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Full text: Allgemeine Bildungsmittel (Gruppe XXVI, Section 6), officieller Ausstellungs-Bericht

Buchhandel und Literatur des Auslandes. 
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Wer die wahrhaft überwältigend grofse Summe geiftiger Arbeit in der Au 
fteilung erblickte, der erhielt ein Gefühl davon, wie inmitten der Hüllen wechfel- 
voller und verwirrender politifcher Bewegungen, wie in den vergänglichen Formen 
von Komgthum, Kaiferthum und Republik, lieh ein Kern rüftig vorfchreitender 
ungemein emfiger Nationalarbeit behauptet hat. 
Die Lichtfeite des Strebens nach Gloire, das fo oft über Europa und Frank 
reich feinen dufteren Schatten geworfen hat, trat hier in dem traditionell bewahrten 
Inncip der Franzofen, die Machtfrage als eine Culturfrage aufzufaffen, zu Tage 
Eln Blld vieljähriger und erfolgreicher Thätigkeit in Erforfchung dei fran- 
zonfehen Gefchichte gewann man auch aus den nationalen Archiven (Paris i und 
grofse Leiftungen auf dem Gebiete der Specialforfchung wies die Societe’ des 
antiquaires de Normandie auf. 
Um von der literarifchen Produktion Frankreichs überhaupt ein über- 
fichtliches Bild zu geben und die Vertheilung der Arbeit auf die verfchiedenen 
Gebiete der Literatur erkennen zu laffen, foll hier ein ftatiftifcher Nachweis über 
die Anzahl der im Jahre 1869 erfchienenen Bücher folgen. Es wird abfichtlich 
das letzte Jahr vor dem grofsen deutfch-franzöfifchen Kriege gewählt weil in der 
Folgezeit die produktiven Arbeiten felbftverftändlich aus ihren regelmäfsigen 
Bahnen gelenkt und überdiefs die ftatiftifchen Nachweifungen aus den folgenden 
Jahren mannigfach behindert wurden. ö 
Im Jahre 1869 wurden nach einer an der Hand des Rheinwald’fchen 
Gefammtkataloges vorgenommenen Zählung nahezu 4800 Bücher auf den Markt 
gebracht. Diefelben vertheilen fich folgendermafsen auf die verfchiedenen Gebiete 
der literarifchen Produktion: 
Theologie 403 (329 katholifche, 68 proteftantifche, 5 ifraelitifche und 
i gnechifch-katholifches Werk), Philofophie 119, Rechtswiffenfchaften 258 (Legis 
lation und Adminiftration), Staatswiffenfchaften 98, Handel und Finanzen 37 
Gefchichte fammt ihren Hilfswiffenfchaften 382, Politik 364, Biographien 112, Geo 
graphie 169, fchöne Literatur im Ganzen 937, darunter 282 kritifche Werke und 
Gefammtausgaben berühmter Autoren, 332 Romane, 215 dem Theater gewid 
mete Werke und zwar 32 kritifche und 182 Theaterftücke, endlich 108 poe- 
tifche Werke, theils lyrifchen, theils epifchen Inhaltes. Naturwiffenfchaften 
(allgemeiner Natur, Phyfik, Chemie, Anthropologie, Zoologie, Botanik, Mineralogie, 
Geologie, Paläontologie) 242, Medicin 402, Mathematik 215 (mit Einfchlufs der 
Werke über Aftronomie, Optik, Militärwiffenfchaft und Schifffahrt), Techno 
logie 303, worunter Eifenbahn, Afafchinenwefen, Kunftgewerbe, Agricultur 
Gartenbau und Hauswirthfchaft, fchöne Künfte 169, darunter 22 allgemeine,’ 
14 architektonifche, 46 über Malerei und Sculptur, 16 muficalifche, 7 photo- 
graphifche und endlich 64 Werke, welche fich mit Archäologie und mittel 
alterlicher Kunft befchäftigen. Philologie und Linguiftik 160, 14 über Sprachen 
überhaupt, 50 über orientalifche, 57 über claffifche und 39 über moderne Sprachen 
Erziehungsfchriften 223, darunter 97 Lehrbücher, 94 Jugendfchriften und 
32 pädagogifche Werke. Die in diefer Aufzählung nicht enthaltenen 172 Schriften 
find Annalen, Almanache und Monographien verfchiedenen, aufserhalb der ange 
führten Fächer liegenden Inhaltes. Wie man aus diefer Aufzählung erfieht, ift auf 
dem Gebiete der fchönen Literatur der Roman, auf dem der Wiffenfchaft’ Theo 
logie, Medicin, Gefchichte und Politik am ftärkften vertreten. Diefes Verhältnifs 
ift als ein im Wefentlichen gleiches auch in den Jahresüberfichten von 1867 
und 1868 wahrzunehmen.* 
r v ■ t^ S , Mafsftab zur Vergleichung mögen hier ftatiftifchen Daten dienen, aus denen 
ich ein Durchfchnittsmafs der literarifchen Gefammtproduftion in Deutfchland entnehmen 
lafst. Von 1851 bis Ende 1872 hat der Buchhandel Deutfchlands etwa 200.000 Novitäten auf den 
Markt gebracht, in mäfsiger Steigerung jährlich etwa 10.000. Eine detaillirtere Ueberficht ift in 
dem Berichte des Herrn R. Lechner zu finden.
	        
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