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Dr. Carl Th. Richter.
1872: So Schülerinen, die Arbeitsfchulen zufammen 146. Die Ausgaben betrugen
3370 fl. Das Vermögen betrug 8322 fl. 26 kr.
Diefe Vereine nun haben, von dem Wiener Frauenerwerb-Verein geleitet,
eine fo vorzügliche Ausftellung durchgeführt, dafs man an ihr lernen konnte, wie
Ausftellungen von Vereinen gemacht werden follen. Der Unterricht in den
Schulen war fyftematifch aufgebaut durch ftatiftifche Tabellen über den Schul-
befuch, die Stundenzahl und Stundeneintheilungen und flieg allmälig, die Unter
richtsordnung felbft repräfentirend, hinauf bis zur Veranfchaulichung der Refultate
des literarifchen und praktifchen Unterrichtes. Neben den Arbeiten der Nadel
und der Mafchine, in denen der Wiener Frauenerwerb-Verein fehr Bedeutendes
leiftet, fah man die Schreibhefte der Vorbereitungscurfe, die Gefchäftsbücher der
Handelsfchulen, wobei der Prager Frauenerwerb-Verein, unterftützt durch die
geringere Zahl der Schülerinen, Vorzügliches gefchaffen hat. Erft in diefem
Kreife der Ausftellung entwickelte fleh die Maffe der Ausftellungsgegenftände,
welche doch immer eine feftgefchloffene Einheit in den Statuten und Rechenfchafts-
berichten, reich mit ftatiftifchem Material ausgerüftet, Leben und Bewegung
des Vereines zeigten.
Und fo follen diefe Ausftellungen von Vereinen welcher Art immer durch
geführt werden. Einheit des Ganzen 'in Statuten, Rechenfchaftsberichten und
ftatiftifchen Tabellen, Entwicklung des Ganzen nach feinen einzelnen Theilen,
nach feinen nutzbaren Wirkungen durch veranfchaulichende Objedte.
Die Arbeiterwohnungen.
Schon die Ueberfchrift, welche wir diefem ganzen Abfchnitte unferer
Betrachtung gegeben, zeigt, dafs es uns nicht darauf ankommt, über Fragen,
welche den Civilingenieur angehören, irgendwie uns des Weiteren zu ergehen.’
Wir müffen es auch dem Berichterftatter über Gruppe XXII „das bürgerliche
Wohnhaus“, überlaffen, Vorzüglichkeit, Bequemlichkeit und Billigkeit von Bau
und Erhaltung bürgerlicher Wohnungen, foweit die Ausftellung dafür etwas geboten
hat, zu berichten, ebenfo wie es ihm anheim fällt, über Schönheit und Zweck-
mäfsigkeit der Einrichtung fein Urtheil abzugeben. Wir verfuchen auch keines-
"’egs in das Gebiet der Gruppe XVIII hinüberzugreifen und bei einem einzelnen
Theile zu berichten, was dem Bau- und Civilingenieur-Wefen, dem Hochbau und
Wafferbau, den Induftriebauten und dem Cultur-Ingenieurwefen angehört. Wir
wollen allein nach dem Ausgangspunkte, den wir in der Einleitung feftgeftellt
haben, jene Mittel und fociale Inftitutionen kennzeichnen, welche die Ausftellung
uns geboten hat und die berufen find, das Leben der Arbeiter und der unteren
Volksclaffen zu verbeifern. Und hieher gehört in erfter Richtung die Frage der
Arbeiterwohnungen und Wohnhäufer, die überwiegend und fo bedeutend einen
humanitären Charakter hat, dafs dabei die eigentlich technifche Seite, das Inge-
nieurmäfsige, vollftändig verfchwindet. Und darum nehmen wir den Bericht für
uns in Anfpruch und wollen in Kurzem die Refultate der Wiener Weltausftellung
kennzeichnen.
Die angeregte Frage gehört mit zu den noch ziemlich neuen und bildet
einen noch keineswegs vollftändig entfehiedenen Theil der fogenannten focialen
Frage. Man ift ja heute über das Princip noch nicht einmal einig und ftreitet noch
hin und her, ob das Kafernenfyftem oder das Cottagefyftem das eigentlich au
empfehlende fei. Man weifs alfo noch nicht einmal, ob die Frage der Wohnungen
und des Hausbefitzes blofs nach theoretifchen Grundfätzen und nach den Wiin-
fchen über das, was das befte ift, entfehieden werden foll oder ob dabei doch
auch die realen Verhältniffe, wie z. B. die Grund- und Bodenpreife, die Bau
ordnungen u. f. w. beachtet werden müffen. Es ift nicht unfere Aufgabe, diefe