerruder  b  abgegeben  und  dafelbft  einen
Druck  ausgeübt  und  eine  Ablenkung  erfahren  hat,  wird  es  auf  d  unter  einem
günftigeren  Winkel  auftreffen,  als  der  Fall  wäre,  wenn  d  und  b  in  einer  Ebene
lägen.  Dafür  läfst  ein  folches  Steuer  Manches  an  Solidität  zu  wünfchen  übrig.
Im  Pavillon  des  öfterreichifch-ungarifchen  Lloyd  war  ein  Steuerrad  von
F.  Petke  ausgeftellt,  welches  beiftehend  in  Fig.  18  in  der  Längenanficht,  Fig.  iq
im  Grundriffe  detaillirt  genug  veranfchaulicht  ift,  um  jede  nähere  Erklärung  zu
erfparen.  Ein  Hauptvortheil  diefes  Steuerrades  ift  deffen  grofse  Sicherheit  in
Folge  Anbringung  zweier  Schrauben  und  die  Leichtigkeit  der  Auslofung  für
Rückkehr  des  Steuerruders  oder  für  deffen  Steuerung  vom  Mittelfchiffe  her.
Ein  von  Perroy  ausgeftellt  gewefener  Apparat  zur  Bereitung  von  trinkbarem ­
  W  affer  auf  Schiften,  feit  der  letzten  Parifer  Weltausftellung  vielfach  zur
Anwendung  gelangt,  verdient  befondere  Anerkennung.  Derlei  Apparate  find  im
Wefentlichen  Condenfationsvorrichtungen,  in  welchen  der  Dampf  wie  in  einem
Oberflächencondenfator  abgekühlt  und  das  fonach  gewonnene  Deftillationswaffer
  durch  Filter  gereinigt  wird.  Bevor  diefe  Deftillationsapparate  zur  Anwen-
            
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