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Full text: Schuhwaaren (Gruppe V, Section 9), officieller Ausstellungs-Bericht

Tapezirarbeiten und Decoration. 
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weife der nationale Stolz oder ein kaufmännifches Intereffe die einzelnen Aus- 
fteller veranlafst hat, Möbel im eigenen Lande zu erzeugen oder in Wien ange 
fangene Arbeiten in Peft fertig zu machen, fo ifl es doch bekannt, dafs der grofste 
Theil der hübfchen und belferen Möbel für gewöhnlich von Wien bezogen wird, 
und dafs von allen Kronländern nach Ungarn, refpeaive Peft am meiften abgefetzt 
wird und zwar nicht allein für Möbel, fondern auch für alle übrigen zur Decora 
tion gehörenden Gegenftände, als Stoffe, Poffementrie etc. u rf 
Zu den hervorragenden Vertretern gehört in erfterLinie Herr J. C. Holt 
mann aus Peft, welcher in einem Pavillon einige recht hübfche Phantafiemöbel 
ausftellte, zu deren Montirung jedoch zumeift Wiener Fabricate benutzt find, als 
Stoffe von CarlGiani und Poffementrie von Luckl chand e r 1 und C h walla. 
Kramer Samuel aus Peft eine in Nufsholz gefchnitzte, fehr nett gearbei 
tete Garnitur, mit rothbraunem Tuch bezogen. . D , 
Herold Johann aus Peft eine in fchwarzem Holz gearbeitete, mit Perl 
mutter eingelegte und braunem Atlas bezogene Saloneinrichtung, deren Tapezi- 
rung übrigens noch manches zu wünfchen übrig läfst. 
Hiemit wäre unfer Bericht eigentlich fchon zu Ende, allem noch muffen 
wir zweier wichtiger Fadtoren gedenken, ohne welche die Decoration und Tape_ 
zirung nicht gedacht werden kann, da fie fich eben gegenfeitig ergänzen. Es lind 
diefs die Stoffe, Stickereien und die Poffementrie. Was wären viele der ausgeltell- 
ten Objedte ohne das Relief, welches entweder das Eine oder das Andere oder 
beide vereint im harmonifchen Zufammenwirken ihnen gab ! 
Für die beiden erften Fächer müffen wir den Herrn Carl Giani als Möbel- 
ftoff-Fabrikanten und Kunftfticker erwähnen. Derfelbe wufste durch feine grofse 
Sachkenntnifs, feinen ausgezeichnetenGefchmack und imBewufstfein, dafs er fein 
Fach beherrfcht, fo in den Gedanken der Ausfteller einzugehen fo verfchiec en- 
artige Stoffe zu weben, dafs wir ob diefer Mannigfaltigkeit geradezu erftaunten, 
während uns feine Stickereien entzückten, und wir glauben nicht zu viel zu fagen^ 
wenn wir behanpten, dafs mit wenig Ausnahmen fall jedes ofterreichifche Objedt 
unferes Faches von feinen Fabricaten Gebrauch machte. 
Ebenfo trat uns im Poffementriefache fall wo wir hmblicken die hirma 
Luckfchanderl und Chwalla mit ihren eminenten Leitungen entgegen, 
welche einen Vergleich mit den franzöfifchen Fabricaten nicht mehr zu fcheuen 
brauchen, fondern, da f.e auf gleicher Höhe mit ihnen flehen, von nun an auch 
concurriren können, was vor uns fchon faft fämmtl.che fachmanmfche Befucher 
der Ausftellung anerkannten. 
Mit diefen Ausführungen glauben wir nun den vollftandigften Beweis für 
unfere die Fabricate Oefterreichs einleitenden Worte geliefert zu haben und es 
kann daher, nachdem wir in diefem Artikel auf der Hohe unferer Zeittftehe£ 1 
mehr eines geringen Impulfes bedürfen, um den Import franzofifcher Artikel zu 
verhindern und dem Exporte freie Bahn zu brechen.
	        
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