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Dr. Carl Th. Richter.
zumeift durch Süddeutfchland einzelne Arbeiten derFrauenvereine zur Ausftellung
gebracht, und wir können daraus wohl erkennen, dafs man nicht ganz vergeffen
hat, die freilich auch in der Gruppenordnung nicht felbftftändig bedachte Frage
zu vertreten. Aber diefe einzelnen Arbeiten, welche die württemberg’fche
Commiffion für die gewerblichen Fortbildungsfchulen, von denen 50 in Württem
berg beftehen, die Arbeiten, welche der Vorftand des badifchen Frauenver
eines und das Comite ähnlicher Vereine in Darm (ladt zur Ausftellung gebracht
haben, können wohl ein Bild geben, wie Unterricht und Erziehung wirkfam find.
Keineswegs aber, wie diefe Anftalten organifirt und in welcher Weife ihre
Benützung durchgeführt ift. Der Berliner Handwerkerverein unter dem Präfidium
des bekannten Volksmannes Franz Dunker hat die Grundriffe feines Vereinshaufes,
einige Zeichnungen der Schüler feiner Erziehungsanftalten und eine Sprachlehre
mit einzelnen ausgewählten Lefeftücken vorgelegt. Dafs diefer Verein einer der
älteften, gröfsten und nützlichften Vereine für die Entwicklung des Arbeiter
ftandes ift, dafs diefer Verein zahlreiche andere gleiche Inftitutionen angeregt
hat, dafs er ein einigendes Band ift für den tüchtigen und ftrebfamen Hand
werker, das konnte man aus der Ausftellung nicht errathen. Bei diefer geringen
Betheiligung kann man eben nur lagen, dafs man feiten weifs, wie Ausftellungen
der idealen Bildungsmittel, des geiftigen Lebens der Menfchheit durchgeführt
werden follen. Wir können heute ganz beftimmte Antwort darauf geben, nachdem
die additioneile Ausftellung der Frauenarbeiten, wie fie Oefterreich muftergiltig
dargeftellt hat, praktifch zeigte, wie folche Ausftellungen gemacht werden follen.
Wir werden darauf gleich zurückkommen. Bei der Grofsartigkeit einzelner
focialer Inftitutionen fragen wir uns aber, wo denn jene Ausftellungsgegenftände
geblieben find, die fchon in Paris 1867 fo viel Aufmerkfamkeit erregten, die als
ein grofses Ganzes einer Arbeiterftadt auch leicht und höchft intereffant hätte
dargeftellt werden können. Wir meinen die Arbeiterftadt Mühlhaufen. Zwifchen
Mühlhaufen und Alternach an den beiden Ufern des Canales um die Stadt, in
unmittelbarer Nähe der Fabriken liegt jene von Blumen undBäumen gefchmückte
Arbeiterftadt, in der fich, ein Zeichen deutfchen Geiftes, trotzdem die ganze Anlage
unter dem napoleonifchen Regiment gefchaffen worden ift, in der fich Bäder und
Wafcheinrichtungen, Bäckereien und auf den Grundfätzen der Confumvereine
errichtete Verkaufslocale, die Bibliothek, eine vorzügliche Kinderbewahr-Anftalt
von den Frauen der Fabrikanten geleitet, eine Garküche für die unverheirateten
Arbeiter, ein Hofpital, ein Invalidenhaus u. f. w. befindet. Nichts von Alledem
war zu fehen.
InähnlicherWeifehat es Oefterreich gehalten und nicht ein Statut, nicht
eine gemeinnützige Anftalt, nicht einen Verein oder eine Genoffenfchaft konnten
wir auffinden. Nur die Kindergärten waren mit einzelnen Statuten, einzelnen
Spielen und Arbeiten vertreten. So wenig wie inDeutfchland man die ftatiftifchen
Berichte über die Entwicklung des Genoffenfchaftswefens von Schulze-Delitzfch fin
den konnte, fo wenig fand man in Oefterreich die vortreffliche Arbeit über das
Genoffenfchaftswefen von Dr. John, (Prag 1870). Nur der allgemeine Beamten
verein, jenes grofse, Oefterreich ganz originell angebörige Werk, hatte feine
Statuten und einen Rechenfchaftsbericht vorgelegt Wir können hier nur darauf
verweifen, und müfsten ein Buch fchreiben, wollten wir die Bedeutung diefes
grofsartigen, genoffenfchaftlichen Unternehmens des Weiteren kennzeichnen.
Man mufste die Unterrichtsabtheilungen verlaffen, die einzelnen Pavillons
unferer grofsen Bahnen auffuchen, um zu wiffen, dafs in. Oefterreich gar viel
befteht, was Zeugnifs ablegt von der glücklichen Erkenntnifs, dafs das Wohl
der unteren Volksclaffen insbefondere der Arbeiter die Grundlage für Wohl
fein und Gedeihen der Wohlhabenden und Reichen ift. Es ift bekannt, dafs
das grofse Etabliffement Johann Liebig & Comp. Vieles für feine Arbeiter
gefchaffen hat durch Schulen, Kinderbewahr-Anftalten, vorzüglich eingerichtete
Küchen- und Krankenpflege, wobei jedem Arbeiter während der Krankheit die