Buchhandel und Literatur des Auslandes.
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Obwohl nicht unmittelbar auf unferGebiet gehörig, darf das South Ken-
singtonMufeum wegen feines grofsen Einfluffes auf Kunft und Literatur nicht
übergangen werden. Durch feine Sammlungen, die damit verbundenen Belehrun
gen und einfchlägigen Vorträge verbreitet es Einficht und Bildung in den weiteften
Kreifen und hat fowohl dadurch, wie durch den Zeichenunterricht und die Heran
bildung von Zeichenlehrern und Werkführern für das Kunftgewerbe, eine ganze
technifche Literatur hervorgerufen.
Aus den britifchen Colonien in Indien lagen mehrere beathtenswerthe
Zeugniffe eines fyftematifchen Strebens nach Bildung und Civilifation vor. Auf
unferem Gebiete ragten die Ausftellungen des LocalcomitösvonMadras,Ias
Bücher, Zeitungen und Erziehungsfchriften vorlegte, des ComitesvonBombay.
das Schriften, Karten und Zeitungen zur Einficht auflegte, des Localcomites der
nordweftlichen Provinzen, das unter anderen Werken eine fehr umfaffende Biblio-
theca Indica ausgeftellt hatte, die Regierung von Bombay mit ihrem unter
Anderem zur Ausheilung gebrachten Wörterbuche der Sanskrit-Wurzeln und dem
Gloffarium über die Zend-Avefta und endlich Dr. Leitnerin Lahore mit zahl
reichen Zeugniffen feiner civilifatorifchen Wirkfamkeit hervor. Der letztgenannte
Gelehrte, deffen in Indien gedruckte Werke in mehreren Sprachen ausgeftellt
waren, hat die gröfsten Anftrengungen für Erziehung und Bildung gemacht und
widmete nicht nur feine ganze geiftige Kraft, fondern auch einen grofsen Theil
feines Vermögens (300.000 fl.) den von ihm verfolgten Culturzwecken. Intereffant
war es, einen Einblick in die grofse Verbreitung des Zeitungswefens im englifchen
Indien zu gewinnen; es erfcheinen zahlreiche Tagblätter und Fachzeitungen in
der Sprache der Eingeborenen, Urdoo- und Hindu-Zeitungen, Zeitungen in der
Punjab-Sprache, in Myfore „Canavefifche Gefpräche über Gerichtsfachen“
und andere.
Nordamerika. So wenig die Bücherausftellung der Vereinigten Staaten
geeignet war, auch nur ein fchwaches Bild der literarifchen Bewegung und der
buchhändlerifchenInduftrie jenfeits des atlantifchenOceans zu geben, fo gewährte
doch das Wenige und Fragmentarifche einen wahrhaft überrafchenden Ausblick
auf die Thätigkeit, durch welche in der gröfsten aller Republiken von Staats
wegen die geiftige Arbeit unterftützt wird. Wenn man fo oft mit kühlem Lobe,
oder gar mit Tadel der amerikanifchen Nüchternheit gedenkt, wenn theoretifche
Gelehrte, Dichter und Künftler fich fo oft von einem Staatswefen glauben abwen
den zu mülfen, in dem der dominirende praktifche Sinn jedes abfolut ideale Streben
zurückzudrängen fcheint, fo koftet es Nichts, als einen ernften Einblick in die
literarifche Gefammtthätigkeit Nordamerikas, um zu erkefinen, dafs der materielle
Gewinn, auf den die Amerikaner mit fo viel Nachdruck im Einzelnen hinarbeiten,
im Grofsen und Ganzen wiederum in imponirend grofsem Style der geiftigen
Arbeit zugewendet wird, und dafs fich in der alle fürftliche Grofsmuth weit über
ragenden Unterftützung der Schulen und aller ernften wiffenfchaftlichen Disci-
plinen dasStreben offenbart, das, was den Vereinigten Staaten an einer hiftorifchen
Entwicklung der Literatur abgeht, durch ausgedehnte, verzweigte und reich
dotirte Stiftungen in modernem Geifte zu erfetzen.
Von dem immenfen Bücherreichthum Nordamerikas, das die induftrielle
Seite des Buchhandels zur höchften Blüthe gebracht und in der Menge der Pro-
dudtion die alte Welt weitaus übertroffen hat, gab die Ausftellung kein entfpre-
chendes Bild.
Von den grofsen Verlagsfirmen waren nur Harperbrothers & Comp,
in New York, ein Haus, das 600 Menfchen befchältigt und jährlich über 2 Mil
lionen Bücher verkauft, und L i p p i n c o 11 & Comp, in Philadelphia, vielleicht
das gröfste Verlagsgefchäft der Welt, in hervorragender Weife vertreten. Neben
diefen fiel die Ausftellung der Firma Appleton & Comp, in New York durch
das grofse topographifche Werk über Nordamerika vortheilhaft auf. Einen tieferen