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Full text : Lederwaaren (Gruppe VI, Section 2), officieller Ausstellungsbericht

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Ifidor  Schnek.

gefchmackvolle  Ausftattung  an  fchönem  Ausfehen  gewonnen  und  werden  namentlich ­
  in  Oefterreich,  Rufsland,  England  und  Deutfchland  maffenhaft  erzeugt
In  Waaren  von  Hartgummi  find  in  erfter  Linie  die  Kautfchukkämme  zu
nennen,  welche  durch  fortwährende  Verbefferungen  in  den  letzten  Jahren  nahezu
den  höchften  Grad  der  Vollkommenheit  in  der  Erzeugung  erreicht  haben  fowohl
bezüglich  der  Ausführung  durch  Gediegenheit  der  Arbeit,  als  auch  bezüglich
des  Preifes.  Wefentlich  haben  zum  Auffchwunge  diefes  Artikels  die  in  letzter
Zeit  erfundenen  fmnreich  conftrnirten  fogenannten  Doublirmafchinen  beigetragen
welche  eine  fparfame  Verwendung  des  Materials  ermöglichen.  Durch  diefe  Mafchinen
können  nämlich  die  verfchiedentlen  Fa^ons  von  Kämmen  aus  einem  Stücke  Kau*
fchuk  ohne  Materialverluft  erzeugt  werden,,  indem  durch  einen  Druck  zwei
Kämme  immer  zugleich  erzeugt  werden,  welche  Zahn  an  Zahn  ausgeprefst  werden
Es  ift  daher  leicht  erklärlich,  dafs  die  Kautfchukkämme  nach  und  nach
die  Hornkämme  und  felbft  die  Elfenbeinkämme  verdrängen.
Galanteriewaaren  aus  Hartgummi  fanden  wir  wohl  nur  durch  wenige
Ausfteller  vertreten,  jedoch  in  einer  Vollkommenheit,  dafs  felbe  die  Bewunderung
des  Laien,  fowie  des  Fachmannes  anregen  mufste.  b
Wir  kommen  fpäter  bei  Befprechung  der  Ausftellungsobjede  nach  Ländern
auf  diefe  höchfl  intereffante  Expofition  zurück.
Artikel  für  technifc  he  Zwecke  fanden  wir  in  der  verfchiedenartigflen
Weife,  wenn  auch  nicht  maffenhaft,  aber  doch  in  vorzüglichfter  Qualität  aits
geftellt.  Und  fo  wie  es  fad  keine  Mafchine  gibt,  bei  welcher  nicht  Kautfchuk
theils  als  Schlauch,  theils  als  Dichtungsmaterial,  als  Zugkraft  oder  als  Mittel’
einen  Stofs  zu  vermindern,  in  Anwendung  gebracht  wäre;  fo  finden  wir  mehrefe
neue  Artikel  in  der  finnreichften  Weife  für  Specialitäten  technifcher  Zwecke
conftruirt,  die  in  mannigfaltigfler  Art  benützt  werden.
Guttapercha  unterfcheidet  fich  wefentlich  von  Kautfchuk,  denn  obwohl
Guttapercha  aus  einem  dem  Kautfchuk  ähnlichen  Milchfafte  eines  Baumes  (Ifonandra
Gutta  Hooker)  befiehl,  der  in  den  tropifchen.  Ländern,  namentlich  auf  Singapore
und  den  benachbarten  Infein  auf  der  Südfpitze  von  Malacca  etc  etc  einheimifch
ift,  hat  dasfelbe  nicht  die  Eigenfchaft  der  Elaflicität  und  ift  auch  nicht  zur
Vulcanifirung  geeignet.
Im  Urzuftande  ift  dasfelbe  trocken  und  hart,  wird  aber  bei  einer
Temperatur  von  30  Grad  formungsfähig.  Zwar  find  die  Hoffnungen,  welche
man  feiner  Zeit  auf  das  Guttapercha  gefetzt,  nicht  erreicht  worden  •  ’  dagegen
findet  dasfelbe  eine  höchft  wichtige  Anwendung  und  Verwerthung  als  Ifolirungsmatenal
  zu  Telegraphen  und  in  neuefter  Zeit  ein  unentbehrliches  und  bis  iet2t
nicht  erfetzbares  Material  zur  Erzeugung  des  Kabels.  J
Eine  ebenfo  wichtige  und  nützliche  Verwendung  findet  das  Guttapercha
für  hygienifche  Zwecke  als  Guttapercha-Papier  und  Guttapercha  -  Leinwand
Wir  bringen  nachfolgend  eine  Tabelle  über  die  Ausfuhr  von  Kautfchuk
aus  Para  feit  15  Jahren,  fowie  die  Preisbewegung  und  den  Vorrath  in  jedem
Monate  feit  dem  Jahre  1861  bis  1872  nach  amtlichen  Berichten.  Es  ift  dadurch  für
den  Fachmann  fo  mancher  Anhaltspunkt  zu  Studien  geboten,  da  wir  einerfeits
finden,  wie  bei  dem  erhöhten  Bedarfe  auch  der  Preis  succeffive  fich  gehoben,  und
wie  wieder  anderfeits  bei  grofsen  Vorräthen  in  Folge  fchlechten  Gefchäftsganges
  oder  in  Zeiten  des  Krieges  etc.  der  Preis  rafch  gewichen  ift.
Siehe  Tabellen  Seiten  10  und  11.
Indem  wir  daran  gehen,  die  Leiftungen  der  einzelnen  Ausfteller  nach
Landern  zu  beurtheilen,  können  wir  nicht  unterlaffen,  das  Bedauern  darüber
auszudrücken,  dafs  fich  mehrere  der  gröfsten  und  bedeutendften  Kautfchukfabriken
  Englands  von  der  Ausftellung  fern  gehalten  haben  ,  wodurch  fo
manche  Lücke  in  den  exponirten  Artikeln  entftand.
            
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