130
Wilhelm von Lindheim.
Wünfchenswerth bleibt, dafs in Petersburg ein geologifches Inftitut
gegründet werde, was von der Generalyerwaltung der Minen übrigens auch in
Ausficht genommen wurde.
Die Berg-Gefetzgebung ift bezüglich der Goldwäfchereien in letzter Zeit
vollftändig reformirt worden; ebenfo ift ein neues Berggefetz im Königreiche
Polen und in den Gegenden der Petroleumquellen zu Stande gekommen; der
Salz-Bergbau ift freigegeben und find fomit in mancher Hinficht fchon zahlreiche
wefentliche Reformen ins Leben gerufen worden.
Der Bergbau ift nach diefen Principien in Rufsland im Allgemeinen ziem
lich frei, und die Einmifchung der Obrigkeit könnte fogar, um Raubbau zu ver
hüten und um die Sicherheit des Lebens zu vergröfsern eine bedeutendere fein,
als diefs gegenwärtig der Fall ift.
Nur ift immer noch ein fehr erfchwerender Umftand darin gelegen, dafs in
den meiften Fällen der Befitzer des zu Tage liegenden Terrains nach dem Gefetze
auch Befitzer der unterirdifchen Schätze ift. Durch diefes Princip wird der
Unternehmungsgeift und die Möglichkeit, den Bergbau einzuleiten, erfahrungs-
gemäfs fehr benachtheiligt, und wäre es wünfchenswerth, ähnlich wie im Weden
die Schurfberechtigung einzuführen.
Es fei noch erwähnt, dafs man im Jahre 1869 die Steuern auf Bergwerke
fehr reducirt hat.
Die Lage des Minenarbeiters ift im Allgemeinen eine günftige, und es ift
intereffant, zu erfahren, dafs auch die Betheiligung diefer Arbeiter an Vorfchufs-,
Krankencalfen und anderen gemeinnützigen Inftituten eine fehr rege ift.
Endlich fei noch hinzugefügt, dafs in den neu annedtirten Ländern im
Diftridte des Amur und in den weiten Ebenen Centralafiens wichtige mineralifche
Funde gemacht wurden.
In diefem Augenblicke haben diefe Entdeckungen nur wiffenfchaftliches
Intereffe; es ift aber immer anerkennenswerth, wenn durch Männer von fo
bedeutendem Rufe, wie Tartanow, Dawidow, Klöden, fo fchätzbare Mittheilungen
in weite Kreife getragen werden.
Wir gehen nun auf den gegenwärtigen Stand der Hütten- und Berginduftrie
über und betrachten zunächft die Fortfehritte der Hüttenprodudlion in Rufsland.
Der Handel mit Bergwerks-Produdten weift im Jahre 1871 nachfolgende
Ziffern aus :
1830
CO
0
1850
1860
1870
1871
1872
Gold
Platina ....
Silber ....
Kupfer ....
Gufseifen . .
Eifen ....
Salz
Kohle ....
382
106
1.282
235-995
11,169.328
20,920.393
457
107
I - 2 79
280.918
11,018.950
6,970.012
27,195.012
500.000
I -453
109
1.068
393-618
13,892.325
9,999-516
24,829.009
3,000.000
I -49 1
(?) 161
1.070
315-693
18,174.125
11,207.641
26,109.602
8,000.000
2.156
118
867
308.440
1,964.742
15,217.908
29,013.458
43.230.589
2-399
125
828
260.006
1,890.279
14,958.597
28 ,254-53°
50,654.552
Im Detail ftellt fich nach den jüngften Berichten des officiellen ftatiftifchen
Bureaus in St. Petersburg die Förderung der Bergwerke folgendermafsen (f. S. 132
und 133) dar.
Was nun die Erzeugung von metallurgifchen Produdlen anbelangt, fo ift ein
mächtiger Auffchwung der ruffifchen Fabriken zu conftatiren, und hat nament
lich die Fabrication von Waffen in erfter Linie und die Mafchinenerzeugung in
zweiter an Ausdehnung ungeheuer gewonnen.