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Full text : Schuhwaaren (Gruppe V, Section 9), officieller Ausstellungs-Bericht

Tapezirarbeiten  und  Decoration.

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Links  treten  wir  in  ein  Speifezimmer  Louis  XIII  ,  welches  im  Totaleinclruck
  (ich  als  das  gelungenfte  von  fämmtlichen  Räumen  repräfentirt.  Schon  im
Stile  felbfb  liegt  eine  Gediegenheit  und  Eleganz,  welche  einen  inneren  Raum
lehr  wohnlich  machen.  Die  Lamperien,  das  Buffet,  die  Tifche  und  die  Stühle
find  aus  fchwarzem  Holze,  die  Wände  mit  Imitationen  von  altem  Leder,  die  Stühle  von
rothem  Leder  mit  Application  und  die  Vorhänge  von  dazu  paffendem  Tuch.  Im
Hintergründe  fehen  wir  ein  Rauchzimmer  in  maurifchem  Stile  in  Verbindung
mit  einem  Wintergarten,  dasfelbe  hat  eine  ganz  gute  decorative  Wirkung,  jedoch
bleiben  die  Form  der  Möbel,  fowie  die  Ausführung  weit  hinter  dem  Uebrigen
zurück.
Indem  wir  hiemit  die  Reihe  der  franzöfifchen  Ausftellcr  beenden,  wollen
wir  nun  zum  Schluffe  des  Berichtes  übergehen  auf  Oefterreich.
Oe  ft  erreich.  Abgefehen  von  jenen  Schwierigkeiten,  mit  welchen  die
öflerreichifchen  Fabrikanten  in  den  letzten  Jahren,  theils  durch  Ueberhäufung
mit  Aufträgen,  theils  durch  die  fortwährend  anhaltenden,  die  Erzeugung  und  den
Fortfehritt  hemmenden  Arbeiterverhältniffe,  gearbeitet  haben,  haben  diefe  gewifs
das  Erftaunlichfle  geleiflet.  Den  eminenteflen  Beweis,  dafür  bietet  uns  der  durch
patriotifchen  Ehrgeiz  auf  wahrhaft  zauberhafte  Weife  entflandene  Hofpavillon!
Wir  finden  keinen  anderen  Ausdruck,  als  zauberhaft,  im  Verhältniffe  zu  der  gegebenen ­
  Zeit  zur  Herftellung  eines  Objektes,  würdig  der  Wiener  Induftrie  und  zugleich ­
  würdig,  um  als  Ausflellungsobjekt  und  Richtfchnur  der  Wielier  Tapezirarbeiten ­
  angenommen  zu  werden.  Der  inneren  Ausfchmückung  unterzogen  fich
die  Herren  J.  H  aff  a  &  S  o  h  n,  F.  H.  S  che  n  z  e  1,  M.  Orley  und  A.  Fix.  Wir
wollen  der  allgemeinen  Anerkennung  nicht  noch  unfere  fpecielle  hinzufügen,
fondern  nur  im  Verlaufe  bei  den  einzelnen  Herren  die  von  ihnen  eingerichteten
Zimmer  erwähnen;  wir  beginnen  daher  fofort  mit  der  Collekttivausflellung  der
Wiener  Tapezirer,  bei  welcher  fich  die  Einflüffe  der  obigen  Bemerkungen  am
erften  Blick  erkenntlich  machten  durch  das  Nichtbetheiligtfein  von  fo  mancher
bedeutenden  Firma,  welche  unter  günftigen  Verhältniffen  gewifs  noch  vieles
Schöne  gebracht  hätte.
Herr  Heinrich  Backe,  k.  k.  Hoftapezirer,  flellte  ein  completes
Schlafzimmer  aus  mit  Plafond-  und  Wanddecoration  in  imitirtem  Stuck,  die
Wandflächen  mit  dem  gleichen  Stoff,  wie  die  darin  flehenden  Möbel  befpannt.
Die  Einrichtung  befleht  aus  einem  Bette,  Spiegel,  Wäfch-  und  Wafchkaflen,
Nachtkäflchen  und  einem  Tifche  nebfl  einer  Chaife  longue  und  zwei  Fauteuils,
die  mit  befonderem  Fleifse  ausgeführt  find.  Die  Stoffe  der  Sitzmöbel  und  der
Bettvorhänge  find,  um  eine  kleine  Unterbrechung  in  der  grünen  Grundfarbe,
welche  fowohl  bei  den  Kälten,  Wänden  und  Möbeln  durchgeführt  ifl,  zu  erzielen, ­
  mit  leicht  hingeworfenen  Blumenflräufschen  und  Schmetterlingen  geflickt,
durch  welche  ein  recht  hübfeher  Effekt  gefchaffen  wurde  und  vielfeitige  Anerkennung ­
  fand.  Was  jedoch  den  praktifchen  Gebrauch,  das  ifl  als  Schlafzimmer  für  eine
Dame,  betrifft,  fo  dürfte  das  viele  intenfive  Grün  im  Verhältniffe  zur  Gefichtsfarbe,
und  fei  diefe  auch  noch  fo  blühend  rofig,  nur  zu  bald  feine  Mängel  zeigen.
Herr  Bamberger  gehört  zu  jenen  Fabrikanten,  welche  fich  nicht  begnügten, ­
  blos  Plübfches  und  Gefchmackvolles  auszuflellen.  fondern  er  richtete  fein
Hauptaugenmerk  auf  die  Darftellung  einer  neuen  Art  von  Decoration,  und  zwar
indem  er  ein  completes  Rauchzimmer  ausführte  in  Copien  ungarifcher  Rohprodukte, ­
  fo  zum  Beispiele  die  gewöhnliche  Rohrdecke  zum  Befpannen  der  Wände,
eingerahmt  mit  einer  hübfehen  Goblinbordure,  Tabakblätter  und  Blüthen  darflellend.
  Auch  der  Teppich  ifl  in  ähnlicher  Weife  ausgeführt;  ja  felbfl  bei  der
Paffementrie  wurde,  fo  weites  eben  möglich  war,  der  Tabak  und  deffen  Bliithe  als
Motive  benützt;  diefelbe  ifl  mit  befonderem  Gefchmack  und  Fleifs  ausgeführt
(von  den  Herren  Luckfchanderl  und  Chwalla).  Was  die  Formen  der  Sitzmöbel
betrifft,  fo  finden  wir  dafelbfl  ein  Stück,  welches  feiner  originellen  und  zugleich
            
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