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Full text : Marinewesen (Gruppe XVII, Section 1 bis 4), offcieller Ausstellungs-Bericht

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Alexander  Friedmann.

und  Ueberhitzung  des  Dampfes  erft  feit  der  Zeit  zur  durchgehenden  Anwendung
gelangen,  da  die  O  b  e  rf  1  ä  ch  e  n  •  C  o  n  d  e  nfa  ti  o  n  fich  praktifch  bewährt  hat.
Früher  war  bei  den  Schiffs-Dampfmafchinen,  wie  noch  bei  allen  jetzigen
Land-Condenfationsmafchinen,  der  condenfirte  Dampf  mit  dem  Condenfationswaffer
  abgelaufen  und  wurden  die  Keffel  der  Seedampfer  mit  Seewaffer  gefpeift.
Diefs  hatte  folgende  Nachtheile:  Ein  Theil  des  Salzgehaltes  des  Seewaffers
fammelte  fich  als  Salzfaum  an  der  Wafferoberfläche  des  Dampfkeffels  und  wurde
periodifch  durch  Ausblafehähne  immer  mit  Verluft  einer  grofsen  Menge  des
kochenden  Keffelwaffers  abgelaffen;  ein  anderer  Theil  incruflirte  die  Siederöhren
und  Ke  fiel  wän  de  Je  höher  die  Dampffpannung  und  je  heifser  das  Keffelwaffer
war,  defto  weniger  Salz  flieg  wohl  als  Salzfaum  an  die  Wafferfläche,  eine  deflo
flärkere  Incruflation  aber,  welche  überdiefs  um  fo  fefter  an  den  Rohr-  und  Keffelwänden
  haften  blieb,  war  die  Folge.  So  war  vor  Einführung  der  Oberflächen
Condenfation  das  Arbeiten  mit  hoher  Dampffpannung  unmöglich.  Bei  der  Oberflächen-Condenfation
  nun  wird  der  Dampf,  nachdem  er  in  der  Mafchine  gewirkt
hat,  nicht  durch  Mengung  mit  kaltem  Waffer,  fondern  dadurch  condenfirt,  dafs  er  im
gefchloffenen  Raume  eine  Combination  von  Röhren  beflreicht,  durch  welche
continuirlich  kaltes  Waffer  circulirt,  und  deren  fonach  immerwährend  kalt  gehaltene
Oberfläche  den  fie  berührenden  Dampf  in  deftillirtes  Waffer  verwandelt.  Diefes
Waffer  wird  mittelft  Luftpumpen  aus  dem  Condenfationsgehäufe  (in  welchem
nahezu  Vacuum  herrfcht)  in  eine  kleine  Cyfterne  gepumpt  und  von  da  mittelft
gewöhnlicher  Keffel-Speifepumpen  oder  InjecToren  wieder  in  den  Dampfkeffel
zurückgefchafft.  Der  Dampfkeffel  wird  fo  immer  mit  demfelben  falzfreien  Waffer
gefpeift  und  nur,  um  den  Antheil,  welcher  durch  Undichtigkeit  verloren  geht,
wieder  zu  erfetzen,  fowie  um  die  inneren  Keffeltheile.  welche  durch  deftillirtes
Waffer  und  befonders  durch  die  von  der  Kolbenfchmiere  und  den  Stopfbüchfen
in  den  Keffel  gelangten  Fetttheilchen  leicht  angegriffen  würden,  durch  eine
mäfsige  Incruflation  zu  fchützen  ,  wird  immer  auch  etwas  frifches  Seewaffer  mitgefpeift.

Durch  die  Oberflächen-Condenfatoren  ward  alfo  für  die  Dampfkeffel  der
Seefchiffe  das  Hindernifs  der  Seewaffer-Speifung  eliminirt  und  die  Möglichkeit
des  Arbeitens  mit  hochgefpanntem,  überhitztem  Dampfe  und  grofser  Expanfion
geboten,  und  wenn  auch  die  bisherige,  allgemeine  übliche  Ueberhitzung  des
Dampfes,  wie  gelegentlich  der  fpäter  folgenden  Befchreibung  der  Mafchine
r Frifia“  dargethan  wird,  ihre  Mängel  hat,  fo  haben  doch  im  Ganzen  die  feit  der
Oberflächen-Condenfation  realifirten  Verbefferungen  den  Kohlenverbrauch  nahezu
um  ein  Dritttheil  vermindert.
Auch  hatten  die  fämmtlichen  ausgeftellt  gewefenen  Mafchinen  für  Seedampfer, ­
  mit  Ausnahme  der  von  der  Societe  John  Cocquerill,  Oberflächen-Condenfatoren ­
  und  alle  Dampfer  der  Handelsmarine  für  Seefahrt  und  Binnengewäffer,
mit  Ausnahme  der  eben  genannten  Mafchine,  Hochdruck-  und  Compoundfyftem.
Nur  für  Kriegsfchiffs-Mafchinen  über  3000  Pferdekräfte  wird  ,  obgleich
durchgehends  Oberflächen-Condenfatoren  verwendet  werden,  bis  jetzt  noch  nicht
mit  höherer  Dampffpannung  als  30  Pfund  Druck  gearbeitet,  und  wird  hiefür
zumeifl  als  Grund  angegeben,  dafs,  da  die  Bewegungstheile  der  Dampfmafchine
immer  der  höchften  Initialfpannung  entfprechend  conflruirt  werden  muffen,  eine
weit  getriebene  Expanfion  ganz  koloffale  Dimenfionen  zur  Folge  hätte  ,  bei
befchränkter  Expanfion  aber  Mitteldruck-Mafchinen  ausreichen.
Was  die  Aufftellungsweife  der  Mafchinen  anbelangt,  fo  find  bei  den
Schraubendampfern  für  den  Handelsverkehr  jetzt  fafl  ausnahmslos  Overhead-Mafchinen,
  das  find  folche  Mafchinen  in  Verwendung,  bei  denen,  wie  bei  Dampfhämmern, ­
  die  Achfe  des  Cylinders  vertical  und  der  Cylinder  oberhalb  der  Triebachfe
disponirt  ift;  bei  Raddampfern  find  die  bekannten  ofcillirenden  Mafchinen,  jedoch
            
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