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Full text : Allgemeine Bildungsmittel (Gruppe XXVI, Section 6), officieller Ausstellungs-Bericht

Die  focial-ökonomifchen  Bildungsmitte!.

(

der  Arbeiter  am  Unternehmungsgewinn  die  Frage  des  Friedens  zwilchen  Arbeiter
und  Herrn,  gelöft  werden  follte.
Wenn  wir  die  ganze  Reihe  diefer  Inftitutionen  betrachten,  fo  ergibt
fich  unzweifelhaft  eine  Menge  hoch  ft  ftattlicher  Verfuche,  welche  die  fo
alte  Frage  zu  löfen  verfuchten.  Es  ift  heute,  als  ob  der  Gedanke,  der  England ­
  feit  Jahren  beherrfcht,  und  den  Thomas  Br  affe  y  in  feiner  Schrift
W  o  r  k  an  d  \\  ag  e  s  fchon  ausgelprochen  hat,  heute  allgemein  geworden  ift:  „The
Work  is  too  caft  for  any  Government  to  undertake.  It  can  only  be  accomplifhed
  by  fe  selfhelp,  and  felf  facrifice  of  the  whole  nation“.  Mag  alfo,  wie  wir  diefs
fchon  früher,  und  in  einem  Berichte  „über  die  fociale  Frage  auf  der  Parifer  Welt-'
ausftellung“  an  die  Vierteljahresfchrift  iür  Volkswirtschaft,  Cultur  und  Gefchichte
(Berlin  1867)  ausgefprochen  haben,  mag  alfo  der  Reiche  allen  gerechten  Forderungen ­
  lieh  geneigt  zeigen,  mag  der  Arbeiter  durch  Genügiamkeit,  Bildung  und
Mäfsigkeit,  fowie  durch  genaue  Kenntnifs  des  Arbeitsmarktes  zur  Hebung  feiner
Lage  beitragen.  Es  ift  nicht  die  Aufgabe  der  Menfchheit,  nur  durch  Kampf  und
’Zerftörung  fich  zu  entwickeln,  fondern  auch  durch  fügfames  Anfchmiegen  an  das,
was  Zeit  und  Erfahrung  als  gut  gereift  haben.
Wir  mufsten  diefs  vorausfchicken,  weil  es  fcheint,  als  ob  diefe  Gedanken
allmälig  allgemein  geworden  feien.  Zeigt  fich  ddch  auch  in  der  eigenthümlichen
Ruhe  der  beiden  Parteien,  welche  wiffenfchaftlich  am  kräftigften  die  fogenannte
fociale  Frage  durchgearbeitet  haben,  in  den  beiden  Parteien  der  deutfehen
Nationalökonomie,  von  denen  die  eine  dem  Gedanken  Schulze-Delitzlch’  und  der
Selbfthilfe  treu  geblieben,  die  andere,  welche  den  Namen  der  Kathederfocialiften
  als  befonderes  Kennzeichen  fich  zugezogen  hat,  und  eine  befondere
Neigung  zu  einer,  man  mufs  der  Wahrheit  gerecht  werden,  nur  fogenannten  Staatshilfe ­
  hat,  es  zeigt  fich,  dafs  die  ganze  focialiftifche  Bewegung  in  ein  Stadium  der  Ruhe
eingetreten  ift,  in  welchem  man  gewiffermafsen  den  alten  Errungenfchaften  Zeit
läfst,  fich  für  die  Dauer  zu  bewähren,  und  das  ab  und  zu  auftauchende  Neue  zu
einer  ftilleren  Gährung  zurückdrängt.  Die  Partei  der  deutfehen  Nationalökonomen ­
  und  ebenfo  auch  der  englifchen,  welche  durch  die  Selbfthilfe  die  grofsen
t  ragen  der  Zeit  zu  löfen  geftrebt  haben,  überlaffen  die  Gegenwart  und  hoffentlich ­
  auch  die  Zukunft  der  Wirkfamkeit  diefer  Gedanken  !  Die  Partei  der  fogenannten ­
  Kathederfocialiften,  welche  in  allen  Ländern,  zumeift  auch  in  England
Anhänger  hat,  und  in  Deutfchland  durch  hervorragende  Perfönlichkeiten  vertreten
wird,  hat  den  Gedanken  der  Staatshilfe,  von  jeher  ein  gefährliches  Wort,  feit
einiger  Zeit  und  zumeift  im  Odlobercongrefs  des  Jahres  1873  dahin  abgefchächt,
dafs  eigentlich  die  ganze  Frage  auf  das  Gebiet  der  Staatsverwaltung  hinübergefchoben,
  und  die  berechtigte  Reform  zahlreicher  wirthfchaftlicher  Gefetze  wie
der  Fabriks-Gefetzgebung,  der  Bauordnungen,  der  Gefetze  über  die  Schulpflicht ­
  u.  f.  w.,  die  uns  zum  Theile  aus  längft  vergangenen  Tagen  noch  anhaften,
als  Ziel  ihrer  Beftrebungen  ausgefprochen  wurde.
Ift  es  nun  wirklich  der  Fall,  dafs  die  Sicherheit  der  Ueberzeugung,  dafs
auch  die  Zeit  und  nicht  blofs  Wunfch  und  Wille  der  Menfchen  die  Organifation
der  Gefellfchaft  und  Ordnung  des  wirthfchaftlichen  Lebens  reifen  mufs,  immer
mehr  Platz  greift,  fo  mag  diefs  auch  der  Grund  fein,  dafs  die  Wiener  Weltausftellung
  wenig  auf  einzelnen  Gebieten,  gar  nichts  auf  anderen  Gebieten  der
h  ragen,  die  wir  hier  zu  betrachten  haben,  gebracht  hat,  und  dafs  es  eigentlich
dem  Berichterftatter  nur  oblag,  die  Gründe  diefes  Mangels  der  Ausftellung  in
Kurzem  und  Allgemeinem  darzulegen.
Die  Parifer  Ausftellung  hat  das  ganzeGebiet  vielfach  vollkommener  erfchöpft,
und  fünf  Jahre,  die  feither  vorübergegangen  find,  machen  wahrhaftig  einen
kurzen  Zeitraum  aus,  um  Neues  und  Epochemachendes  zu  fördern.  Wir  fahen
daher  auf  der  Wiener  Weltausftellung  weder  eine  felbftftändige  Gruppe,  noch
eine  felbftftändige  Secftion  dem  Gebiete  der  fogenannten  focialen  Frage  gewidmet.
            
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