Buchhandel und Literatur des Auslandes.
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Publicationen ausgegangen find und neben diefen als jüngere Kräfte die gelehrte
Stilkünftlerin Mifs Evans, Re ade, der Nachfolger von Dickens und Thackeray,
der Vertreter des chriftlich-focialen Romans Kingslay, der aus fernen Welten
fchöpfende Trollope, der Effayift Henry Holbeach und bezeichnender
Weife ein deutfcher Schriftfteller, Julius Rodenberg, deffen in englifcher
Sprache gefchriebener Originalroman „King by the GraceofGod“ felbftvon Briten
zu den beften Erzeugniffen der Nationalliteratur gezählt wird. Die in ihrer Art
merkwürdig gefchickten, phantafiereichen und in der Detailmalerei den guten
Schriftftellern ebenbürtigen Verfaffer von Senfationsromanen, wie Mifs Braddon,
Miftr. Booth, Capitän May ne Raid und Andere mehr, waren in unferem Zeit
raum gleichfalls nicht müfsig und überfchwemmten nicht nur den englifchen
Markt mit ihren für die Leihbibliotheken unentbehrlichen Produkten.
Ein Seitenblick auf die englifche Literatur in Amerika gewährt die inter-
effante Wahrnehmung, dafs fich mitten in dem Getriebe der effecfthafcherifchen
Tagesliteratur und praktifch nüchterner Publicationen eine poetifche, fchwärme
rifch und mitunter religiös angehauchte Richtung geltend zu machen weifs. Einen
nationalamerikanifchen Zug weift diefe Richtung in den heben Gefängen auf, in
denen Joaquin Miller, der rafch berühmt gewordene Sänger der neuen
Welt, feine Erlebniffe im Lande der Goldgräber in phantaftifcher Einkleidung
berichtet. Bemerkenswerth ift ferner L o n g f e 11 o w s „The divine Tragedy“, ein
ftreng religiöfes Paffionsgedicht, das hch mit feiner erkünftelten Begeifterung den
berühmten Liedern des amerikanifchen Dichters nicht an die Seite ftellen kann.
Auch in Italien hat die Vollendung des grofsen politifchen Einigungs
werkes zunächft noch keinen hchtlichen Einflufs auf die Pflege der fchönen
Literatur ausgeübt. In Manzoni wurde der Beherrfcher der grofsen reformatori-
fchen Bewegung auf literarifchem Gebiete zu Grabe getragen, ohne dafs ein gleich
umfaffender und energifcher Geift feine Erbfchaft angetreten hätte. In der Kunft-
form mafsgebend für das ganze jüngere Poetengefchlecht Italiens ift Manzoni mit
feinen philofophifchen und politifchen Gedanken nicht mehr tonangebend. Die
italienifche Literatur ringt nach einem neuen Inhalte und wie in allen ähnlichen
Perioden wird die Produtftion von der Kritik überwuchert; unterdeffen fehlt es
nicht an poetifchen Verfuchen, welche ein literarifches Mittelgut repräfentiren. Die
Lyriker Prati, Aleardi, Zanella haben fleh durch patriotifche Lieder einen
angefehenen Namen gemacht. G i o f u h Carducci erwarb fleh durch feine mafslos
leidenfchaftlichen Gefänge viele Anhänger und ein bemerkenswerthes B uch ift der
Piccolo Romanziere von Enrico Panzachi, eine Nachahmung des bekannten
Romanzenkranzes von Heine. Auf dramatifchem Gebiete wird fehr viel producirt
um dem Tagesbedürfnifs der Bühnen zu genügen. Originalftücke treten an Stelle
der franzöfifchen Produkte, die man allmälig gänzlich aus den italienifchen Thea
tern verdrängt hat. iVeben dem Luftfpiel, das fleh in den hergebrachten italieni
fchen Formen bewegt, behaupten das Rührdrama und das Senfationsftück die
erfte Stelle. Durch glückliche Verfuche, auf komifchem Gebiete die clafflfchen
Traditionen zu bewahren und zugleich modernen Inhalt in die alten Formen zu
giefsen, that fleh F errari hervor; neben ihm find Coffa, der noch immer pro-
du(ftive G.i acometti, C o ft e 11 i, Carrera undCavallotti, der demokratische
Tendenzdramatiker, zu nennen.
Am fchwächften ift der Roman vertreten, auf deffen Gebiete nur die Verfuche
Guerzoni’s und D o n a t i ’s eine edlere Richtung anbahnen. Im Uebrigen herrfcht
die Nachahmung franzöflfeher Autoren und eine krankhaft fentimentale Richtung,
welche der höheren Bildung ermangelt. Der gediegene hiftorifche Roman, der fo
lange Zeit in Italien blühte, hat gegenwärtig keinen Vertreter. Ernft, erfolgreich
und umfaffend war das Streben der italienifchen Nation in den letzten Jahren
auf wiffenfchaftlichem Gebiete, fowohl was die Naturforfchung, als was die
Gefchichte und Archäologie anlangt. Die hiftorifche Forfchung hat durch die